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Fachtagung Wuchshüllen in der Forstwirtschaft war ein voller Erfolg

Veröffentlicht am: 04. Juni 2018

Mit fast 140 Anmeldungen und damit außerordentlich gut besucht, fand am Dienstag 15.05.2018 an der Hochschule für Forstwirtschaft (HFR) die Fachtagung zum Einsatz von Wuchshüllen und Wuchsgittern in der Forstwirtschaft statt.

Aus der Schweiz, Österreich und Deutschland und aus fast allen Bundesländern waren Forstbetriebsleiter, Produzenten, Händler, Verantwortliche des öffentlichen Beschaffungswesens und der Waldzertifizierung sowie sämtliche Waldeigentumsarten und Pressevertreter dreier forstlicher Fachzeitschriften anwesend.

„Zunächst erscheint es unverständlich, dass ein scheinbar unwichtiges Thema solche Aufmerksamkeit auf sich zieht.“, äußerte sich gleich zu Beginn der Konferenzleiter und Initiator der Veranstaltung Prof. Dr. Sebastian Hein. Doch mit jedem weiteren der insgesamt 10 Referenten wurde deutlich, dass es diese Erfindung des Engländers Tuley vom Ende der 70 Jahre des vergangenen Jahrhunderts in sich hat: Die anhaltende Nachfrage ist originär dem weiterhin und in vielen Regionen nicht zufriedenstellend gelösten Wald-Wild-Problem geschuldet.

In den vergangenen 40 Jahren der stürmisch verlaufenden Innovationsbiographie dieses Einzelschutzes kamen außerdem wichtige Verbesserungen der ersten Prototypen hinzu und befeuerten die Verwendung. Besonders die Klärung durch den französischen Kollegen Dr. Christian Dupraz, warum Wuchshüllen belüftet und nicht geschlossene Röhren sein sollten brachte weitere Sicherheit und Verbreitung.

Die Teilnahme besonders dieses Experten per Videokonferenz live aus Montpellier brachte den Tagungsteilnehmern Einblicke aus erster Hand. Im Fokus stand jedoch der kritische Blick auf die „Wuchshüllenszene“, wie es die Veranstalter HFR, ForstBW sowie Landesforsten Rheinland-Pfalz gewünscht hatten: Der ehemalige Forstamtleiter und Publizist Wolf Hockenjos legt mit scharfer Feder die Finger in die Wunde der Förster und brandmarkte den „Verlust an Waldästhetik durch die Röhrenseuche“.

Als ein Beispiel des nicht-amtlichen Naturschutzes stellte Rolf Müller vom Nabu-BW seine Positionen sachlich differenziert dar. Besondere Aufmerksamkeit erfuhr jedoch Dr. Harald Käb (narocon): „abbaubar ist nicht gleich abbaubar“, denn auch hier gibt es den kleinen aber bedeutsamen Unterschied: oxo-/ oder biologisch abbaubar oder gleich durch EU-Norm zertifizierte Wuchshüllen sowie über allem der Wunsch, dass kein Makro-, Mikro- oder Nanoplastik in den Wald gelangen sollte.

Die anwesenden Verantwortlichen des öffentlichen Beschaffungswesens und der Waldzertifizierung begannen dann möglicherweise gleich zu überlegen, ob und wie solche „Kriterien für Nachhaltigkeit“ in die nächsten Ausschreibungsbedingungen und Standards integriert werden könnten.

Während die Titelfrage der Konferenz “Wuchshüllen in der Forstwirtschaft – (k)ein Ende des Booms?“ bewusst offen gelassen wurde, zeigte die Veranstaltung jedoch klar, dass die Nachfrage nach Wissen rund um den begehrten Einzelschutz gegen Wildverbiss im Wald ungebrochen ist: „Kompetente Referenten, kontroverse Blickwinkel auf das Thema, kenntnisreiche Teilnehmer bringen den Boom solcher Veranstaltungsformate“, kommentierte die Konferenzleitung sichtlich erfreut.

Tagungspräsentationen zum freien Download unter:https://www.hs-rottenburg.net/Hein

Vgl. auch Berichte in verschiedenen forstlichen Fachzeitschriften (DE, AT, CH), z.B. Holzzentralblatt: „Von der Notlösung zum Rundum-sorglos-Paket?“, Nr. 21, 25.05.2018, 491-492.

Kontakt: Prof. Dr. Sebastian Hein

hein@hs-rottenburg.de