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Bürgerwald, Agroforst und Nichtholz-Produkte als mögliche Kooperationsfelder

Veröffentlicht am: 05. Dezember 2022

Delegation der HFR besucht Kooperationspartner im brasilianischen Paraná, um die bilaterale Forschung zur nachhaltigen Waldnutzung weiterzuentwickeln.

Gruppenfoto

Vor diesem Hintergrund besuchte eine kleine Delegation der HFR, unter Leitung von Prof. Monika Bachinger im August die Universität UNICENTRO (Universidade Estual do Centro-Oeste) im brasilianischen Bundesstaat Paraná. Ziel des Aufenthalts war die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mit den langjährigen Partnern, allen voran Prof. Afonso Figueiredo Filho. Dafür fanden mehrere Workshops und die Kontaktaufnahme mit potenziellen Projektpartnerinnen vor Ort statt.

So gewann die Delegation Einblick in die Forschung zu Araukarienwäldern und zu invasiven Baumarten wie dem Japanischen Rosinenbaum. Weitere mögliche Kooperationsfelder zeigten sich im Bereich der Agroforstwirtschaft, beispielsweise bei der Bewirtschaftung von Matesträuchern in Araukarienwäldern. An der Küste des Bundesstaats werden Palmen, Kakao, Aronia, oder Cupuaçu auf ihre Eignung in tropischen Agroforst-Systemen untersucht. Weitere mögliche Themen für die Zusammenarbeit ergaben sich im Bereich der Nutzung von Restholz-Produkten aus Kiefernplantagen oder bei Produkten aus dem Wald wie z.B. Honigproduktion und –verarbeitung.

Besondere Bedeutung erhielt das Thema der naturnahen Erholung und der naturnahen Tourismusangebote. Die Nutzung von Wald zu Erholungszwecken ist kein allgemein verfolgtes Ziel. Entsprechend schwierig stellt es sich für große Teile der Bevölkerung dar, Wälder zur Erholung oder Freizeitgestaltung aufzusuchen. Einige Waldflächen werden touristisch vermarktet. Besucherinnen und Besucher entrichten in diesen Fällen Eintritts- oder Parkgebühren.

Problematisch an dieser Situation ist, dass durch den fehlenden Kontakt mit dem Wald, die Besonderheiten dieses Naturraums, sowie dessen Funktionen für weite Teile der Bevölkerung nicht mehr greifbar sind. Das Wissen um natürliche Prozesse in Wäldern ist gering, persönliche Bezüge zu Wäldern kaum vorhanden. Wald- und naturpädagogische Angebote existieren zwar, werden aber nur von einem Teil der Bevölkerung wahrgenommen.

Vor diesem Hintergrund entwickelte das Team aus UNICENTRO und HFR den Gedanken, ein Konzept für einen Bürgerwald zu entwickeln und nahe des Universitätsstandorts in Irati umzusetzen. Ziel des Vorhabens ist es, die seltenen Araukarienwälder stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rufen. Dafür sollen ausgewählte Araukarienbestände zugänglich und erlebbar gemacht werden. Eine wesentliche Rolle spielen waldpädagogische Ziele. In die Umsetzung des Projektes werden Studierenden von UNICENTRO und Studierenden der HFR einbezogen. Das Team arbeitet derzeit an der Konkretisierung des Projektes und der Einwerbung von Fördermitteln.

UNICENTRO und HFR unterhalten seit 2010 eine intensiv gelebte Partnerschaft, welche eine Zusammenarbeit in Forschung und Lehre in den Bereichen nachhaltiger Waldbewirtschaftung und Biomasse umfasst. Über die Jahre 2010-2014 fand ein regelmäßiger Austausch von Studierenden und ProfessorInnen statt. Seit 2011 setzen die HFR und die UNICENTRO ein Forschungsprojekt im Bereich der nachhaltigen Bewirtschaftung von Privatwäldern durch, das sowohl die Nutzung von Holz-, als auch von Nichtholzprodukten beinhaltet.