Erholung, Akzeptanz, Konflikte: Was der Stadtwald leisten soll
Veröffentlicht am: 04. März 2026
Studierendenprojekt des M.Sc. Forstwirtschaft der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg in Kooperation mit Stadt und Forstamt Heidelberg

Am 28.01.2026 fand das Praxisprojekt des Masterstudiengangs Forstwirtschaft im Sitzungssaal des Rathaus Heidelberg seinen gelungenen Abschluss. Im Rahmen eines Kolloquiums präsentierten die Studierenden die Ergebnisse ihrer mehrmonatigen Forschungsarbeit zur Nutzung des Heidelberger Stadtwaldes. Zahlreiche Gäste aus Stadtverwaltung, Forstamt und verschiedenen beteiligten Institutionen nutzten die Gelegenheit, sich über die Erkenntnisse zu informieren und gemeinsam ins Gespräch zu kommen.
Seit Oktober hatten die Studierenden in Teilgruppen Umfragen und Interviews mit Waldbesuchenden sowie unterschiedlichen Nutzergruppen geführt und dabei deren Erwartungen an den Wald und Wahrnehmung seiner Nutzung herausgearbeitet. Unterstützt wurden sie hierbei von dem Studiengangsleiter und Modulverantwortlichen Prof. Dr. Schurr, Herrn Hechinger (Projekt DIANA), der Stadt und dem Forstamt Heidelberg, sowie vielen weiteren Akteuren rund um den Heidelberger Stadtwald. Die Ergebnisse der Teiluntersuchungen wurden anschließend zu einem Gesamtergebnis zusammengeführt.
Für das Kolloquium wurde trotz seines offiziellen Rahmens und des stringenten Ablaufs ein lockeres Format gewählt, um in mehreren Fragerunden und Kuchenpausen den Austausch zu fördern und unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen.
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen deutlich den hohen Stellenwert des Waldes für die Bevölkerung. Der Heidelberger Stadtwald wird vielfältig genutzt, wobei der Schwerpunkt klar auf der Erholung liegt. Insbesondere die Naherholung der Bewohnerinnen und Bewohner angrenzender Stadtteile spielt eine zentrale Rolle. Spaziergänge, sportliche Aktivitäten und Naturerleben prägen das Bild der Nutzung. Gleichzeitig besteht ein ausgeprägtes Interesse an Naturschutz- und Umweltthemen. Viele Befragte wünschen sich mehr Informationen über ökologische Zusammenhänge und nachhaltige Waldbewirtschaftung.
Auch die forstliche Bewirtschaftung selbst wurde thematisiert. Grundsätzlich besteht Verständnis für und Interesse an waldbaulichen Maßnahmen, sofern deren Notwendigkeit und Ziel verstanden wird. Einschränkungen – etwa durch Wegesperrungen oder beschädigte Wege – werden hingegen als besonders störend empfunden. Hier zeigte sich deutlich, dass für die Akzeptanz eine transparente, frühzeitige und zielgruppenorientierte Kommunikation vor Ort entscheidend ist, bei der Einrichtungen der Umweltbildung kompetente Partner darstellen.
Darüber hinaus wurden Verbesserungspotenziale identifiziert. Unterschiede in Geschwindigkeit, Gruppengröße und Lautstärke verschiedener Nutzergruppen können zu Konflikten führen. Themen wie gegenseitige Rücksichtnahme, Akzeptanz und eine gezielte Besucherlenkung spielen daher eine wichtige Rolle.
Zudem wurden Verbesserungen in der Anbindungs-Infrastruktur sowie der Abbau bestehender Barrieren angeregt, um den Zugang zum Stadtwald für alle Bevölkerungsgruppen weiter zu erleichtern.
Das große Interesse seitens der Stadt Heidelberg, des Forstamtes und weiterer Institutionen unterstreicht die Bedeutung des Projekts. Die Ergebnisse liefern wertvolle Impulse für die zukünftige Entwicklung und nachhaltige Gestaltung des Stadtwaldes. Gleichzeitig hat das Praxisprojekt gezeigt, wie gewinnbringend und lehrreich die Zusammenarbeit zwischen Hochschule, Verwaltung und lokalen Akteurinnen und Akteuren sein kann – ein gelungenes Beispiel für angewandte Wissenschaft im Dialog mit der Gesellschaft.
Wir bedanken uns in diesem Zuge bei der Stadt und dem Stadtforstamt Heidelberg, sowie allen Beteiligten für ihre Mitwirkung und besonders dem Förderverein der Hochschule Rottenburg für seine finanzielle Unterstützung.