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Nachhaltigkeit zum Anfassen: Interdisziplinäres Team zu Gast im südindischen Auroville

Veröffentlicht am: 07. April 2026

Gruppenfoto mit den Exkursionsteilnehmern

Studierende der HTWG - Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung und der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg haben im Februar in der „universellen“ Planstadt Auroville verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit unter realen Bedingungen praktisch erprobt. Die interdisziplinäre Exkursion vereinte Teilnehmende aus den Bereichen Bauingenieurwesen, Architektur, Kommunikationsdesign, Ressourcenmanagement Wasser und ressourceneffizientes Bauen.

Auroville als Lernort für nachhaltige Entwicklung

Auroville ist eine Planstadt mit rund 3.300 Einwohnern aus 60 Nationen, deren Errichtung von der indischen Regierung und der UNESCO anerkannt und unterstützt wurde. Die Studienreise verband ökologisches Bauen, Wassermanagement, Aufforstungsprojekte, Abfallmanagement, praxisnahe Bildungsformate und internationale Zusammenarbeit.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Benno Rothstein und Prof. Dr.-Ing. Michael Max Bühler (beide HTWG Konstanz) sowie Prof. Dr. Heidi Elisabeth Megerle (Hochschule Rottenburg) beschäftigten sich die 39 Studierenden auch mit gemeinschaftsorientierten Entwicklungsansätzen. Auroville gilt international als Modellprojekt für alternative Ansätze des Bauens, Lernens und Zusammenlebens im Alltag. Die Studierenden konnten hierbei Auroville als einen weltweit nahezu einzigartigen Ort erfahren und in dieser besonderen Atmosphäre erleben, wie interdisziplinäres Denken und internationaler Austausch zu tragfähigen Lösungen führen kann. Gerade dieser gelebte Anspruch, „Human Unity“ praktisch zu erproben, macht Auroville zu einem außergewöhnlichen Lernort.

Learning by Doing: Praxis im Mittelpunkt

In verschiedenen praktischen Formaten bearbeiteten die Studierenden unter anderem Themen wie Bauen mit Erde und Bambus, nachwachsende Materialien, Wasser- und Sanitärkonzepte, Aufforstung und Kreislaufwirtschaft. Nachhaltigkeit wurde nicht als abstraktes Leitbild behandelt, sondern als konkrete Fragen von Ressourcen, Konstruktion, Logistik, Kooperation und Verantwortung.

Workshop mit Bambus

Die Studierenden lernten Bambus als leistungsfähigen, erneuerbaren Baustoff kennen, arbeiteten mit Werkzeugen und Verbindungstechniken und errichteten im Team reale Strukturen. Dabei wurde deutlich, dass materialgerechtes und nachhaltiges Bauen nicht allein handwerkliches Geschick erfordert, sondern ebenso strukturelles Denken, Präzision, Planung und Zusammenarbeit. Zugleich zeigte sich, wie eng Konstruktionslogik, Gestaltung und Ausführung miteinander verknüpft sind. 

Ganzheitliche Perspektiven auf Nachhaltigkeit

Auch andere Programmpunkte machten sichtbar, dass Auroville weit mehr ist als ein klassisches Exkursionsziel. Die Teilnehmenden trafen auf Initiativen, die sich mit ressourcenschonenden Bauweisen, (Ab-)Wasserbewirtschaftung, Wiederaufforstung, Kreislaufwirtschaft und sozialen Organisationsformen befassen. Die Verbindung technischer, ökologischer und gesellschaftlicher Fragestellungen machte die Vielschichtigkeit nachhaltiger Entwicklung deutlich. Gerade in einer Zeit tiefgreifender ökologischer und technologischer Transformation sind Lernformate entscheidend, die Kopf, Hand und Haltung verbinden. Auroville hat dafür einen einzigartigen Rahmen geboten. Solche Begegnungen schaffen eine wertvolle Brücke zwischen akademischem Lernen und gelebter Praxis und eröffnen einen wichtigen Dialog über Nachhaltigkeit, Gemeinschaft und die Zukunft des Bauens (Lalit Kishor Bhati , Auroville Integral Sustainability Institute)

Bedeutung für Lehre und Praxis

Angesichts globaler Herausforderungen wie Dekarbonisierung, Ressourceneffizienz, Kreislaufwirtschaft und resilienter Infrastrukturen braucht die Bau- und Planungsbranche Absolventinnen und Absolventen, die fachlich qualifiziert sind, systemisch denken und Verantwortung in realen Kontexten übernehmen.

Für die beteiligten Hochschulen war die Reise damit mehr als eine Exkursion: Sie steht für eine Lehre, die international vernetzt und praxisorientiert ist. Das gemeinsame Lernen in Auroville zeigt, wie gewinnbringend disziplinübergreifender Austausch ist, wenn Studierende mit unterschiedlichen Perspektiven gemeinsam an konkreten Fragestellungen arbeiten.

Die beteiligten Hochschulen danken allen GastgeberInnen in Auroville herzlich für die offene Aufnahme, die intensive Vorbereitung des Programms und die Bereitschaft, Wissen, Erfahrung und Praxis mit den Studierenden zu teilen.

Die Exkursion wurde – neben der Fakultät Bauingenieurwesen der HTWG Konstanz – vom Verein „Auroville International (AVI) Deutschland“ sowie von der Ed. Züblin AG finanziell unterstützt.