Praxisnahe Einblicke in die Holzbranche
Veröffentlicht am: 07. Juli 2026
Mehrtätige Exkursion durch Bayern und Baden-Württemberg

Mitte Juni war es so weit: Die Studierenden des 4. Semesters Holzwirtschaft begaben sich im Rahmen der Lehrveranstaltung „Fertigungstechnik der Säge- Hobel- und Leimholzindustrie“ auf eine dreitägige Exkursion nach Bayern. Ziel der Exkursion war es, möglichst vielfältige Einblicke in unterschiedliche Unternehmen und Produktionsweisen von Sägewerken und massivholzverarbeitenden Betrieben zu gewinnen. Bereits um 6 Uhr morgens starteten 14 Studierende unter Leitung von Prof. Dr. Bertil Burian mit den Hochschulbussen vom Schadenweilerhof Richtung Bayern.
Nach rund vier Stunden Fahrt erreichte die Gruppe ihr erstes Ziel, die Haas Fertigbau GmbH in Falkenberg. Dort begrüßte Xaver Haas die Studierenden und ermöglichte spannende Einblicke in die industrielle Fertigung moderner Fertighäuser in Holzbauweise. Im Rahmen einer Werksführung lernten sie dann die einzelnen Produktionsschritte von der Vorfertigung bis zur Montage kennen und erfuhren, welche Rolle Digitalisierung und Automatisierung im modernen Holzbau spielen. Insbesondere wurde auch auf die Ansprüche der Holzbau-Branche eingegangen, da sie wichtigster Hauptkunde der Säge-, Hobel- und Leimholzindustrie ist. Den Abschluss bildete die Besichtigung der Brettschichtholz-Fertigung, die ausschließlich für den Eigenbedarf produziert.
Nach einer kurzen Mittagspause führte die Exkursion weiter zur Schwaiger Holzindustrie in Hengersberg. Nach Begrüßung durch Quirin Schwaiger bekamen die Studierenden im Rahmen einer umfassenden Betriebsbesichtigung unter Führung vom Werksleiter Herrn Niedermeier interessante Einblicke in die Arbeitsweise eines Großsägewerkes sowie in dessen Organisation und Logistik. Besonders beeindruckend waren die vollautomatisierten Produktionsprozesse im Sägewerk, die hohen Vorschubgeschwindigkeiten im Hobelwerk als auch das Rundholzplatzkonzept mit zwei großen Portalkränen. Mit vielen Eindrücken des ersten Exkursionstag fuhr die Gruppe weiter zu ihrer Unterkunft nach Bischofsmais im Bayerischen Wald. Dort ließen die Studierenden den Abend gemeinsam ausklingen – bei Gesprächen auf der Terrasse und einer Partie Tischtennis.
Am zweiten Tag stand zunächst der Besuch bei Holz Schiller in Regen auf dem Programm. Dort veranschaulichte Max Kreuzer, wie aus Fichten- und Tannenstarkholz hochwertige Fensterkanteln gefertigt werden. Die Studierenden bekamen so die Möglichkeit den Starkholzeinschnitt mit einer 170 geneigten Blockbandsäge aus nächster Nähe ebenso zu betrachten, wie die technische Trocknung und den Zuschnitt der Bretter zu qualitativ hochwertigen Lamellen. Letztere stellen wiederum die Basis für die Verleimung zu Fensterkanteln dar. Dabei beeindruckte die Studierenden nicht nur die hohen Qualitätsanforderungen, sondern ebenfalls die Anzahl der einzelnen und zum Teil sehr aufwendigen Verarbeitungsschritte bis zum fertigen Produkt.
Am Nachmittag ging es weiter zu Binderholz in Kösching bei Ingolstadt. Nach einer ausführlichen Werksführung durch Herrn Huber, die beim Rundholzplatz startete und über das Sägewerk bis zur Weiterverarbeitung reichte, tauschten sich die Studierenden ausführlich gemeinsam mit dem Geschäftsführer Gebhard Dünser über aktuelle Entwicklungen und zukünftige Herausforderungen der Holzbranche aus. Ein besonderes Highlight waren Einblicke in die jeweiligen Marktsituationen des Rund- wie Schnittholzes in den Ländern, in denen die Gruppe Produktionsstandorte hat. Dabei kamen auch die kulturellen Besonderheiten der einzelnen Länder zu Sprache, mit denen die Studierenden erst einmal nicht gerechnet hätten. Nach einem sehr langen und ereignisreichen Tag voller neuer Eindrücke übernachtete die Gruppe standesgemäß in einem Fachwerkhaus in Dinkelsbühl.
Am dritten und letzten Exkursionstag starteten die Studierenden in Bopfingen bei den Holzwerken Ladenburger. Dort erhielten sie im Rahmen einer Werksführung von Herrn Berthold detaillierte Einblicke in den komplexen Herstellungsprozess von Brettschichtholzträgern und Konstruktionsvollholz und die damit verbundenen Herausforderungen bei der Herstellung von Losgröße 1. Zudem wurden Einblicke in das Qualitätsmanagementsystem als auch die Ausschussbox bei der Rohware wie bei fertigen Produkten gewährt, so dass die Studierenden an konkreten Beispielen die Ursachen ebenso diskutieren, wie auch mögliche Lösungswege entwickeln konnten.
Den Abschluss der Exkursion bildete der Besuch eines weiteren Standorts der Holzwerke Ladenburger GmbH in Kerkingen. Dort begrüßte Geschäftsführer Steffen Häusslein die Studierenden und führte sie durch das neue Biomassekraftwerk samt angeschlossener Pelletierung. Neben detaillierten Einblicken in die einzelnen Prozessschritte wurde so deutlich, welche Potentiale in einer höheren Wertschöpfung im eigenen Unternehmen liegen und wie mit dem Thema kalkulierbarer Energiekosten umgegangen werden kann. Ein besonderes Augenmerk lag auf dem Brennstoffmix des Kraftwerkes, der für die Effizienz und Leistungsfähigkeit entscheidend ist. Dieser Punkt wurde auch ausführlich mit Prof. Dr. Harald Thorwarth diskutiert, der die Lehrveranstaltung “Energetische Holzverwertung“ im gleichen Semester lehrt und an diesem Tag zur Gruppe dazugestoßen war.
Insgesamt bot die Exkursion den Studierenden Möglichkeit theoretische Inhalte aus dem Studium mit praktischen Erfahrungen zu verknüpfen und direkte Einblicke in potenzielle spätere Berufsfelder zu gewinnen. Gleichzeitig konnten wertvolle Kontakte zu Unternehmen der Branche geknüpft und aktuelle Entwicklungen der Holzindustrie aus erster Hand kennengelernt werden.
Wir bedanken uns herzlich bei allen beteiligten Unternehmen, die sich Zeit für uns genommen haben. Durch ihre Offenheit und ihr Engagement konnten die Studierenden wertvolle Einblicke in die Praxis sowie in die aktuellen Entwicklungen der Branche gewinnen.








