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Studierende entwickeln Zukunftskonzept für das Naturerlebnisbad Glatten

Veröffentlicht am: 14. April 2026

Blick auf das Schwimmbecken im Naturbad

Das Naturerlebnisbad Glatten ist seit Jahrzehnten ein zentraler sozialer Treffpunkt der Gemeinde und verbindet Erholung mit einem naturnahen Badeerlebnis. Bereits 1936 wurde an diesem Standort ein klassisches Freibad errichtet, das im Jahr 2010 in ein ökologisch betriebenes Naturbad umgewandelt wurde. Heute zählt der Verein rund 2000 Mitglieder und betreibt die Anlage vollständig ehrenamtlich. Die Finanzierung erfolgt über Eintrittspreise, Mitgliedsbeiträge sowie einen kommunalen Zuschuss, während die Gemeinde Eigentümerin des Geländes bleibt.

Im Rahmen des Moduls „Projektpraxis“ übernimmt das 6. Semester des Studiengangs Ressourcenmanagement Wasser die Aufgabe, ein umfassendes Zukunftskonzept für das Naturerlebnisbad zu entwickeln. Ziel ist es, reale Herausforderungen praxisnah zu bearbeiten und eigenständig wissenschaftlich fundierte Lösungen zu erarbeiten. Die Projektarbeit wird fachlich begleitet durch Prof. Eberle im Bereich Projektpraxis sowie durch Frau Holzherr im Modul Projektmanagement. Im Mittelpunkt steht dabei die eigenverantwortliche Konzeptentwicklung durch die Studierenden – von der Analyse bis hin zu konkreten Maßnahmenvorschlägen.

Einen ersten Einblick in die Anlage erhielten die Studierenden bei einer ausführlichen Begehung mit der ersten Vorsitzenden des Vereins, Claudia Lenz. Dabei wurden sowohl die Besonderheiten des Naturbads als auch aktuelle Problemstellungen anschaulich vermittelt. Das Bad arbeitet vollständig ohne chemische Zusätze: Die Wasserreinigung erfolgt über ein komplexes biologisches System aus UV-Licht, Sedimentationsschichten im ehemaligen Schwimmbecken sowie einer Pflanzenzone, die als natürlicher Filter dient. Das Wasser wird über ein Überlaufsystem in das alte Becken geleitet, dort vernebelt und sickert anschließend durch die Filterschichten – ein Prozess, der als „Neptunfilter“ bezeichnet wird. Das gereinigte Wasser gelangt danach zurück in das Badebecken, das heute deutlich größer ist und verschiedene Bereiche für Schwimmer, Nichtschwimmer und Springer umfasst.

Trotz dieses nachhaltigen Systems steht das Naturerlebnisbad vor mehreren Herausforderungen. Enten tragen durch Parasiten zur Bildung von Zerkarien bei, die Hautreizungen verursachen können. Gleichzeitig begünstigen steigende Temperaturen infolge des Klimawandels sowie ein erhöhter Phosphateintrag aus dem Leitungswasser das Algenwachstum und erhöhen das Risiko einer Eutrophierung. 

Vor diesem Hintergrund entwickeln die Studierenden im Rahmen ihres Projekts eigenständig Konzepte in mehreren zentralen Bereichen. Dazu gehört 

  1. die Erarbeitung eines modernen Marketing-Konzepts, insbesondere in Form eines digitalen Flyers, um die Außendarstellung des Bades zu stärken. 
  2. Ebenso wird ein Bepflanzungskonzept für den Regenerationsbereich ausgearbeitet, das die Pflanzenvielfalt erhöht und die biologische Reinigungsleistung verbessert.
  3. Ergänzend erstellen die Studierenden eine Wasser- und Nährstoffbilanz auf Grundlage eigener Messungen, um den Einfluss des Badebetriebs fundiert bewerten zu können.
  4. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung chemikalienfreier Lösungsansätze zur Reduktion des Phosphateintrags, ohne dabei das ökologische Gleichgewicht zu gefährden. 
  5. Zudem wird ein umfassendes Konzept zur Reduktion von Wildenten und zur Minimierung des Zerkarienrisikos erarbeitet, das sowohl ökologische als auch technische Maßnahmen sowie Strategien zur Kommunikation mit der Öffentlichkeit umfasst.

Mit der Zusammenarbeit zwischen Verein und Hochschule entsteht ein praxisnahes Projekt, bei dem wissenschaftliche Methoden direkt auf ein reales Ökosystem angewendet werden. Ziel ist es, das Naturerlebnisbad Glatten langfristig ökologisch zu stabilisieren, die Wasserqualität zu sichern und seine Bedeutung als nachhaltiger Freizeit- und Begegnungsort weiter zu stärken.