Lehrfahrt: Ein Blick hinter die Kulissen der Hauptkläranlage Stuttgart-Mühlhausen
Veröffentlicht am: 02. Juli 2026

Im Rahmen der Lehrveranstaltung Siedlungswasserwirtschaft 2 besuchten Studierende des 4. Semesters Ressourcenmanagement Wasser eine der größten, kommunalen Abwasserreinigungsanlagen Deutschlands.
Mit einer Ausbaugröße von rund 1,2 Millionen Einwohnerwerten (EW) reinigt die Anlage nicht nur Abwässer der Landeshauptstadt, sondern auch die mehrerer Nachbarstädte und -gemeinden (z.B. Esslingen).
Unser Rundgang startete auf der gegenüberliegenden Flussseite in Stuttgart-Hofen. Hier wird das Abwasser im Zulaufbauwerk der mechanischen Reinigung zugeführt. Bevor das Abwasser jedoch die weiteren Reinigungsstufen erreicht, muss das Abwasser über einen Düker unter dem Neckar auf die andere Neckarseite gebracht werden. Dies funktioniert ganz ohne Pumpenergie da hierfür ein geodätischer Höhenunterschied genutzt wird.
Inmitten dieser beeindruckenden Ingenieursleistung unterquerten unsere Studierenden den Neckar zu Fuß, um auf das eigentliche Gelände der Hauptkläranlage zu gelangen - ein seltener und faszinierender Einblick in die unterirdische Infrastruktur der Stadt.
Auf der rund 1,6 Kilometer langen Anlage konnten unsere Studierenden die Verkettung der verschiedenen Reinigungsverfahren Schritt für Schritt nachvollziehen:
1. Mechanische & Biologische Reinigung
Nachdem Rechen, Sandfang und Vorklärbecken in Hofen und Mühlhausen die groben Stoffe entfernt hatten, ging es weiter zur biologischen Stufe. Hier bauen Mikroorganismen die gelösten organischen Kohlenstoffverbindungen sowie Stickstoff ab.
2. Chemische Reinigung
Durch die Zugabe von Fällmitteln (wie Eisen- oder Aluminiumsalzen) wird gelöstes Phosphat in unlösliche Flocken umgewandelt und kann so über den Schlamm abgezogen werden - ein essenzieller Schritt, um die Eutrophierung des Neckars zu verhindern.
3. Die 4. Reinigungsstufe: Spurenstoffentfernung
Besonders spannend war die Entfernung von Mikroschadstoffen (z.B. Medikamentenrückständen). Hierfür wird das Verfahren der Pulveraktivkohledosierung genutzt. Die Aktivkohle bindet die Spurenstoffe durch Adsorption an ihrer großen inneren Oberfläche, bevor sie im nachfolgenden Prozess wieder abgetrennt wird.
Ein wortwörtlicher Höhepunkt der Lehrfahrt war die Besteigung der markanten, eiförmigen Faultürme. Hier konnte sich ein guter Gesamtüberblick über das langgestreckte Areal gemacht werden. Hier oben schließt sich zudem der Kreis der Kreislaufwirtschaft: Das bei der Faulung entstehende Methan wird energetisch genutzt um einen Großteil des Eigenstrom- und Wärmebedarfs der Anlage zu decken.
Zudem durften wir den Baufortschritt des neuen Sandfilters begutachten. Diese neue, finale Filterstufe wird direkt vor der Einleitung des gereinigten Wassers in den Neckar geschaltet. Sie dient dazu, auch Partikel sowie die beladene Pulveraktivkohle zuverlässig zurückzuhalten.
Die Lehrfahrt zur Hauptkläranlage Stuttgart-Mühlhausen hat uns eindrucksvoll gezeigt, dass eine moderne Kläranlage weit mehr ist als eine Abwasserreinigungsanlage. Sie ist eine hochkomplexe, ressourceneffiziente Anlage und ein unverzichtbarer Schutzschild für das Ökosystem Neckar.







