Extreme Dimensionen, extreme Herausforderungen: Lehrfahrt zu LIEBHERR im Studiengang Erneuerbare Energien
Veröffentlicht am: 24. Juni 2026
Vergangenen Freitag machten sich einige Studierende auf nach Ehingen. Im Rahmen der Logistik-Vorlesung unter Prof. Dr. Frank Brodbeck war man bei der Firma LIEBHERR zur Besichtigung angemeldet.

Zum Start der Führung wurde die Unternehmensgeschichte und die aktuellen Arbeitsfelder durch den sehr sachkundigen Führer Dipl.-Ing. Hans-Dieter Willim präsentiert. Dabei fielen Schlaglichter auf die globalen Unternehmensstandorte, die allesamt untereinander vernetzt sowie teilweise in nächster Nähe zu möglichen Nutzungsorten zu finden sind. Zu nennen ist hier das Werk in Rostock, wo unter anderem Offshore-Kräne gefertigt werden. Damit ist klar, warum LIEBHERR im Themenfeld der Erneuerbaren Energien eine wirklich große Rolle spielt – für Offshore- wie auch Onshore-Windparks werden Krane gebraucht, die hoch und leistungsstark genug sind, um die immer größer dimensionierten Windenergieanlagen errichten und instand halten zu können. Mittlerweile findet nachhaltige Energie jedoch in allen Unternehmensbereichen Einzug. Teil der Präsentation war deshalb ein Muldenkipper für den Eisenerztagebau mit einer Nutzlast von 240 Tonnen, der mit einer 3,2-MWh-Batterie rein batterieelektrisch betrieben wird.
Anschließend ging es los zu einem ausführlichen Rundgang über das Werksgelände. Einblicke in sämtliche Fertigungsschritte vor Ort wurden ermöglicht. Man konnte den Schweißern der riesigen Gittermastkräne über die Schulter schauen. Uns wurde erklärt, was man sich bei der Konstruktion von Teleskopkranen von Strohhalmen abgeschaut hat. In der Fertigungsstraße der Mobilkrane sahen wir die von Liebherr entwickelten V8- und 6-Zylindermotoren. Eine schmackhafte Stärkung in der Werkskantine nach einem Besuch in der kundenindividuellen Lackiererei rundete den strammen Rundgang ab.
Dabei fiel immer wieder die Logistik als die Herausforderung schlechthin beim Kranbau auf, was Herr Willim so zusammenfasste: „Einen großen Kran bauen kann jeder - einen großen Kran bauen, der einfach zerlegt, auf der Straße transportiert, und einfach wieder montiert werden kann, ist die Herausforderung“. Bereits in der Konstruktion muss nämlich darauf geachtet werden, dass die penibel geprüfte Achslast eingehalten wird. Je nach Straßenzustand in Deutschland bzw. nach Kundenstandort im Ausland schwanken hierfür die Limits zwischen 6 und 16 Tonnen. Für den Transport eines zum Windenergieanlagenbau benötigten Kranes sind bis zu 220 Tieflader-Fahrten nötig – wer hätte das gedacht? Die Ballaste, die zum Kontern der Nutzlast verwendet werden, wurden einst von Herrn Willim persönlich eingeführt. Die Innovation lag darin, dass die Ballaste wie klassische 20-Fuß-Schiffscontainer verladen und transportiert werden können.
Alles in allem wurden viele Inhalte verschiedener Module anwendungsnah vertieft und verknüpft, gleichzeitig konnte der Wissenshorizont erweitert werden.

