Stiftung Naturschutzfonds fördert Artenvielfalt am Spitzberg
Veröffentlicht am: 19. August 2026

Die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg unterstützt den Erhalt eines der artenreichsten Gebiete Baden-Württembergs mit knapp 250.000 Euro. Mit der Förderung ermöglicht sie ein Naturschutz- und Forschungsprojekt der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg, das den außergewöhnlichen Artenreichtum des Spitzbergs langfristig sichern und wissenschaftlich fundierte Maßnahmen für seinen Erhalt entwickeln soll.
Der Spitzberg zählt zu den artenreichsten Gebieten des Landes. Auf lediglich rund 0,017 Prozent der Landesfläche wurden bislang etwa 26 Prozent aller in Baden-Württemberg nachgewiesenen Tier- und Pflanzenarten festgestellt. Dennoch ist auch dieses außergewöhnliche Gebiet vom anhaltenden Rückgang der Biodiversität betroffen. Besonders deutlich zeigen sich die Veränderungen auf den wertvollen Kalkmagerrasen der ehemaligen Weinbergterrassen am Südhang des Spitzbergs. Durch den zunehmenden Nährstoffeintrag haben sich ihre Artenzusammensetzung und ihre Vegetationsstruktur in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verändert.
Ein Schwerpunkt des dreijährigen Projekts liegt deshalb auf der Verbesserung dieser artenreichen Offenlandlebensräume. Darüber hinaus sollen Trockenwälder am Südhang gezielt aufgelichtet werden, um stark gefährdete Lichtwaldarten wie den Berglaubsänger zu fördern. Ein weiterer Baustein des Projekts ist die Sanierung und Neuanlage von Stillgewässern auf der bewaldeten Hochfläche. Damit sollen gefährdete Amphibienarten wie Kammmolch und Laubfrosch bessere Lebensbedingungen erhalten.
Kalkmagerrasen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Ihre außergewöhnliche Vielfalt ist eng an nährstoffarme Bodenverhältnisse gebunden. In den vergangenen Jahrzehnten haben jedoch vor allem atmosphärische Stickstoffeinträge zu einer zunehmenden Nährstoffanreicherung geführt. Die Vegetation wächst dadurch dichter und höher, wodurch konkurrenzschwache Pflanzenarten sowie zahlreiche spezialisierte Insekten zunehmend verdrängt werden.
Ab September 2026 werden daher in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Tübingen verschiedene Naturschutzmaßnahmen auf ausgewählten Versuchsflächen in den Naturschutzgebieten Hirschauer Berg und Spitzberg-Ödenburg umgesetzt. Ziel des dreijährigen Projekts ist es, wissenschaftlich zu untersuchen, mit welchen Maßnahmen sich Kalkmagerrasen langfristig erhalten und wiederherstellen lassen.
Hierfür werden unterschiedliche Verfahren miteinander verglichen. Neben einer frühen Mahd im Mai („Schröpfmahd“) wird auf wenigen ausgewählten ehemaligen Weinbergterrassen einmalig der besonders nährstoffreiche Oberboden entfernt. Anschließend wird Mahdgut artenreicher Kalkmagerrasen auf die Flächen übertragen, um die Wiederansiedlung charakteristischer Pflanzenarten zu fördern.
„Der Spitzberg gehört zu den wertvollsten Naturlandschaften Baden-Württembergs. Mit diesem Projekt verbinden wir praktische Naturschutzmaßnahmen mit moderner Forschung. Unser Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Lösungen zu entwickeln, die nicht nur dem Spitzberg zugutekommen, sondern auch auf andere Schutzgebiete mit vergleichbaren Herausforderungen übertragen werden können“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Thomas Gottschalk von der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg.
Die Wirksamkeit der einzelnen Maßnahmen wird während des gesamten Projekts wissenschaftlich begleitet. Im Mittelpunkt stehen Untersuchungen zur Entwicklung der Vegetation sowie ausgewählter Tiergruppen wie Tagfalter und Heuschrecken. Die wissenschaftliche Bearbeitung des Projekts übernimmt der Doktorand Alexander Kelemen an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg. Im Rahmen seiner Promotion untersucht er, welche Maßnahmen den Erhalt und die Wiederherstellung artenreicher Kalkmagerrasen am wirksamsten unterstützen. Die Ergebnisse sollen eine wissenschaftliche Grundlage für zukünftige Landschaftspflegemaßnahmen am Spitzberg schaffen und dazu beitragen, den außergewöhnlichen Artenreichtum dieses einzigartigen Gebiets langfristig zu sichern. Die Förderung durch die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg ermöglicht dabei die enge Verzahnung von praktischen Naturschutzmaßnahmen und wissenschaftlicher Begleitforschung.
Der Oberbodenabtrag ist – abhängig von den Witterungsverhältnissen – für den Zeitraum vom
1. bis 15. September 2026 vorgesehen. Während der Arbeiten kann es zeitweise zu einer Sperrung des Blumbergwegs unterhalb der ehemaligen Weinbergterrassen kommen. Besucherinnen und Besucher werden hierfür um Verständnis gebeten.

Foto: Durch die Entfernung von nährstoffreichem Oberboden wird im Rahmen des Projektes „Schutz der Biodiversität am Spitzberg bei Tübingen“ die Entwicklung von blütenreichen Magerrasen gefördert.
Projektleitung: Prof. Dr. Thomas Gottschalk
Sie möchten mehr über das Projekt erfahren? Gerne gibt Ihnen Alexander Kelemen von der Hochschule Rottenburg weitere Auskunft.
Kontakt:
Alexander Kelemen
kelemen@hs-rottenburg.de
Tel: 07472/951-217