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Rheinland-Pfalz Exkursion des Masterstudiengangs Forstwirtschaft vom 04.05. bis 06.05.2026

Veröffentlicht am: 08. Juni 2026

In der ersten Maiwoche reisten die Studierenden des Master Forstwirtschaft drei Tage nach Rheinland-Pfalz. Die Exkursion wurde von den Professoren Herrn Beimgraben, Herrn Petkau und Herrn Schäffer begleitet.

Teilnehmer stehen in einem Wald

Themen dieser Exkursion waren unter anderem Nährstoffnachhaltigkeit, Wasserrückhalt, Artenschutz und Jagd sowie Organisation und Reorganisation von Forstbetrieben. Binnen der drei Exkursionstage wurden aus verschiedenen Disziplinen verschiedene Waldbilder besucht, deren unterschiedliche Schwerpunkte sich ideal ergänzten. 
Somit entstand ein rundes, interdisziplinäres Bild, welches bei dem Besuch unterschiedlicher Forstämter und Wuchsgebieten in Rheinland-Pfalz gezeigt wurde und die Studierenden besonders bereicherte und begeisterte.

Am ersten Tag besuchte der Masterkurs die Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) in Trippstadt, wo Herr Greve über die Nährstoffnachhaltigkeitsstrategie von Rheinland-Pfalz referierte. 
Waldstandorte werden anhand ihres Nährstoffgehaltes und -verfügbarkeit in Vulnerabilitätsstufen (1 nährstoffreich – 5 nährstoffarm) eingeteilt. Je nach Stufe müssen unterschiedliche Bewirtschaftungvorgabenim Hinblick auf die Nutzungsintensität eingehalten werden.

Diese Strategie wurde am Nachmittag in Hochspeyer (Forstamt Otterberg) in der praktischen Umsetzung gezeigt. Der Forstamtsleiter Herr Adam und der Revierleiter Herr Schelbert stellten dies eindrucksvoll anhand mehrerer Waldorte dar. So z.B. in einem Eichen- und Kiefern-Mischbestand an einem trockenen Südhang. Je höher die Vulnerabilität, desto früher ist zu zopfen oder der gesamte Baum im Bestand zu belassen. Auch Kiefernbestände in starker Hanglage sind typisch für den Pfälzerwald und waren ebenfalls Teil der Exkursion. Des Weiteren wurde auch die Waldbaustrategie nach QD anhand eines Roteichenbestandes eindrucksvoll erläutert. 
Der zweite Tag sollte im Forstamt Soonwald stattfinden, daher wurde die Pfalz verlassen und die Reise ins Walderlebniszentrum fortgesetzt, wo der Abend mit einem guten Abendessen ausklang.

Am Vormittag des zweiten Tages drehte sich alles um Wasserrückhalt im Wald und dessen Umsetzung in Rheinland-Pfalz. Hier begleiteten die Hydrologin Frau Müller und der Herr Berger die Exkursionsgruppe. 
Dieses Thema wird in der Bewirtschaftung und im Wegebau schon lange großgeschrieben. Ziel hierbei ist es, den Wald als Schwammwald aufzubauen und zu erhalten, sodass starke Niederschläge nicht direkt aus dem Wald abgeleitet, sondern für längere Zeit auf der Fläche gespeichert werden. 
Das Wasser wird an den Wegen mit Abschlägen in die Bestände geleitet, die Strömung durch Rigolen verringert oder in Tümpel, wie beispielsweise sogenannte Kaiserwannen, geleitet. 
Damit bleibt das Wasser länger für das Waldökosystem verfügbar, die Strömungsgeschwindigkeit des Wassers wird reduziert, Ökosysteme werden geschaffen und erhalten. Ein weiteres Ziel ist der antizyklische Abschluss des Wassers, hierbei sollen bei einem Starkregenereignis die Wassermassen im Wald verteilt und gespeichert werden und sich erst im Nachgang langsam entleeren. Auf diese Weise sollen die Auswirkungen von Hochwasser und die damit verbundenen Abschlussspitzen verringert werden.

Am Nachmittag erklärte der stellvertretende Landesbetriebsleiter Herr Sergi die Strukturen und die Organisation von Landesforsten Rheinland-Pfalz, was die Grundlage für viele Fragen und Diskussionen lieferte. 
Anschließend wurden durch Herrn May die Arbeitsabläufe in der Funktionalisierung von Landesforsten Rheinland-Pfalz durch die Einführung der „Technischen Produktion“ (TP-Struktur) erläutert. Dabei wird der Waldbau, als biologische Produktion, von der Holzernte, der technischen Produktion, getrennt und von verschiedenen Personen durchgeführt. 
Durch diesen organisatorischen Kniff wird die Holzernte professionalisiert und der Revierleiter entlastet, welcher sich dadurch auf den Waldbau konzentrieren kann. Dieses einzigartige Konzept beeindruckte sehr und regte zu weiteren Diskussionen an.

Für den Abend wurde ein Sammelansitz im Forstamt Soonwald organisiert, welcher einen Vorgeschmack auf den letzten Exkursionstag lieferte. 
Dieser begann am Vormittag mit dem Thema Natur- und Artenschutz. Hierbei zeigte uns der Revierleiter Herr Raschdorf an verschieden Orten in seinem Revier, wie Forstwirtschaft und Naturschutz zusammenarbeiten, am Beispiel des BAT-Konzeptes.
Durch dieses Biotopbaumkonzept von Rheinland-Pfalz werden Strukturen in den Beständen geschaffen, wodurch Rückzugshabitate und Trittsteine für verschiedenste Arten entstehen. 
Des Weiteren waren ein Naturschutzgebiet, eine Wiesenlandschaft entstanden aus dem Subsistenzgrund einer historischen Glashütte und das Naturwaldreservat Schwappelbruch, benannt nach dessen sumpfigen Boden sowie ein beeindruckender Hutewald Teil der Exkursion.

Der Nachmittag begann mit der Besichtigung der Wildkammer und des Wildverarbeitungsbetriebs des Forstamtes Soonwald, welches Wild aus zwei Dritteln der rheinland-pfälzischen Forstämter verarbeitet. Das zu Fleisch- und Wurstwaren verarbeitete Wild wird wieder in Rheinland-Pfalz verteilt und in Forstämtern oder an gewerblichen Verkaufsstellen angeboten. 
Diese Zentralisierung und Spezialisierung, durch hierfür eigens eingestellte Metzger, gewährleisten einen enorm hohen Qualitätsstandard bei der Wildbret-Verarbeitung und erfreuen Gastronomie wie private Kunden gleichermaßen. 
Im Anschluss erläuterte Herr Eckes die Arbeitsorganisation der Jagd im Betriebsalltag und die Hochsitz- und Drückjagdbock-Modelle im Forstamt Soonwald. Anschließend wurde der Ablauf und die Organisation der Jagd im Jahresverlauf theoretisch dargestellt. Dabei durfte auch ein Besuch im Wildlädchen des Forstamtes nicht fehlen.

In Summe fügten sich in dieser dreitägigen Exkursion die theoretischen erworbenen Erkenntnisse mit anschaulichen und spannenden Einblicken aus der Praxis zu einem runden Gesamtbild zusammen.