Praxisprojekt im Heidelberger Stadtwald
Veröffentlicht am: 12. Februar 2026
Eine Betrachtung der PEFC-Zertifizierung von Kur- und Heilwäldern in Deutschland

Eine der Teilgruppen im Praxisprojekt Waldpolitik des Masters Forstwirtschaft hat sich mit dem Kur- und Heilwald der Stadt Heidelberg auseinandergesetzt. Die entsprechende Zertifizierung durch PEFC besteht dort seit 2021 und machte ihn damit zum ersten PEFC zertifizierten Kur- und Heilwald in Deutschland. Der Heilwald schließt direkt an die kooperierende Kohlhofklink an, welche die Grundlage für die Ausweisung zum Heilwald ermöglicht. Die Patient*innen bekommen durch Infoveranstaltungen und aktive Therapieangebote den Wald im Allgemeinen, speziell den Kur- und Heilwald, nähergebracht. Es wird versucht, den Wald als therapeutische Unterstützung durch einen Raum der Entspannung und Ruhe, bewusst in den Genesungsprozess der Patient*innen zu integrieren. Das Ziel ist, dass der Wald auch im Alltag nach der Rehabilitation in der Klinik als Ort der Erholung aufgenommen oder bewusst weiter genutzt wird und dadurch den Gesundheitszustand langfristig positiv beeinflusst.
Die PEFC-Zertifizierung (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) ist ein international anerkanntes System zur Sicherstellung nachhaltiger Waldbewirtschaftung. Neben der allgemeinen Waldzertifizierung bietet PEFC in Deutschland ein Zusatzmodul für Erholungs-, Kur- und Heilwälder an, das gezielt auf die gesundheitliche und soziale Funktion des Waldes ausgerichtet ist. Die Grundvoraussetzung für die Zertifizierung eines Kur- oder Heilwaldes ist, dass der betreffende Wald bereits nach den PEFC-Standards für nachhaltige Waldbewirtschaftung zertifiziert ist. Die möglichen Zusatzmodule beziehen sich dabei nicht zwingend auf den gesamten Waldbesitz, sondern können auf klar abgegrenzte Teilflächen beschränkt werden. Die fachlichen Anforderungen sind im bundesweit gültigen Standard PEFC D 1002-3:2020 „PEFC-Standards für Erholungs-, Kur- und Heilwald“ geregelt. Dieser definiert unter anderem Kriterien zur Lage und Erreichbarkeit des Waldes, zur Ruhe und Naturnähe, zur Besucherlenkung sowie zu einer gesundheitsförderlichen Infrastruktur. Für Heilwälder gelten darüber hinaus strengere Anforderungen, etwa die nachgewiesene Zusammenarbeit mit medizinischen oder therapeutischen Einrichtungen und die Nutzung des Waldes im Rahmen strukturierter Gesundheits- oder Therapieangebote. Die Einhaltung der Standards wird im Rahmen eines unabhängigen Audits durch eine von PEFC anerkannte Zertifizierungsstelle überprüft. Werden alle Anforderungen erfüllt, erhält der Wald das entsprechende PEFC-Zertifikat. Die Zertifizierung ist zeitlich befristet und wird regelmäßig kontrolliert.
In Deutschland ist die Zertifizierung von Erholungs-, Kur- und Heilwäldern bislang noch vergleichsweise wenig verbreitet. Aktuell gibt es rund zehn PEFC-zertifizierte Erholungs-, Kur- oder Heilwälder. Zu den bekannten Beispielen zählen unter anderem der im Praxisprojekt untersuchte Kur- und Heilwald in Heidelberg, ein Heilwald in Oberstdorf sowie mehrere kommunale Erholungswälder, etwa in Augsburg, Karlsruhe, Rastatt oder Wernigerode. Die Zahl der zertifizierten Wälder wächst langsam, da die Anforderungen vergleichsweise hoch sind und eine enge Verzahnung von Forstwirtschaft, Gesundheitswesen und Tourismus erfordern. Die Zertifizierung bietet Waldbesitzenden die Möglichkeit den Wald gezielt als Standortfaktor für Gesundheit, Prävention und Tourismus weiterzuentwickeln und damit eine weitere Alternative für die Nutzung unserer zukünftigen Wälder.

