Studierende entwickeln Zukunftskonzepte für das Naturerlebnisbad Glatten
Veröffentlicht am: 10. Juli 2026
Wie lassen sich die ökologischen, technischen und kommunikativen Herausforderungen des Naturerlebnisbads Glatten nachhaltig lösen?

Mit dieser Frage beschäftigten sich 18 Studierende des 6. Semesters des Studiengangs Ressourcenmanagement Wasser der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR) im Sommersemester 2026. Im Rahmen der Module Projektpraxis und Projektmanagement entstanden fünf aufeinander abgestimmte Konzepte, die das Naturerlebnisbad Glatten bei seiner ökologischen, technischen und kommunikativen Weiterentwicklung unterstützen.
Das Naturerlebnisbad Glatten setzt auf eine vollständig biologische Wasseraufbereitung und zählt damit zu den ökologischen Freibädern der Region. Gleichzeitig stellte das sensible System den Verein vor mehrere Herausforderungen: Ein erhöhter Phosphateintrag, klimawandelbedingt steigende Wassertemperaturen, ein durch Wildenten begünstigtes Zerkarienrisiko, eine optimierbare Pflanzenvielfalt der biologischen Reinigung sowie eine ausbaufähige Außendarstellung machten deutlich, dass ein ganzheitlicher Lösungsansatz gefragt war. Genau hier setzte das Projekt der HFR an.
Projektpraxis und Projektmanagement greifen ineinander
Das Projekt ging dabei weit über eine klassische Semesterarbeit hinaus. Während sich die Studierenden in fünf fachlichen Projektgruppen mit naturwissenschaftlichen, technischen und kommunikativen Fragestellungen beschäftigten, wurde das Gesamtprojekt parallel im Modul Projektmanagement organisiert. Projektleitung, Projektplanung, Controlling, Risikomanagement, Stakeholderanalyse, Finanzen, Kommunikation und Projektmarketing sorgten dafür, dass die einzelnen Teilprojekte zielgerichtet koordiniert und zu einem gemeinsamen Gesamtkonzept zusammengeführt wurden. Ziel war es, wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Optimierungskonzepte für die langfristige Weiterentwicklung des Naturerlebnisbads zu entwickeln.
Fünf Projektgruppen – ein gemeinsames Ziel
Im Teilprojekt Wasser- und Nährstoffbilanz wurde zunächst eine umfassende Analyse der Wasserqualität durchgeführt. Die Untersuchung lieferte eine fundierte Datengrundlage zur Bewertung der Wasserqualität. Daraus wurden konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet, darunter die weitere Ursachenklärung des Phosphoranstiegs, konsequentes Duschen der Badegäste vor dem Baden sowie der Verzicht auf das Wasser der Lauter beziehungsweise des Lauter-Kanals als zusätzliches Füllwasser.
Aufbauend auf diesen Erkenntnissen entwickelte die Projektgruppe Phosphatreduktion einen chemikalienfreien Lösungsansatz. Vorgeschlagen wurde ein Filter mit Eisenhydroxid-Granulat, der gezielt das Ausgleichs- und Kühlwasser behandelt und die Phosphorkonzentration zuverlässig unter den FLL-Richtwert senken kann. Damit entstand ein ökologisch und wirtschaftlich geeigneter Ansatz, um den Phosphateintrag nachhaltig zu reduzieren.
Im Teilprojekt Bepflanzungskonzept wurde nach einer Bestandsaufnahme der vorhandenen Vegetation ein konkretes Pflanzkonzept zur ökologischen Optimierung des Naturerlebnisbads entwickelt. Hierfür entstanden zwei aufeinander aufbauende Bepflanzungskonzepte mit einer gezielten Auswahl geeigneter Pflanzenarten sowie ergänzende Pflanzensteckbriefe und Pflegeempfehlungen. Ziel ist eine größere Pflanzenvielfalt, die Förderung der Biodiversität und eine effizientere biologische Wasseraufbereitung bei gleichzeitig geringem Pflegeaufwand.
Im Teilprojekt Reduktion des Wildenten- und Zerkarienrisikos wurde ein Präventionskonzept zur Verringerung des Risikos einer Badedermatitis entwickelt. Nach der Bewertung verschiedener Maßnahmen empfahlen die Studierenden den Einsatz eines Lasersystems zur Vergrämung von Wildenten als zentrale Handlungsempfehlung. Ergänzt wird das Konzept durch weitere präventive Maßnahmen und Informationsangebote, die den biologischen Infektionszyklus unterbrechen und das Zerkarienrisiko langfristig minimieren sollen.
Neben den ökologischen Fragestellungen spielte auch die Außendarstellung des Naturerlebnisbads eine zentrale Rolle. Im Marketingkonzept entstand ein vollständig neuer Markenauftritt mit Corporate Design und Logo, einem Websitekonzept, einem modernen Flyer, Social-Media-Vorlagen sowie Informationstexten zur natürlichen Wasseraufbereitung. Die entwickelten Materialien bilden die Grundlage für einen zeitgemäßen und einheitlichen Außenauftritt des Naturerlebnisbads.
Wissenschaft trifft Praxis
Alle fünf Teilprojekte wurden abschließend zu einem Gesamtkonzept zusammengeführt und dem Naturerlebnisbad Glatten als wissenschaftlich fundierte Grundlage für zukünftige Investitions- und Managemententscheidungen übergeben. Gemeinsam decken die entwickelten Konzepte ökologische, technische und kommunikative Fragestellungen ab und zeigen, wie praxisnahe Forschung konkrete Herausforderungen regionaler Praxispartner unterstützen kann.
Für die Studierenden bot das Projekt die Möglichkeit, ihr im Studium erworbenes Fachwissen unter realen Bedingungen anzuwenden und gemeinsam mit einem strukturierten Projektmanagement komplexe Aufgaben im Team zu bearbeiten. Gleichzeitig entstand für das Naturerlebnisbad Glatten ein ganzheitliches Maßnahmenpaket, das den langfristigen Erhalt und die nachhaltige Weiterentwicklung des Bades unterstützt.




