Grillplatz, Landstraße, Wanderweg - Forest HP nimmt Bodenproben an Müll Hotspots im Wald
Veröffentlicht am: 17. Juni 2026
Kunststoff im Wald: Forschungsprojekt Forest HP sammelt Bodenproben an Hotspots in Baden-Württemberg

Die sonnigen Tage laden zum Wandern im Wald ein, der Arbeitsweg auf der Schnellstraße führt durch ein Waldstück. Insbesondere während der Fußball-WM brutzeln die Würstchen auf den Grillplätzen. Bei diesen alltäglichen Momenten hinterlassen Menschen Kunststoff im Wald. Genau damit befasst sich das Projekt „Forest Health & Plastik: Vielfalt und Menge von Kunststoffen im Wald – Auswirkungen auf das Waldbodenökosystem“. Das interdisziplinäre Projekt der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg und der Hochschule Coburg untersucht, wie Kunststoffe in Waldflächen gelangen, welche Kunststoffarten sich dort finden lassen und welche ökologischen Folgen sich daraus für Waldböden, mikrobielle Gemeinschaften und die forstliche Praxis ergeben.
Wühlen wie der Waschbär
„Wir machen es dem Waschbär nach und gehen dahin, wo der Müll liegt“ sagt Prof. Matthias Noll der Hochschule Coburg, Verbundleiter des Projekts. Denn für die Probenahme setzt das Forschungsteam auf die sogenannte „Hotspot-Methode“: Statt flächendeckend zu sammeln, konzentriert es sich auf Orte mit nachgewiesener oder wahrscheinlicher hoher Kunststoffbelastung. Dazu zählen Bundes- und Kreisstraßen, forstliche Rückegassen, stark frequentierte Erholungsflächen sowie touristische Attraktionen im Wald. Um einen wissenschaftlich fundierten Vergleich zu ermöglichen, werden zusätzlich Waldflächen mit geringer menschlicher Nutzung einbezogen.
Probenentnahmen in der Region
„Besonders beliebt ist die Talseite an kurvigen Straßen“ weiß Prof. Sebastian Hein, Projektverantwortlicher an der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg. Dies hat sich auch beim Waldputztag 2026 bestätigt, bei dem deutschlandweit Waldflächen von illegalem Müll befreit wurden. Daher waren rasch passende Entnahmestellen in Baden-Württemberg identifiziert. An den letzten zwei Probentagen waren Alexandra Unglaube und Sophie Jandl im idyllischen Eyachtal unterwegs. Dort wurden die talseitigen Straßenabschnitte im Wald untersucht. Und auch am Grillplatz und der angrenzende Waldspielwiese „Riegelwiese“ im Rammert haben sie Bodenproben entnommen. In den nächsten Wochen sind Probenentnahmen an touristischen Attraktionen – wie der Bärenhöhle auf der Schwäbischen Alb – und an Orten mit weniger Aufenthaltsqualität – in Regenrückhaltebecken der Bundesstraßen B28/B313 – geplant.
Warum das für die Forstpraxis und Forschungsgemeinschaft relevant ist
Kunststoffeintrag ist kein rein ästhetisches Problem, sondern ein ökologischer Faktor mit potenziellen Auswirkungen auf Bodenstruktur, Wasserhaushalt, Nährstoffkreisläufe und mikrobielle Diversität. Die Ergebnisse des Projekts Forest HP zeigen nicht nur die aktuelle Belastungssituation auf, sondern legen auch die Basis für angepasste Monitoring-Protokolle, risikobasierte Forstpraxis und fundierte politische Entscheidungen. Wer sich für angewandte Waldökologie, Umweltchemie oder die Weiterentwicklung von Nachhaltigkeitsindikatoren interessiert, findet hier ein Vorhaben, das wissenschaftliche Tiefe mit gesellschaftlicher und forstlicher Praxis verbindet.
Was noch geplant ist
Das im Oktober 2025 gestartete Projekt nimmt auch Bodenproben an ausgewählten Waldflächen in Bayern und Thüringen. Wenn die Laboruntersuchungen abgeschlossen sind, werden die Ergebnisse mit Waldbesitzerinnen und -besitzern, Herstellern von Wuchshüllen, Landwirtschafts- und Umweltministerien sowie der interessierten Öffentlichkeit geteilt.
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