Regenwasser trifft Erdwärme: Forschungsprojekt „GeoSchwamm“ startet
Veröffentlicht am: 15. Juli 2026

Wie lassen sich Städte gleichzeitig besser vor Starkregen schützen und klimafreundlich mit Wärme versorgen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das neue Forschungsprojekt „GeoSchwamm“. Das Projekt untersucht, wie Anlagen zur Versickerung von Regenwasser mit oberflächennaher Geothermie kombiniert werden können.
„GeoSchwamm“ läuft vom 01. Juli 2026 bis zum 30. Juni 2029 und wird von Prof. Dr. Brunotte (Professur für Regenerative Energien und Energieplanung) und Prof. Dr. Bold (Professur für Hydrologie, hydrologische Modellierung und GIS) geleitet.
Hintergrund des Vorhabens sind zwei große Herausforderungen: Die Wärmewende und die Folgen des Klimawandels. Gebäude sollen künftig möglichst ohne fossile Energieträger beheizt werden. Gleichzeitig müssen sich Städte und Gemeinden besser auf häufigere Hitzeperioden und Starkregenereignisse einstellen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das sogenannte Schwammstadt-Prinzip. Regenwasser wird nicht möglichst schnell über die Kanalisation abgeleitet, sondern vor Ort gespeichert oder gezielt im Boden versickert.
Genau an diesem Punkt setzt „GeoSchwamm“ an. Das versickernde Regenwasser soll nicht nur den städtischen Wasserhaushalt verbessern, sondern zugleich die Nutzung von Erdwärme effizienter machen, da aus feuchten Böden mehr Wärme entzogen werden kann als aus trockenen Böden. Für die Praxis könnte dies bedeuten, dass für die gleiche Heizleistung weniger Fläche benötigt wird. Das ist vor allem in dicht bebauten Städten von Bedeutung, in denen Grundstücksflächen knapp und teuer sind. Zudem könnten sich die Gesamtkosten der Anlagen verringern.
Im Rahmen des Projekts wird eine Versuchs- und Demonstrationsanlage an der Hochschule Rottenburg geplant, gebaut und wissenschaftlich untersucht. Parallel dazu führen die Forschenden Computersimulationen und umfangreiche Parameterstudien durch. Dabei wird geprüft, wie sich unterschiedliche Bodenarten, Wassermengen, Materialien und Konstruktionsweisen auf die Leistung der kombinierten Anlage auswirken. Ziel ist es, sowohl die verwendeten Materialien als auch den Aufbau der Anlage zu optimieren.
An dem Forschungsprojekt sind Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft beteiligt. Zum Konsortium gehören die Hochschule Biberach, das Europäische Institut für Energieforschung (EIfER), die GeoCollect GmbH und die HANS G. HAURI KG Mineralstoffwerke. Assoziierte Partner sind die ARIS GmbH sowie die GWG – Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau Tübingen mbH, die das Konzept in künftigen Bauplanungen berücksichtigen möchte. Im Unterauftrag von EIfER wirkt außerdem das Institut für Angewandte Geowissenschaften des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) mit. Weitere Fachleute aus Wohnungswirtschaft, Städtebau und Forschung begleiten das Projekt in einem Beirat. So können Herausforderungen in der Praxis bereits während der Projektlaufzeit berücksichtigt werden.
Das Projekt wird im Rahmen des 8. Energieforschungsprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert und vom Projektträger Jülich betreut.
