Zwischen hochmodernem Sägewerk und Hygienepapier
Veröffentlicht am: 04. Mai 2026
Die industrielle Wertschöpfungskette von Laubholz
Dass der Anteil von Laubholz in deutschen Wäldern steigt, ist kein Geheimnis – die entscheidende Frage für angehende Forstakademiker ist jedoch: Wie lassen sich diese Mengen effizient und marktgerecht vermarkten und welche Mittel der Kundenorientierung tragen zu einer reibungslosen Prozesskette bei?
Im Rahmen der Lehrveranstaltung „Holzmarkt“ im Modul „Klassische und neue Geschäftsfelder“ unter der Leitung von Prof. Bertil Burian führte die letzte Exkursion des vergangenen Wintersemesters die Studierenden des Masterstudiengangs Forstwirtschaft zu zwei Giganten der Holzindustrie, an denen man nicht vorbeikommt, wenn es um den Laubholzabsatz im Südwesten geht: Pollmeier in Aschaffenburg und Essity in Mannheim.
Erste Station: Pollmeier in Aschaffenburg – Maßarbeit für den Weltmarkt
In Aschaffenburg wurden die Studierenden von zwei bekannten Gesichtern empfangen. Die Alumni, Christoph Süßmilch und Tizian Keyser, gaben Einblicke in das Unternehmen Pollmeier, das sich als europäischer Marktführer in der Laubholzsägeindustrie etabliert hat. Neben einer Einführung in die Firmenstruktur und die Produktpalette des Unternehmens wurde auch der Holzeinkaufsprozess für den Standort Aschaffenburg mit seinen logistischen Besonderheiten (Anbindung an Schiene, Straße und den Main-Hafen Aschaffenburg) vorgestellt.
Anschließend konnten die Studierenden im Rahmen einer Werksführung den hocheffizienten Einschnitt des Buchenlaubholzes nachverfolgen. Mit großen Bandsägen werden die Stämme eingeschnitten und das erzeugte Schnittholz anschließend paketweise der Trocknung zugeführt. Besonders wichtig ist das Beschweren der Pakete und die Konditionierung, um spannungsarmes Buchenschnittholz zu erhalten, das sich kaum verzieht. Nach der Trocknung findet die Qualitätssortierung des Schnittholzes in 14 verschiedene Qualitätsklassen statt. Aus den schlechteren Schnittholzqualitäten werden wiederum sogenannte „Components“, das sind Buchen-Massivholz-Zuschnitte, gefertigt, die an nachgelagerte holzverarbeitende Betriebe geliefert werden.
Das Thema „Kundenorientierung“ wurde nochmals durch einen Vortrag von Herrn Fritsch aus dem Vertriebsteam von Pollmeier vertieft, um zu verstehen, wie Anforderungen der Bau- und Möbelindustrie in Anforderungen an den Rundholzeinkauf übersetzt werden und wie mit den „Components“ eine Wertschöpfungssteigerung für das Sägewerk bei gleichzeitigen monetären und zeitlichen Vorteilen für den nachgelagerten verarbeitenden Betrieb gelingen kann.

Zweite Station: Essity Mannheim – Wo aus Holz Hygiene wird
Nach dem sich der Vormittag thematisch mit der Sägeindustrie auseinandergesetzt hatte, widmete sich die Gruppe am Nachmittag in Mannheim der stofflichen Nutzung auf Faser-Ebene. Essity ist vielen eher durch Marken wie Tempo oder Zewa bekannt. Der traditionsreiche Standort Mannheim ist jedoch weit mehr als eine „Taschentuchfabrik“ – es ist eine vollständig integrierte Produktionsstätte, die Zellstofferzeugung, Tissueproduktion auf fünf Papiermaschinen bis hin zu Verpackung und Versand auf einem riesigen Werksgelände vereint. Neben der klassischen Holzzellstoffproduktion wird seit einigen Jahren auch ein Teil der Hygienepapiere mit einem Anteil von Strohfasern hergestellt.
Nach einer kurzen theoretischen Einführung in das Unternehmen zeigte der ehemalige Werksleiter Herr Armin Reinhard den Studierenden im Rahmen einer Werksführung den Weg vom Stamm bis zur Zewa-Rolle auf. So wurde u.a. das Kontrollzentrum der Zellstoffherstellung besichtigt. Hier erfuhren die Masterstudierenden, dass das saure Sulfitverfahren zur Zellstoffgewinnung eingesetzt wird. Ein Highlight war die Besichtigung einer der Papiermaschinen, die jährlich einen Teil der insgesamt 280.000 Tonnen Hygienepapier produziert.
Den forstlichen Abschluss bildete Herr Otto Bruder von der Firma ProNaRo. Er stellte die aktuellen Entwicklungen am Industrieholzmarkt vor und erklärte die Struktur des Zentraleinkaufs: ProNaRo bündelt den Rundholzeinkauf für die Standorte Mannheim, Sappi Ehingen und Alfeld. Auch ging Herr Bruder in seinen Ausführungen auf die zukünftigen Entwicklungen in der Papier- und Zellstoffindustrie in Deutschland und ihre evtl. Auswirkungen auf die Forstwirtschaft als Lieferanten ein.

Abschließend bot diese Exkursion nicht nur beeindruckenden Einblicke in hochmodernere Produktionsanlagen, sondern verdeutlichte auch, dass der Erfolg im Laubholzmarkt kein Zufallsprodukt ist, sondern auf einer präzisen Abstimmung zwischen Wald und Werk beruht. Konsequente Kundenorientierung, Kommunikation und Zuverlässigkeit sind entscheidende Schmierstoffe für eine funktionierende Holzprozesskette.