Zurück zur Übersicht

Exkursion des Masterstudiengangs Forstwirtschaft zur Forsteinrichtungsplanung im Hochschwarzwald

Veröffentlicht am: 18. Mai 2026

Gruppenfoto mit den Teilnehmern

Im Rahmen des Moduls zum Interdisziplinären Forsteinrichtungsprojekt unternahmen die Studierenden des Masterstudiengangs Forstwirtschaft am 23. und 24. April 2026 eine Exkursion in den Forstbezirk Hochschwarzwald (Forst BW). Ziel war es, die forstbetriebliche Planungspraxis, die Anwendung der WET-Richtlinien und konkrete Maßnahmen zur standörtlichen und naturschutzbezogenen Bewirtschaftung kennenzulernen.

Betriebsdaten und Einordnung

Betrieb: Forstbezirk Hochschwarzwald, Forst BW Flächenausmaß: 15.600 ha Holzbodenfläche, aufgeteilt in 10 Reviere. Der Betrieb wurde hinsichtlich seiner Struktur, der Revieraufteilung und der forstlichen Zielsetzungen vorgestellt, um die anschließenden Feldbegehungen in den jeweiligen Planungsrahmen einzuordnen.

Tag 1: Pfisterwald St. Märgen; Tannen- und Fichtenwälder

Skulptur aus Holz in Form eines Baumzapfen mit einem kleinen Männchen

Der Exkursionsauftakt erfolgte im Pfisterwald bei St. Märgen, wo die Studierenden die in den Forsteinrichtungsdaten beschriebenen Waldstrukturen direkt in natura begutachteten. Im Fokus stand das Betriebsstratum WET Tannen-Mischwald: es wurden Kriterien zur Ausweisung von Tannendauerwäldern erläutert, darunter die Nutzung der Risikokarte, die BHD-Verteilung und der Tannenanteil im Bestand.

Es folgte eine Einführung in die Beschreibung von Dauerwäldern und die Berechnung des Gleichgewichtsvorrats, wobei als Zielwert ein Gleichgewichtsvorrat von 350 Vfm/ha diskutiert wurde.
Abschließend wurden Maßnahmen vorgestellt, wie
ein Altersklassenwald schrittweise in einen Dauerwald mit stabilem Vorrat überführt werden kann.

Übernachtung und Vorlesung im Naturfreundehaus Breitnau

Die Übernachtung fand im Naturfreundehaus Breitnau statt. Am Nachmittag hielt Prof. Jäckle eine gesellige Vorlesung zur Naturalprognose und zur Einbeziehung des Klimawandels in die forstliche Planung. Zudem wurden die Aufgabenstellung und Ziele des von den Studierenden zu erstellenden Forsteinrichtungsprojekts erläutert. Für Masterstudierende, die mit den WET-Richtlinien und den BHT nicht vertraut sind, gab es eine kompakte Einführung. Der Abend klang bei einem gemeinsamen Abendessen und einem Ausblick auf den Feldberg in fachlichem Austausch und Geplänkel aus.

Tag 2: Fichten-Mischwald; Aktionsplan Auerhuhn; Douglasienplenterwälder

Blick über eine Kahlfläche im Wald

Der Vormittag begann mit einer Begehung eines repräsentativen Fichten-Mischbestandes nahe dem Feldberg. Anhand dieses Bestandes wurden verschiedene Zielsetzungen der Naturalplanung diskutiert und konkrete Planungsentscheidungen abgewogen. Anschließend wurden Flächen des Aktionsplans Auerhuhn besichtigt: hier sind Lichtungen von 0,1 ha bis 0,5 ha vorgesehen, um geeignete Brutplätze zu schaffen und ein Trittsteingefüge zwischen Nord- und Südschwarzwald zu ermöglichen.
In der Forsteinrichtung ist eine Flächenwidmung von 10 % in den Vorranggebieten des Aktionsplans vorgesehen. Die Exkursion vermittelte einen praktischen Eindruck von Lage, Größe und Gestaltung solcher Maßnahmen.

Am Nachmittag stand der Besuch der Douglasienplenterwälder am Rosskopf bei Freiburg auf dem Programm, geleitet vom Forstbezirksleiter Hans-Ulrich Hayn.

Er erläuterte Aspekte der Klimastabilität, der Jungbestandspflege und der Ertragsentwicklung in Douglasienbeständen. Besondere Aufmerksamkeit galt der Wertsteigerung des Holzes durch standortgerechte Pflege und Maßnahmen wie der Ästung, sowie den Auswirkungen von Wildverbiss auf Douglasien- und Tannenverjüngung. Abschließend wurde die Frage der Zielmessung für die jagdliche Steuerung und deren Bedeutung für die Verjüngungssicherung diskutiert.

Fazit und Bedeutung für die Forsteinrichtungspraxis

Die Exkursion bot einen umfassenden Einblick in betriebliche Planungsgrundlagen, naturschutzorientierte Maßnahmen und waldbauliche Praxis im Hochschwarzwald. Besonders wertvoll war die Verknüpfung von forsteinrichtlichen Vorgaben mit konkreten Feldbeispielen wie Tannen- und Fichtenbeständen, Auerhuhn-Aktionsflächen und Douglasienplenterwäldern. Für die Studierenden ergaben sich klare Anknüpfungspunkte für das zu erstellende Forsteinrichtungsprojekt: die Anwendung der WET-Kriterien, die Bewertung von Risiko und Stabilität sowie die Integration naturschutzfachlicher Zielsetzungen in die betriebliche Planung. Insgesamt wurde deutlich, wie wichtig die praktische Feldarbeit ist, um Planungsentscheidungen fundiert zu begründen und klimaangepasste Bewirtschaftungsstrategien zu entwickeln.