Hochschuldidaktik

Studierende sitzen während einer Vorlesung in der Aula der Hochschule Rottenburg

Die Hochschuldidaktik unterstützt Lehrende in Form von individueller Beratung zu Fragen der Lehre (u.a. Lehrveranstaltungsplanung, Lehrreflexion) und bei der Entwicklung, Durchführung und Evaluation innovativer Lehrprojekte bzw. neuer Lehrformate. Zudem werden regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen zu hochschuldidaktischen Themen an der HFR angeboten.

Gender und Diversity in Lehre und Forschung sehen wir als Ressource und Chance, die wir in der Lehre nutzen wollen. Insofern achten wir bei der Konzeption und Durchführung der jeweiligen Lehrveranstaltungen auf die individuellen Anforderungen und Fähigkeiten der Studierenden und legen Wert auf eine gender- und diversitysensible Didaktik. Weitere Informationen zu Gender und Diversity.

Informationen zum Didaktischen Coaching, Informationen und Tutorials zur Lernplattform Ilias und zum Thema E-Learning finden Sie auf der Lernmanagementplattform Ilias.

Im Rahmen von speziell geförderten Lehr-Lernprojekten können umfangreichere didaktische Maßnahmen geplant und umgesetzt werden. Ziel der Projekte ist es, in der Lehre innovative Ansätze und Methoden zu befördern und den Studierenden zukunftsweisende Kompetenzen zu vermitteln.

Lehr-Lernprojekte an der HFR

Aktuell haben wir drei Lehr-Lernprojekte an der Hochschule für Forstwirtschaft, die durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert werden.
Das Projekt HUMUS bietet Lehrenden mit kleinen Fördersummen die Möglichkeit, innovative Lehrideen auszuprobieren und die Lehre weiterzuentwickeln.
Mit dem Projekt Mobile Module wird mit einem interdisziplinären Ansatz Studierenden die Chance eröffnet, Studienthemen in die Praxis zu überführen und reale mobile Räume für Nutzung und Forschung zu schaffen.
Das Projekt „Wissensdialog Nordschwarzwald“ fördert als Reallabor die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis. In der Lehre bot es im Rahmen des Wahlfplichtfachs „Wald und Gesundheit“ Studierenden verschiedener Studiengänge die Möglichkeit theoretisches Wissen gleich auf reale Problemstellungen aus der Regionalentwicklung anzuwenden. 

1. Projekt HUMUS - Förderung innovativer Lehrprojekte

Die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR) hat zusammen mit der Geschäftsstelle der Studienkommission für Hochschuldidaktik (GHD/Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft) ein Projekt des Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) Baden-Württemberg eingeworben, das innovative Lehrideen an allen Hochschulen in Baden-Württemberg fördert.

Ziel der HUMUS-Projekte (Hochschuldidaktische und methodische Unterstützung der Selbstinitiierung von Lernprozessen) ist es, durch die Lehre die Eigenmotivation und Selbststeuerung der Studierenden anzuregen und zu stärken. Das eigenständige Denken und die Neugierde der Studierenden sollen zu Erkenntnisprozessen im Studium führen. Studierende sollen zudem möglichst früh im Rahmen ihres Studiums in konkrete gesamtgesellschaftliche Entwicklungen und Problemstellungen und deren Lösungen einbezogen werden (Aspekt Third Mission).

HUMUS-Projekte an der HFR

Im Rahmen des Lehr-Lern-Projekts HUMUS wurden an der HFR bisher sechs innovative Lehrideen über die landesweite Ausschreibung bewilligt und weitere Projekte konnten intern durch HUMUS gefördert werden.

Prof. Dr. Tobias Veith: Tools für die Energiewirtschaft mehrweniger

Screenshot der interaktiven Website „ernergiestudium.de“

Mithilfe dieses HUMUS-Projektes konnte eine interaktive Webseite „ernergiestudium.de“ entwickelt werden, auf der Studierende ihre erstellten Tools für die Energiewirtschaft veröffentlichen können. Damit werden Informationen für die interessierte Öffentlichkeit und auch Studierende anderer Hochschulen bereitgestellt. Studierende lernen und üben eine adressatenspezifische Wissensvermittlung im Themenfeld Energiewirtschaft. Durch die Möglichkeit für Studierende, eigene Arbeiten (z.B. Wikibeiträge und entwickelte Tools) auf der Webseite zu veröffentlichen, wird das Interesse und die Motivation angeregt und eine Gelegenheit für Selbstwirksamkeitserfahrungen geschaffen.

Prof. Dr. Tobias Veith: Learning & Teaching Tools für die Energiewirtschaft mehrweniger

Im zweiten Projekt Learning- und Teaching-Tools für die Energiewirtschaft lag der Schwerpunkt auf der Entwicklung von Lernmaterialien für andere Studierende. Bei der Entwicklung von Erklärvideos und interaktiven Tools stand die Ausrichtung auf die möglichen Kunden im Fokus. Die Aufbereitung des jeweiligen Themas war an den Abläufen des Berufsalltags angelehnt. Aufbereitung und Nutzung durch Kunden, ansprechende Dokumentation der Arbeitsergebnisse, verständliche Dokumentation der Tooleigenschaften und die abschließende Veröffentlichung der Ergebnisse.

Prof. Dr. Dr. h.c. Bastian Kaiser: "Cross-fertilization-effects of Higher Education by the Exchange of international PhD students (COFED)" mehrweniger

Gruppenfoto während der Stadtführung

Mit diesem Projekt wurde der Austausch von jungen Wissenschaftler*innen der HFR und der Partneruniversität Vasile Goldis Arad befördert. Die Doktorand*innen sollten erste Lehrerfahrungen sammeln und Ihre Forschungsthemen im Lehrangebot ihrer jeweiligen Universität und Hochschule einbringen. Vorbereitend dafür wurde von der GHD ein Didaktikworkshop durchgeführt, der neben den inhaltlichen Anregungen zur motivierenden Vermittlung von Forschungsthemen auch eine sehr gelungene Möglichkeit bot, sich gegenseitig kennenzulernen und über die Forschungsthemen auszutauschen. Begleitend zu den jeweiligen Campusführungen wurden verschiedene wissenschaftliche Einrichtungen besucht: Pharmazeutisches Labor und Doktorandenkolleg und das Klinikum der Universität Tübingen, ein Start-up im Technologiepark Tübingen und eine neue Biogasanlage in Arad, das Büro der Rektorenkonferenz und das Büro von Baden-Württemberg International (bw-i), die jeweiligen Landkreisvertretungen und Bürgermeister. Ein kulturelles Begleitprogramm rundete die jeweiligen Besuche ab.

Das Projekt hat spürbar dazu beigetragen, das gegenseitige Verständnis zwischen den Hochschulen und Wissenschaftlern zu stärken, ersten wissenschaftlichen Austausch zu befördern, die Forschung deutlicher in einen Kontakt zur Lehre zu bringen und die interkulturelle Kompetenz auf beiden Seiten auszubauen (Zitat Kaiser).

Prof. Dr. Michael Rumberg: Von der Theorie zur Praxis: Die Postwachstumstheorie in einer 30-TAGE-CHALLENGE mehrweniger

Logo der 30-TAGE-CHALLENGE

Mit diesem Projekt wurde eine studentische Idee in die Lehrpraxis überführt. Studierende und Mitarbeitende der HFR testeten in einer 30-Tage-Challenge die Umsetzbarkeit einer Theorie der Postwachstumsökonomie. Auf der Basis selbstgesteckter Ziele wurde versucht, ressourcenschonender und umweltfreundlicher zu leben. In einem Tagebuch wurden die Ziele und deren täglicher Erreichungsgrad festgehalten. An dem Projekt waren ca. 80 Studierende und Mitarbeiter beteiligt und über 40 arbeiteten mit dem Tagebuch und den Zielen aus den Bereichen Mobilität, Ernährung, Konsum, Leben und Wohnen.

Durch die Challenge hat sich der Blick der Teilnehmenden auf diese Themen gewandelt. Zu den Ergebnissen der Challenge sagte Prof. Dr. Rumberg: Es ist sehr deutlich geworden, dass die aktuellen Rahmenbedingungen es sehr schwer machen, durchweg genügsam und ressourcenschonend zu leben. Schon wenn Sie einen Supermarkt betreten, ist klar, dass Sie Abfall mit nach Hause nehmen. Werbung und Sonderangebote verlocken ständig zu Extraeinkäufen. Die Teilnehmer haben auch gespürt, dass es einfacher ist, in einer Gruppe das Projekt anzugehen als für sich alleine. Und es ist deutlich geworden, dass es sinnvoller ist, weniger Ziele zu verfolgen. Bei zu vielen Zielen steigt die Gefahr zu scheitern, weil man überfordert ist.

Mithilfe von Informationen und Aktionen der studentischen Projektgruppe und einen Abschlussvortrag erhielt das Projekt immer wieder Aufmerksamkeit über die direkt Beteiligten hinaus.

Prof. Dr. Michael Rumberg: RESSOURCEN-BAUKASTEN - ein Spielfeld zur Simulation von Ressourcenvorkommen in aller Welt mehrweniger

Wie viele Ressourcen gibt es und wo sind Ressourcenvorkommen in aller Welt? Diese Frage bleibt oft sehr unkonkret und hinter Zahlenwerten versteckt. Mit dem RESSOURCEN-BAUKASTEN haben die Studierenden ein methodisches Instrument in der Hand, mit dem die Ressourcenvorkommen erfahrbar gemacht werden und unterschiedliche Szenarien zum Ressourcenbedarf durchgespielt werden können. Ziel dabei ist es, die räumliche Verteilung, die Begrenztheit aber auch den Reichtum an einzelnen Ressourcen aufzuzeigen. Vor dem Hintergrund wachsender internationaler Konflikte und verstärkter Fokussierung auf nationalstaatliche Belange können auch strategische Aspekte der Ressourcenbewirtschaftung auf Basis des Baukastens diskutiert werden. Durch den spielerischen Ansatz wird die Motivation der Studierenden zur aktiven Auseinandersetzung mit dem Thema angeregt und neben dem Wissenserwerb ermöglicht es auch eine eindrückliche Erfahrung.

Prof. Dr. Heidi Megerle und Dr. Katharina Braig: Motivation durch öffentlichkeitswirksame Partizipation (MOP): Erarbeitung von Datenblätter zu SDG im Stiftungswesen mehrweniger

Studierende lauschen dem Referenten in einem Vortragsraum

Studierende untersuchten im Fach Umweltrecht und Umweltpolitik die besondere Rolle von gemeinnützigen Stiftungen bei der Umsetzung der SDGs. Die Rechercheergebnisse wurden auf einem Datenblatt zusammengetragen. In Kooperation mit dem EZ-Scout-Programm der GIZ und dem Deutschen Stiftungszentrum sowie Engagement Global und den einbezogenen Stiftungen wurden die Daten für eine Veröffentlichung weiterbearbeitet. Diese Aufgabe war für Studierende eine Erprobung im wissenschaftlichen Arbeiten und bot Gelegenheit, an einer Publikation mitzuarbeiten und erste Kontakte zu möglichen Arbeitgebern aufzubauen. Motiviert wurden die Studierenden durch die interdisziplinären und internationalen Bezüge des Projektes. Sie schätzen sehr, dass sie einen eigenen aktiven Beitrag zu den SDGs leisten konnten und bewerteten den Praxisbezug sehr positiv.

Prof. Dr. Wolff: Hiebsplanung mit dem digitalen Tool „Logbuch“ – Aufbruch zur Forstwirtschaft 4.0 mehrweniger

Die Auseinandersetzung mit einer digitalen Herangehensweise zur Hiebsplanung im Forstbetrieb ist ein wichtiges innovatives Themenfeld, das bisher noch kaum in der Lehre an einem konkret erfahrbaren Programm eingebunden werden konnte. Mithilfe des Projektes konnten Studierende das Planungsprogramm „Logbuch“ kennenlernen und erproben und so erste Erfahrungen mit dem Thema Forstwirtschaft 4.0 sammeln. Didaktisch hat es sich bewährt, die Vorlesung umzugestalten und zweistufig zu verfahren. Nach einem Teil zur Vermittlung der Grundlagen organisierten sich die Studierenden für die praktische Erprobung in Kleingruppen. Sie waren sehr motiviert und setzten sich in der selbstorganisierten Lernphase intensiv mit den Aufgaben und der Anwendung der Hiebsplanungssoftware auseinander. Das Thema Digitalisierung und Automatisierung im Forstbetrieb wurde kritisch diskutiert und am Beispiel der eingesetzten Software exemplarisch erfahrbar. Die Heranführung an das Thema Forstwirtschaft 4.0 ist gelungen und wir werden den damit begonnen Weg weiter ausgestalten.

Prof. Dr. Bold: Einführung in Python-Programmierung und Sensortechnologie für das betriebliche Umweltmanagement mehrweniger

Wie können Studierende motiviert werden, sich mit der Programmiersprache Python auseinanderzusetzten und damit Messgeräte zu steuern? In diesem Lehrprojekt wurden reale Fragen aus den Bereichen des Wassermanagements und des betrieblichem Umweltmanagement gestellt, für die Lösungen zu entwickeln waren. Die Studierenden programmierten Kleincomputer und Sensorhardware (Temperatur, Luftfeuchte, Wasserdurchfluss, Kameras). Die gewonnenen Sensormessdaten wurden im Umweltmanagement an der HFR eingesetzt und im Rahmen von anderen Lehrveranstaltungen (Statistik, Methodenkurs Hydrologie) interdisziplinär weiterverwendet. Einzelne Sensoren wurden auch innerhalb eines geplanten Forschungsprojekts im Bereich „Warmwassermanagement“ eingesetzt, das die Studierenden dann im Rahmen einer interdisziplinären Projektarbeit oder Bachelorarbeit vertiefen konnten. Mit der Auseinandersetzung im fächerübergreifenden Themenfeld betriebliches Umweltmanagement erwarben die Studierenden sowohl Kenntnisse im Bereich Programmierung als auch im Feld der interdisziplinären Bearbeitung und Verflechtung von Fragestellungen.

Prof. Ruge: Internationales Treffen von Forststudierenden als Plattform für den interdisziplinären Austausch im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit/Kommunikation und Dendrologie mehrweniger

Das Treffen der International Forest Students‘ Association (IFSA) für Deutschland wurde im Wintersemester an der HFR ausgerichtet. Diese Tagung wurde von der studentischen IFSA-Gruppe der HFR vorbereitet und organisiert. Sie diente als Forum und wurde genutzt, um wissenschaftliche und thematische Beiträge im Rahmen der Lehrveranstaltung Dendrologie (Forst B.Sc) und Öffentlichkeitsarbeit/Kommunikation (Forst M.Sc.) auszuarbeiten und zu präsentieren. . Die Studierenden konnten erste Erfahrungen machen, in einem hochschulübergreifenden Rahmen einer Tagung mit forstlichen Themen aufzutreten. Eingebunden waren in dem Projekt neben Forststudierenden der HFR auch Studierende aus anderen Forsthochschulen. In Hochschulübergreifenden Arbeitsgruppen wurde zu Baumarten im Klimawandel schon vor dem Treffen recherchiert, um dann vor Ort über die vorgestellten trocken- und wärmeresistenten Baumarten im Arboretum der Hochschule zu diskutieren. Die Studieren des Masterstudiengangs Forstwirtschaft präsentierten ihre Informationsbaukästen zu aktuellen Waldthemen. Diese Arbeiten waren eine beeindruckende Vorstellung der Leistungen der Master-Studierenden.

Prof. Dr. Brunotte: Erprobung eins Audience Response Systems zur Unterstützung aktivierender Lehrmethoden in den MINT-Grundlagenfächern im Studiengang Erneuerbare Energie mehrweniger

Mit Unterstützung eines Audience Response Systems (Klicker) wurde eine aktivierende und konzeptverständnisorientierte Lehrmethoden in der Vorlesung „Technische Thermodynamik 1“ im 2. Semester des Studiengangs Erneuerbare Energien erprobt.

Die Strukturierung der Vorlesung in Themeneinheiten mit anschließender aktiver Phase, in der die Studierenden durch Verständnisfragen zum Nachdenken angeregt werden, ist sehr positiv von den Studierenden aufgenommen worden. Der Schutz der anonymen Antwortabgabe durch die Klicker und die direkte Darstellung der Abstimmergebnisse wirkte sehr motivierend auf die Studierenden und spornte sie spielerisch an, möglichst richtig zu antworten. Verständnisprobleme wurden sofort sichtbar und konnten im Unterricht vertiefend und wiederholend aufgegriffen werden. Die sonst teilweise negative Stimmung zu schwierigen Themen kam nicht auf. Die vielfach existierenden Fehlvorstellungen aus dem Alltag und der Vorbildung der Studierenden zum Bereich der Technischen Thermodynamik, die einem tieferen Verständnis der Konzepte und Methoden der Thermodynamik im Wege stehen können, konnten jeweils aktuell aufgedeckt und aufgelöst werden.

Die Erwartung, dass durch das elektronische Abstimmsystem alle Teilnehmer herausgefordert sind, sich zu den Fragen zu positionieren und ein „Abschalten“ in der Lehrveranstaltung nicht mehr so leicht möglich ist, hat sich voll bestätigt.

Einsatzmöglichkeiten der Klickerfragen:

  • Wissensfragen mit Mehrfachantwortmöglichkeit
  • Verständnisfragen zu dem jeweiligen Themenblock während der Vorlesung
  • Überprüfung des Wissensstands nach gegebenen Übungsaufgaben
  • Wiederholungsfragen zu vorherigen Veranstaltung und zur Nachbereitung des Lernstoffes
  • Diskussion zu den Fragen in Kleingruppen (Peer-Instruction) zwischen den Abstimmungen
  • Steigerung der Komplexität der Abstimmfragen, je nach Wissenstand der Studierenden
  • Wettbewerb unter den Studierenden (Zählung der richtigen Antworten und Ermittlung eines Gewinners – kann auch für Gruppen gemacht werden)

Befragung der Projektverantwortlichen zur Umsetzung der HUMUS-Projekte

Projekt HUMUS – landesweite Förderung innovativer Lehrprojekte

Die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR) hat zusammen mit der Geschäftsstelle der Studienkommission für Hochschuldidaktik (GHD/Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft) bei den Projektlinien des Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) Baden-Württemberg erfolgreich Fördergelder eingeworben.

Als antragstellende Hochschule freuen wir uns, dass das MWK Baden-Württemberg im Rahmen der Programmlinie „Wissenschaft Lehren und Lernen“ WILLE (Projekt HUMUS 2017-2018) Professorinnen und Professoren der Hochschulen für angewandte Wissenschaft in ganz Baden-Württemberg ermöglicht, innovative Lehr-Lern-Projekte zu entwickeln und umzusetzen.

In der zweiten Projektausschreibungsrunde des MWK („Lehr-und Lernlabore“ 2019-2020) konnte das Verbundprojekt als HUMUSPlus mit einem neuen zusätzlichen Aspekt Third Mission weiter überzeugen. Bei Third Mission geht es um die Verknüpfung von Lehrinhalten und Methoden mit Fragen aus der Praxis, um möglichst früh Studierende im Rahmen des Studiums in konkrete gesamtgesellschaftliche Entwicklungen und Problemstellungen einzubeziehen.

In inzwischen drei Ausschreibungsrunden wurden insgesamt 201 Projekte an 20 Hochschulen bewilligt. Eine Zusammenstellung aller geförderten HUMUS-Projekte in Baden-Württemberg finden Sie auf der Webseite der GHD unter

Begegnung und Austausch der Projektverantwortlichen und Interessierten bei den Projektkonferenzen am 07.11. 2017 und 06.06.2019

Prof. Matthias Scheuber als Referent am Rednerpult auf der zweiten HUMUS-Projektkonferenz

Bereits zwei Mal wurde eine landesweite Projektkonferenz HUMUS durchgeführt. Sie boten die Möglichkeit, die vorgestellten HUMUS-Projekte an den unterschiedlichen Hochschulen kennenzulernen sowie den Erfahrungsaustausch zwischen den Lehrenden durch die Begegnungen zu unterstützen und Anregungen für weitere Projektideen auszutauschen.

Im Rahmen der zweiten Projektkonferenz sprach Prof. Dr. Matthias Scheuber (HFR) ein Grußwort und bedankte sich für die engagierten Kolleginnen und Kollegen der HAWen, die mit der HUMUS-Projektförderung neue didaktische Projekte umgesetzt und Beiträge zur Weiterentwicklung ihrer Lehre geleistet haben.

 

2. Mobile Module

Im Zuge derzeitiger Diskussionen um Ressourceneffizienz und Flächenknappheit beschäftigt sich das Lehr- und Lernprojekt „Mobile Module“ mit den Möglichkeiten des nachhaltigen Bauens. Unter den Aspekten Mobilität, variable Nutzung und dem ressourcenschonenden Einsatz von Baumaterialien werden bis Ende 2020 auf dem Campus der Hochschule für Forstwirtschaft zwei sogenannte mobile Module gebaut werden- MOLLIE und MOSES.

Den Studierenden wird in diesem interdisziplinären Projekt die Möglichkeit gegeben, in Zusammenarbeit mit anderen Studiengängen und Studierenden unter praxisnahen Bedingungen problemorientiert an einer realen Fragestellung zu arbeiten, wie sie auch in ihrem späteren Berufsleben auftreten kann. Sowohl der Entwurf als auch die statische Konstruktion werden durch Studierende erstellt und durch die am Projekt beteiligten Professor*innen und Mitarbeiter*innen fachlich geprüft. Verschiedene Arbeitsgruppen arbeiten an Themen wie Gebäudetechnik, nachhaltige Klettergriffe oder auch vertical gardening.

Der Baubeginn der Module ist für März 2020 vorgesehen, die Fertigstellung ca. zum Ende des entsprechenden Sommersemesters.

Kontakt: momo@dont-want-spam.hs-rottenburg.de 

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auch unter www.hs-rottenburg.de/momo 

3. Lehre im Reallabor „Wissensdialog Nordschwarzwald“

Der Name ist Programm: Als Reallabor will der „Wissensdialog Nordschwarzwald“ den Wissensaustausch zwischen Praxis-Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik und Wissenschaftler*innen fördern. Dabei werden neue Wege für die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis ausprobiert.

In der ersten Förderphase wurde ein Lehr-Lern-Konzept im Bereich „Forschendes Lernen“ entwickelt, das dann in der zweiten Förderphase des Projekts weiter erprobt wurde. Ziel ist, Handlungsempfehlungen für die Verknüpfung von Lehre und praxisorientierter Forschung abzuleiten. Das einzige Reallabor im ländlichen Raum geht in verschiedenen Teilprojekten zwei Kernfragen nach:

Übersichtskarte des Projektgebietes
  • Welche Chancen bietet der Nationalpark für die nachhaltige Entwicklung der ganzen Region?
  • Was können wir aus den im Nationalparkgebiet stattfindenden ökologischen Prozessen lernen?

Teilprojekt: waldbasierter Gesundheitstourismus
An der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg wurden im Projektfeld „waldbasierter Gesundheitstourismus“ zunächst nachhaltige Angebotsideen mit Tourismusanbietern aus der Region erarbeitet. Fokussiert wurde auf die besonderen gesundheitsfördernden Aspekte eines Aufenthaltes in der waldreichen Landschaft in und um den Nationalpark. Aus diesen Ideen entwickelten anschließend studentische Projektgruppen im Wahlpflichtfach „Wald und Gesundheit“ von SoSe 2018 bis SoSe 2019 umsetzungsreife Konzepte unter Anleitung des Forschungsteams und in enger Kooperation mit regionalen Partner*innen, die den Studierenden als Paten zur Seite standen.

Anhand der Problemstellungen aus der Praxis durchliefen die Studierenden verschiedene Schritte eines Forschungsprozesses Am Ende eines jeden Semesters präsentierten die Studierenden in der Reihe „Wissensdialog vor Ort“ ihre Ergebnisse öffentlich. Auf diese Weise konnten Sie Ihre Erfahrungen und Ideen in die Region zurück spielen, sowie diese direkt mit verschiedenen Stakeholdern diskutieren und Feedback einholen. Durch die Verzahnung von Forschung – Praxis - und Lehre bietet das Lehr-Lern-Konzept Potential, Studierenden ein besseres Verständnis für die Prozesse und Herausforderungen des Forschens zu vermitteln und Begeisterung zu wecken. Die (Selbst)reflexion über den eigenen Lernerfolg wurde mit der Weiterentwicklung des Konzepts zunehmend als wichtiger Baustein wahrgenommen.  

Weitere Informationen zum Projekt unter: www.wissensdialog-nordschwarzwald.de und unter:
https://www.hs-rottenburg.net/forschung/projekte-schwerpunkte/management-und-entwicklung-laendlicher-raeume/

Kontakt: bachinger@dont-want-spam.hs-rottenburg.de und diazmendez@dont-want-spam.hs-rottenburg.de

Beispiele -  Entwicklung gesundheitstouristische Konzepte unter Mitwirkung von Studierenden:  

„Der Wald als Ressource im regenerativen Stressmanagement“ mehr weniger

Stress ist nicht gleich Stress. Positiver Stress kann uns motivieren, unsere Leistungsfähigkeit steigern und unser Immunsystem stimulieren. Doch wenn wir keinen Raum mehr für Entspannung und Regeneration haben, macht Stress uns krank.
Hier kann der Wald als wertvolle Ressource dienen, um wieder Kraft aufzutanken. Neben seinen direkt spürbaren Wirkungen auf unser psychisches Wohlbefinden, hat der Wald mit seinen sekundären Pflanzenstoffen, den Terpenen, auch eine pharmakologische Wirkung auf unser Hormonsystem, Immunsystem und Nervensystem.

Gründerin und Projektpatin, Karin Beilharz, wollte dieses Wissen nutzen, um den Wald vor der Haustür im Schwarzwald für ihre Angebote in der psychosozialen Beratung erfahrbar zu machen.

Im WS 2018/19 erhoben  Studierende der HFR Primärdaten im Privatwald der Patin: Ziel war es einige Standorte zu identifizieren, welche die verschiedenen Anforderungen für Stressmanagementmethoden erfüllen und in ein Stressmanagementprogramm integriert werden können.
Im Ergebnis liegt ein Konzept für einen Waldtherapieweg in Alpirsbach vor, der neun Stationen umfasst. Natürlich vorhandene Elemente, wie eine Quelle, Waldwege und ein „Naturamphitheater“ werden genutzt, um verschiedene Entspannungsmethoden z. B. aus dem Shinrin Yoku (Waldbaden) sowie Achtsamkeits- und Atemübungen zu praktizieren.

Im SoSe 2019 beschäftigte sich ein anderes Studierendenteam mit der weiterführenden Fragestellung: Ist der Erholungseffekt des erarbeiteten Stressmanagementprogrammes im Wald, im Hinblick auf das „regenerative Stressmanagement“ vergleichbar mit wissenschaftlich fundierten Methoden wie der progressiven Muskelentspannung nach Jacobson? Die beiden Studentinnen entwickelten ein Erhebungsinstrument mit dem sie die Erholungseffekte beider Therapieansätze messen konnten. Sie ließen eine Probandengruppe beide Methoden erproben und erhoben jeweils vor und nach den Einheiten der Entspannungswert der Teilnehmenden.    

Die Ergebnisse und Erfahrungen aus den Evaluationen der Testgruppen flossen in die Weiterentwicklung von Frau Beilharz Seminar-Konzept „Der Wald im regenerativen Stressmanagement“ mit ein. Das Angebot von Frau Beilharz richtet sich sowohl an Einheimische als auch Touristen in der Region.

Weitere Informationen: www.karinbeilharz.de

„Atemlos durch den Wald“ – ein Atem-Wald-Erlebnispfad mehr weniger

Informationstafel im Wald

Die Studierenden dieses Themas sollten  Ideen für eine touristische Infrastruktur entwickeln, bei der die Waldluft und Atmung im Mittelpunkt stehen. Theoretischer Hintergrund: Waldluft wird durch die Terpene, die Bäume bei der Interaktion  mit Pflanzen und Tieren freisetzten, eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. Bereits das Einatmen dieser Duftstoffe kann nachweislich positive Auswirkungen auf das menschliche Immunsystem haben (Arvay 2016). Auf Grundlage dieses Wissens führte eine Studierendengruppe im WS 2018/19 Experteninterviews durch und entwickelte anhand der Experten-Aussagen eine Konzept für einen drei-gliedrigen Themen-Pfad, in dem Waldluft konkret erlebbar wird (vgl. Abbildung). Im SoSe 2019 führte eine zweite Studierendengruppe konkrete Recherchen für die Elemente des Teilpfads „Aufatmen“ zu den folgenden Bereichen durch: mögliche Materialauswahl, Baukosten und rechtliche Rahmenbedingungen. Anhand ihrer Recherchen erstellte die  Gruppe eine konkrete Kostenkalkulation für die Errichtung und Instandhaltung des Teilpfads. Diese Informationen will die Gemeinde  Forbach nutzen, um zu prüfen, ob der Atem-Wald-Erlebnispfad auf ihrer Gemarkung realisiert werden kann.

Gabriele Hägele
M.A. Gabriele Hägele

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

T. +49 7472/951-234
F. +49 7472/951-200
M.haegele@dont-want-spam.hs-rottenburg.de

Raum: 105, Barockbau