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Wohllebens Waldakademie und Technische Betriebe Remscheid – zwei eindrucksvolle Exkursionstage des Masterstudiengangs Forstwirtschaft

Veröffentlicht am: 26. Januar 2026

Im Rahmen einer mehrtägigen Exkursion besuchte der Masterstudiengang Forst am 9. und 10. Dezember 2025 „Wohllebens Waldakademie“ in Wershofen in der Eifel und den Remscheider Stadtforst in Nordrhein-Westfalen.

In der Waldakademie wurden die Studierenden am 9. Dezember von Peter Wohlleben und seinem Sohn Tobias Wohlleben, dem Geschäftsführer der Waldakademie, begrüßt. Nach einer kurzen Vorstellung der Akademie wurde das Urwaldprojekt vorgestellt und diskutiert. Anschließend ging es zu Fuß in den nahe gelegenen Wald, an die Grenze zwischen einem Fichten- und einem Buchen-Eichen-Bestand. Hier entwickelte sich eine lebhafte, durchaus kontroverse Diskussion, die von den ökologischen Grundlagen über die Megaherbivorentheorie und die Notwendigkeit der Bejagung von Schalenwild bis hin zur den Zielen der Bewirtschaftung von Wäldern und der Wiederaufforstung nach den Käfer- und Dürrekalamitäten der letzten Jahre reichte. In einem lebendigen Diskurs trafen z.T. sehr unterschiedliche, z.T. ähnliche Vorstellungen von Peter Wohlleben und den angehenden Forstleuten aufeinander.

Nach dem Mittagessen wurde die Diskussion um die Nutzung des Waldes in den Räumen der Waldakademie fortgeführt. Sie ging schließlich über in die Frage, wie wir Holz sinnvoll nutzen können und wollen. Nach einem intensiven Meinungsaustausch und anregenden, neuen Denkanstößen verabschiedete sich der Masterkurs.

Die Exkursion am Folgetag führte in den Stadtwald von Remscheid im Bergischen Land. Bereits am Vorabend stellte Jil Hegering, Masterabsolventin der HFR und aktuell Forstreferendarin beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW, die Struktur des Forstes in Nordrhein-Westfalen sowie wichtige Elemente der Waldpolitik des Landes vor. Besonders markant ist der hohe Anteil des Privatwaldes von 63 % im Vergleich zu 48 % im Bundesdurchschnitt. Außerdem wurden die Anstrengungen zur Organisation des Privatwaldes in Forstbetriebsgemeinschaften und Waldgenossenschaften beleuchtet.

Hieran knüpften Lukas Sieberth, der Leiter der Abteilung Forst der Technischen Betriebe Remscheid, und Jutta Velte von der Waldgenossenschaft Remscheid an. Herr Sieberth stellte den Wald der Stadt Remscheid vor. Dabei stützte er sich auf die gerade erst erstellte Forsteinrichtung, die neben dem Stadtwald auch den in einem Forstbetriebsverband zusammengeführten Kleinprivatwald auf dem Gebiet der Stadt Remscheid umfasst. Der Forstbetriebsverband wurde in den 1950er-Jahren gegründet, um einerseits den Remscheider Bürgern auch den Privatwald als Erholungsbereich zu öffnen, und im Gegenzug dazu eine fachlich hochwertige Betreuung des Privatwaldes zu etablieren. Abschließend stellte Frau Velte die Waldgenossenschaft Remscheid e.G. vor. Die Waldgenossenschaft ist eine bemerkenswerte, bundesweit noch ziemlich einmalige Initiative zur Neugründung eines Gemeinschaftswaldes. Kleinere Waldflächen werden gebündelt und als gemeinschaftliches Eigentum bewirtschaftet. Die Genossenschaft erwirbt Wald durch Käufe, finanziert durch die Einlagen der Genossenschaftsmitglieder. Alternativ können aktuelle Waldeigentümer ihre Flächen als Sacheinlage in das Eigentum der Genossenschaft übertragen. Die Mitglieder der Remscheider Waldgenossenschaft kommen aus ganz Deutschland.

Am 10. Dezember 2025 nahmen Stephan Nöh, Leiter des Reviers Remscheid-Süd, und Betriebsleiter Lukas Sieberth, unterstützt von Karim Barkouni, Leiter des Reviers Nord, die Studierenden mit auf eine Wanderung durch den Remscheider Stadtwald, v.a. entlang des Tals der Wupper. Der Stadtwald ist gekennzeichnet durch eine hohe Besucherfrequenz aus den angrenzenden Stadtteilen, durch vielfältige Schutzgebiete, seine frühere Nutzung als Eichenniederwald und die Auswirkungen zahlreicher Sturmereignisse. Entsprechend waren die Themen der Wanderung die Waldbewirtschaftung in FFH-Gebieten, an den Steilhängen der Wupper sowie in gleichaltrigen Buchen-Hallenbeständen. Die Fichte hat sich hier in den vergangenen Jahren fast vollständig verabschiedet, häufig als Folge von Kalamitäten wie den Sturm Kyrill 2007. Stattdessen übernehmen Laubbäume die Herrschaft im Wald.

Ein besonderer Schwerpunkt der Exkursion war die Forstwirtschaft im urbanen Umfeld mit sehr hohen Waldbesucherzahlen, ebenso die Ökosystemleistungen, die die Wälder für eine eng mit der Waldlandschaft verzahnte Stadt bringen, deren Wert in Remscheid in einem Pilotprojekt exemplarisch ermittelt wurde.

Die Abschlussrunde der Exkursion fand nach einem Mittagessen vom Grill auf dem städtischen Forsbetriebshof statt. Anschließend fuhren die Studierenden mit vielen spannenden und sehr unterschiedlichen Eindrücken zurück nach Rottenburg.