Neunjährige Langzeitstudie zeigt: Warum manche Maisfelder wichtige Lebensräume für Singvögel sind
Veröffentlicht am: 07. Juli 2026
Über neun Jahre untersuchten Forschende der Hochschule Rottenburg die Bedeutung von Maisfeldern für Singvögel nach der Brutzeit. Die Auswertung von 10.974 Vögeln aus 76 Arten zeigt: Nicht das Maisfeld allein entscheidet über seinen ökologischen Wert – sondern vor allem die Vielfalt der umgebenden Agrarlandschaft.

Maisfelder gelten häufig als artenarme Bestandteile unserer Agrarlandschaft. Eine jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Agriculture, Ecosystems and Environment veröffentlichte Langzeitstudie zeigt jedoch ein differenzierteres Bild: Nach Abschluss der Brutzeit können Maisfelder für zahlreiche Singvogelarten wichtige Nahrungs- und Rückzugsräume sein – vorausgesetzt, sie liegen in strukturreichen Landschaften und verfügen über bewachsene Feldränder sowie einen moderaten Beikrautbewuchs.
Die Studie entstand im Rahmen der Promotion von Mirjam Rieger, Erstautorin der Veröffentlichung, an der Hochschule Rottenburg. Über einen Zeitraum von neun Jahren untersuchte das Forschungsteam 77 Maisfelder in unterschiedlichen Agrarlandschaften. Insgesamt wurden 10.974 Vögel aus 76 Vogelarten erfasst. Damit gehört die Untersuchung zu den umfangreichsten Langzeitstudien zur Bedeutung von Maisfeldern als Lebensraum für Singvögel nach der Brutzeit.
Die Ergebnisse zeigen, dass nicht allein das Maisfeld selbst entscheidend ist. Besonders wichtig sind vielfältige Landschaften mit Hecken, Säumen und anderen naturnahen Strukturen. Auch Feldränder und ein gewisser Beikrautbewuchs erhöhen die Attraktivität der Maisfelder für Vögel deutlich. Wo Mais hingegen große Teile der Landschaft dominiert, nimmt die Bedeutung der Felder als Lebensraum für Singvögel deutlich ab.
„Viele ökologische Zusammenhänge werden erst nach Jahren sichtbar. Witterung, Bewirtschaftung und Vogelbestände unterscheiden sich von Jahr zu Jahr erheblich. Erst Langzeitstudien ermöglichen belastbare Aussagen darüber, welche Maßnahmen der Biodiversität tatsächlich zugutekommen“, sagt Prof. Dr. Thomas Gottschalk, Professor für Naturraum- und Regionalentwicklung an der Hochschule Rottenburg und Leiter der Studie.
Die Forschungsarbeiten wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg des Projekts leisteten zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die die aufwendigen Freilandarbeiten über viele Jahre hinweg unterstützten. Ohne dieses außergewöhnliche Engagement wäre eine derart umfangreiche Langzeitstudie nicht möglich gewesen.
Die Ergebnisse liefern wichtige Anhaltspunkte für eine biodiversitätsfreundlichere Gestaltung von Agrarlandschaften. Sie zeigen, dass Maisfelder nicht grundsätzlich arm an Vogelarten sein müssen. Vielmehr entscheidet die Qualität der umgebenden Landschaft darüber, ob sie nach der Brutzeit als wertvoller Lebensraum genutzt werden. Die Studie unterstreicht damit, wie eng landwirtschaftliche Produktion und Biodiversität miteinander verknüpft sind und wie gezielte Maßnahmen beiden zugutekommen können.
Publikation
Rieger MR, Heim W, Kövér L, Gottschalk TK 2026: Maize fields as post-breeding habitat for songbirds: Influence of landscape composition, field margins, and weed infestation. Agriculture, Ecosystems & Environment 411: 110619.



