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FitForest-Projekt: Studierende aus Osteuropa zu Gast in Rottenburg

Veröffentlicht am: 10. Juli 2026

Vom 15. bis 19. Juni 2026 fand an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg das FitForest-Projekt unter dem diesjährigen Thema „Zukunftsfähige Organisationsstrukturen in der Forstwirtschaft“ statt.

Daran nahmen rund 30 Studierende, Promovierende und Dozierende von forstlichen Universitäten aus Polen, Tschechien und der Slowakei (Warsaw University of Life Sciences, Czech University of Life Sciences, Technical University in Zvolen) teil. Studierende der Hochschule Rottenburg schlossen sich dem Wochenprogramm tageweise an. Ziel der Woche war es, unterschiedliche Ansätze der Forstorganisation kennenzulernen und aktuelle Herausforderungen der europäischen Forstwirtschaft gemeinsam zu diskutieren. Daneben blieb viel Raum für fachlichen und kulturellen Austausch zwischen den Ländern. 

Gruppenfoto vor dem Hochschulgebäude

Foto: FitForest-Teilnehmer aus Polen, Tschechien und der Slowakei sind zum Austausch in Rottenburg

Montag- Begrüßung und Einführung in die deutsche Forstwirtschaft

Die Woche startete mit einem Einführungsvortrag von Rektor Prof. Dr. Bastian Kaiser, welcher das deutsche forstliche Ausbildungssystem darstellte. Dabei erhielten die Teilnehmenden einen Überblick über die Strukturen der deutschen Forstwirtschaft und konnten diese mit den Gegebenheiten ihrer Heimatländer vergleichen. Ein weiterer sehr interessanter Punkt war, wie die HFR versucht, ihre Studierenden auf die Herausforderung der sich ändernden Anforderungen vorzubereiten.
An den Vortrag schloss sich eine spannende Exkursion ins Lehrrevier der Hochschule unter der Leitung von Prof. Dr. Sebastian Hein an. Kennenzulernen gab es die Besonderheiten der heimischen Wälder und die praktische Umsetzung einer Durchforstungsmaßnahme.

Dienstag- Herausforderungen und Zukunftsstrategien im Forstamt Zollernalb und Sigmaringen

Die erste Exkursion unter der Leitung von Prof. Dr. Artur Petkau hatte das Kreisforstamt im Zollernalbkreis zum Ziel. Dabei standen Herausforderungen für die Forstwirtschaft wie Klimawandel, Trockenheit, Stürme und Borkenkäferbefall im Zentrum der Diskussion. Anschließend erörterte die Gruppe Maßnahmen für den Waldumbau hin zu klimaresilienten Mischwäldern. Die stellvertretende Leiterin des Kreisforstamtes, Frau Julia Schmitt und der Revierleiter Gabriel Werner standen den Gästen Rede und Antwort.

Am Nachmittag erhielten die Studierenden dann in Sigmaringen beim Forstbetrieb der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern, weitere Einblicke in die aktuellen Herausforderungen der Forstwirtschaft. Insbesondere die deutliche Fokussierung auf die wirtschaftliche Zielsetzung war für die externen Gäste in dieser Klarheit neu und wurde mit dem Betriebsleiter Jakob Fischer lebhaft diskutiert. Darüber hinaus wurden Fragen der aktiven Waldbewirtschaftung und der Vergütung von Ökosystemleistungen behandelt.

Mittwoch- Besuch im Stadtwald Villingen-Schwenningen, einem der größten Kommunalwälder Deutschlands

Die Exkursion am Mittwoch unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Schurr behandelte die Strukturen von Kommunalwäldern. Dr. Tobias Kühn sowie Roland Brauner, der Leiter und der stellvertretende Leiter des Stadtforstamtes, sowie Revierleiter Christian Ludowicy gaben interessante und tiefe Einblicke in die Arbeit ihres kommunalen Forstbetriebes auf der Ostabdachung des Schwarzwaldes. Die Palette der Themen reichte von Waldgeschichte an der Burgruine Kirneck über praktische Fragen der Waldbewirtschaftung (Pflege, Umbau und Finanzen), der hochmechanisierten Holzernte mit Demonstration eines Vollernters im Einsatz bis zum Vergleich naturnaher und eher klassischer Waldbestände und zur Waldökologie. Die Diskussionen waren rege und offen. Eine besondere Station war eine mächtige Weißtanne, eine Zeugin der Geschichte, deren Wurzeln ins 18. Jahrhundert zurückreichen.
Nach der Mittagspause stellten die Kollegen des Stadtforstamtes am Wildgehege Salvest noch die Ausgestaltung der Erholungsfunktion und neue Geschäftsfelder wie einen Windpark und einen Bestattungswald vor.

Gruppenfoto der Teilnehmer vor der  Methusalem-Weißtanne

Foto: Versteckt im Wald- unter einer Methusalem-Weißtanne

Donnerstag- Klosterführung und Forstbezirk Schönbuch

Für die letzte Exkursion der Woche begaben sich die Studierenden mit Prof. Dr. Bastian Kaiser nach Bebenhausen. Nach der Vorstellung von Struktur und Aufgaben des staatlichen Forstbetriebs in Baden-Württemberg durch Dr. Alexander Abt, Abteilungsleiter bei ForstBW, begleitete dieser die Gruppe auf einem informativen Rundgang durch das für die Landesgeschichte bedeutsame Ensemble mit Vergangenheiten als Kloster, als Schloss und als Parlamentssitz.
Nach einer Stärkung unternahm die Gruppe am Nachmittag einen Spaziergang durch den Forstbezirk Schönbuch. Der Forstbezirksleiter  Götz Graf von Bülow und Dr. Alexander Abt leiteten die Gruppe anhand verschiedener Waldbilder durch Themen wie Forstbetrieb, Erholungsfunktion, Biodiversität und Rotwildbewirtschaftung und boten Raum für angeregte Diskussionen.

Freitag-Workshops und Abschiedsparty an der Hochschule

Am Freitag fand ein abschließender Workshop mit fachlichen Impulsen von Prof. Dr. Christoph Schurr, Prof. Dr. Sebastian Hein und Prof. Dr. Bertil Burian statt. Einige Aspekte der vergangenen Woche wurden nochmals aufgegriffen und vertieft, wobei der Blick sich dann weiter in die Zukunft richtete. Der Vergleich der deutschen Forstwirtschaft mit der Waldbewirtschaftung der anderen Länder regte einen intensiven Austausch an.
Am Abend klang die ereignisreiche Woche bei einer geselligen Abschiedsparty aus - mit vielen neuen Kontakten, fachlichen Impulsen, Erprobung der Schießfertigkeit im Schießkino und wertvollen internationalen Erfahrungen.

Fazit:

Die Projektwoche zeigte, dass die Herausforderungen der modernen Forstwirtschaft viele Länder gleichermaßen betreffen und es unterschiedliche Wege zur Bewältigung gibt. 
Der fachliche Austausch zwischen den Teilnehmenden eröffnete neue Perspektiven auf zukunftsfähige Organisationsstrukturen, fachliche Diskussion und Möglichkeiten, mit- und voneinander zu lernen, und stärkte zugleich die internationalen Verbindungen zwischen den beteiligten Hochschulen.

Zur Finanzierung:

Unser besonderer Dank gilt den Kolleginnen und Kollegen an der Warsaw University of Life Sciences, SGGW, die die für einen solchen Austausch erforderlichen Mittel eingeworben und im Rahmen des Projekts FitForest zur Verfügung gestellt haben. Finanziert wird das gesamte Projekt, in dem vier weitere, einwöchige FieldSessions wie diese Woche in Baden-Württemberg sowie mehrere andere Austauschformate (Kurzzeitdozenturen, Taskgroups, etc.) organisiert werden, aus Mitteln der Nationalen Polnischen Agentur für den akademischen Austausch (Polish National Agency for Academic Exchange, NAWA).
Dieses Engagements aus Polen verdient gerade in den aktuellen Zeiten einer geopolitischen Verunsicherung größten Respekt und Dank. Es ist wichtig, dass sich die Jugend verschiedener Länder begegnet, einander und die jeweils andere Kultur kennenlernt und dass auch die Wissenschaft sprach- und austauschfähig bleibt.