Exkursion zur INTERFORST
Veröffentlicht am: 19. Oktober 2026

Am 16. Oktober 2026 besuchten Studierende des Masterstudiengangs Forstwirtschaft sowie der Bachelorstudiengänge Forstwirtschaft und Holzwirtschaft der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg die INTERFORST in München, die internationale Leitmesse für Forstwirtschaft und Forsttechnik. Organisiert wurde die eintägige Exkursion von Prof. Dr. Christoph Schurr und Prof. Dr. Bertil Burian.
Den Auftakt bildete ein Werkstattgespräch – ein im Master Forstwirtschaft eingeführtes Format, das Fachleute aus der Praxis mit Studierenden ins Gespräch bringt. Zur Frage „Heimisches Holz – dient es dem Klimaschutz besser im Wald oder als Holzprodukt?“ diskutierten Christian Kaul, Geschäftsführer des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, Dr. Peter Pröbstle, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), und Dr. Ralf Straußberger, Wald- und Jagdreferent des BUND-Naturschutz in Bayern. Einig waren sich alle drei, dass eine nachhaltige Holznutzung in einem integrativen Bewirtschaftungssystem der richtige Weg ist. Unterschiedlich fielen dagegen die Vorstellungen zur konkreten Umsetzung aus. Pröbstle sieht den Kohlenstoffspeicher Wald weitgehend im Gleichgewicht und erwartet auf trockener werdenden Standorten eher geringere Vorräte und Zuwächse. Angesichts der großen Unsicherheit über die Klimaentwicklung sei es entscheidend , vielfältige Folgebestände vorzubereiten, ohne sich auf lokal kaum übertragbare Klimaprognosen zu verlassen. Straußberger befürwortete die Holznutzung ausdrücklich, forderte aber, bisherige Waldbaukonzepte zu überprüfen, auf vielfältige Baumartenmischungen zu setzen und stärker die Naturverjüngung zu nutzen – was eine angepasste Jagd voraussetze. Kaul betonte, der Mensch müsse den Wald aktiv zu klimastabilen Mischwäldern umbauen; Klimaschutz entstehe über Zuwachs und Nutzung, weshalb Holz auf der gesamten Fläche mobilisiert werden müsse; die Entscheidung darüber müsse bei den Waldbesitzern liegen.
Bei der Holzverwendung richtete sich der Blick auf neue Werkstoffe, bislang wenig genutzte Holzarten und die Bedeutung globaler Kohlenstoffkreisläufe. Als zentrale Probleme wurden Vorschriften auf EU- und Bundesebene genannt, die Innovationen hemmen, sowie der derzeit schwache Absatz der Holzindustrie, weil die Klimaschutzwirkung und weitere Vorteile des Holzbaus zu wenig wertgeschätzt werden. Die Vorteile der stofflichen Holzverwendung zu kommunizieren sei daher besonders wichtig, warfen Fee Brauwers von der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher und Johannes Weis, Einkaufsleiter des Unternehmens Pfleiderer, ein, die als weitere Gäste mit Expertise am Werkstattgespräch teilnahmen. Trotz aller Hemmnisse sei es wichtig, v.a. kontinuierlich seinen Wald zu pflegen und Holz bereitzustellen. In diesem Zusammenhang mahnte Straußberger an, dass Holznutzung andere Waldfunktionen nicht gefährden dürfe, und stellte die Klimaneutralität der Verbrennung von Frischholz infrage.
Das Werkstattgespräch mit seiner lebendigen Diskussion zwischen den Studierenden und den Experten zeigte eindrücklich, dass es zwischen den unterschiedlichen Akteuren einen Grundkonsens über die Notwendigkeit von Waldbewirtschaftung und Holznutzung gibt. Ebenso zeigte es, wie wichtig es ist, auch bei unterschiedlichen Positionen einander zuzuhören und in der Diskussion nach Verständnis und neuen Lösungen zu suchen.
Anschließend erkundeten die Studierenden das Messegelände. Die INTERFORST fand vom 15. bis 18. Oktober 2026 statt. Rund 400 Aussteller, 41 % davon aus dem Ausland, bildeten die gesamte Wertschöpfungskette von der Aufforstung bis zur Holzverwertung ab. Besonderes Aufsehen erregte das Fäll-Fahrzeug von HSM mit einem Kran von 20 Metern Reichweite. Die im Forschungsprojekt „Outreach“ gemeinsam mit dem KWF entwickelte und noch nicht marktverfügbare Maschine kann Bäume im Mittelblock fällen und an die Rückgasse vorrücken. Damit eröffnet sie Perspektiven für mehr Arbeitssicherheit und Bodenschutz. Daneben führten erstmals 44 Aussteller ihre Maschinen direkt am Stand vor, Aktionsflächen zeigten ganze Arbeitsabläufe wie die hochmechanisierte Holzernte oder die Brennholzkette und eine Sonderschau stellte Forschung zu kleinen Forstraupen und Exoskeletten für die Forstarbeit vor. Auch Drohnen, LiDAR und KI zur Walderfassung sowie eine neue Start-up Area prägten das Bild. Auf dem Gemeinschaftsstand der Forstverwaltungen und Forstlichen Forschungseinrichtungen stellte die HFR ihr Projekt Forest Fire Fighting Transfer Lab vor.
Die Exkursion verband so eine vielseitige Fachdiskussion über Wald, Holz und Klimaschutz mit einem praxisnahen Blick auf aktuelle Forsttechnik. Ein herzlicher Dank gilt den drei Experten für die anregende Diskussion sowie Prof. Dr. Schurr und Prof. Dr. Burian für die Organisation.

Foto: Ein Blick auf das Werkstattgespräch (von links nach rechts: Dr. Ralf Straußberger, Dr. Peter Pröbstle, Christoph Schurr und Christian Kaul)