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Zwischen Tradition und Zukunft: Exkursion zur Bewirtschaftung der Enztal-Höhenkiefer

Veröffentlicht am: 21. Mai 2026

Studierende stehen auf einem Waldweg und hören dem Refernten zu, der eine Karte in den Händen hält und erklärt

Am 07.05.2026 fand im Rahmen des Masterstudiengangs Forstwirtschaft eine waldbauliche Exkursion zum Thema Kiefernbewirtschaftung in den Nordschwarzwald statt. Nach einer allgemeinen, standörtlichen und ökologischen Einführung in den vielfältigen Forstbezirk Nordschwarzwald durch Forstbezirksleiter Christoph Grüntjens, ForstBW, bot sich den Studierenden eine einmalige Möglichkeit: Teile der besuchten Flächen wurden im Rahmen der Erweiterung des Nationalparks Nordschwarzwald mit der Murgschifferschaft getauscht. Der Betriebsleiter dieses besonderen Waldbesitzes, Walter Dürr, stellte seinen Betrieb vor und beantwortete bereitwillig die Fragen der Studierenden zur Murgschifferschaft und zum Tauschprozess.

Studierende stehen im Wald und hören den Referenten zu

Nach der Einführung durch die Herren Grüntjens und Dürr ging es mit dem Revierleiter des Revieres Enztal, Stefan Weidelich, in den ersten Bestand. Im Fokus der Exkursion stand die Bewirtschaftung der Kiefer im Schwarzwald. Der besuchte Betrieb liegt auf einer Höhe von 800 bis 900 Metern. Vorgestellt wurden beeindruckende Kiefernbestände der sogenannten Enztal-Höhenkiefer. Dendrochronologische Untersuchungen zeigten, dass die Bäume des ersten Altbestandes ein Alter von 150 bis 280 Jahren aufweisen, wobei der Bestand im Durchschnitt etwa 250 Jahre alt ist. Besonders hervorgehoben wurde der gute Zustand der Kiefern: Nur drei Prozent der Bäume wiesen Schädigungen auf.

Im weiteren Verlauf des Tages wurden die Ernte-, Verjüngungs- und Pflegemaßnahmen in Kiefernbeständen diskutiert: „Wer ernten darf, muss auch für die Verjüngung sorgen“. Der Schwerpunkt des Vormittags lag daher auf der natürlichen Verjüngung der Kiefer. Der Revierleiter stellte die Methode einer Bodenverwundung durch einen Schreitbagger vor, um die Kiefernnaturverjüngung auf den von Heidelbeere und Adlerfarn geprägten Standorten zu fördern. Vor der kurzen Mittagspause mit Verköstigung durch ForstBW an der als Hochzeitslocation beliebten Heidelbeerplattform wurde die Bewirtschaftung von Kiefern-Douglasien-Mischbeständen in der Durchforstungsphase anhand eines Beispielbestandes diskutiert.

Am Nachmittag standen die Pflege und Ästung junger Kiefernbestände auf dem Programm. Dabei stand die Verantwortung im Mittelpunkt der Diskussion, die mit der Bewirtschaftung dieses besonderen und hochqualitativen Vorkommens der Hochlagen-Kiefer für zukünftige Generationen einhergeht.

Die Exkursion, begleitet vom Revierleiter des Revieres Enztal, dem Betriebsleiter des Forstbezirks Nordschwarzwald sowie dem Betriebsleiter der Murgschifferschaft, bot Einblicke in die praktischen Herausforderungen und Lösungsansätze bei der Bewirtschaftung solch lokaler und geschichtsträchtiger Baumartenvorkommen, wie sie bei der Enztal-Kiefer vorkommen.

Der Masterstudiengang Forstwirtschaft möchte sich herzlich für die interessanten Eindrücke und die offene Diskussion bedanken. Die Möglichkeit, waldbauliche Maßnahmen direkt vor Ort zu begutachten, stellt einen großen Mehrwert für das Studium dar.