Praxisprojekt Heidelberg: Das Thema Mountainbike am Königstuhl – eine Konfliktanalyse
Veröffentlicht am: 25. Februar 2026

An keinem anderen Ort im Heidelberger Stadtwald treffen so viele Interessengruppen aufeinander wie am Erholungsschwerpunkt Königstuhl. Im Rahmen unseres interdisziplinären Praxisprojektes im M.Sc. Forstwirtschaft untersuchten wir von November bis Dezember 2025 unter Zuhilfenahme empirischer Sozialforschungsmethoden die Erholungsnutzung im Stadtwald Heidelberg.
Einheimische und Touristen suchen den Königstuhl unter anderem aufgrund der Bergbahn, des Hotels, des Kiosks oder des Märchenwaldes auf. Zudem ist er für Wanderer durch eine Vielzahl von Wanderwegen und einige Walderlebnispfade attraktiv. Die sportliche Hauptattraktion ist allerdings zweifellos das Mountainbiken. Das Landschafts – und Forstamt Heidelberg hat gemeinsam mit dem Mountainbikeverein „HD-Freeride e. V.“ drei offizielle Mountainbikestrecken eingerichtet. Ziel ist, die Befahrung inoffizieller Trails zu reduzieren und eine Möglichkeit der legalen Ausübung zu schaffen. Da Mountainbiker aufgrund des nach wie vor geringen Angebots offizieller Trails dennoch häufig auf Wanderwege ausweichen oder diese von selbstgebauten Trails geschnitten werden, kommt es regelmäßig zu Konflikten mit Fußgängern. Bei der offiziellen Streckengestaltung wurde größtenteils darauf geachtet so wenig Kontakt wie möglich mit Wander – und Fahrwegen zu haben. Lediglich auf einem kurzen Abschnitt schneiden die Trails die vielbegangene „Himmelsleiter“, wie in dem Foto oben zu sehen. Hier wurde allerdings durch die Streckengestaltung darauf geachtet, dass die Geschwindigkeit der Mountainbiker im Bereich der Kreuzung deutlich herabgesetzt wird.
Die Umfragen belegen diese Beobachtungen im Alltag. 45 % der 70 Befragten nennen Mountainbiker als Personengruppe, durch die regelmäßige Konflikte entstehen. Durch Befragungen der Mountainbiker vor Ort konnte herausgefunden werden, dass alle 10 befragten Personen regelmäßig inoffizielle Strecken fahren. Das zeigt, dass das Angebot die Bedürfnisse der Mountainbiker nicht oder nur unzureichend befriedigt. Dieses Problem wird anhand des Leitbildes des Vereins, welches auf seiner Internetseite zu finden ist, nochmals verdeutlicht: „Wir möchten durch ein legales Angebot allen Sportlerinnen und Sportlern die Möglichkeit bieten, konfliktfrei ihr Hobby auszuüben. Deswegen sind uns der Naturschutz und die damit verbundenen Trail Rules besonders wichtig“. Durch zusätzliche Befahrung abseits der öffentlichen Trails in großem Stil kann die Erosionsgefahr deutlich ansteigen. Auch findet dadurch eine flächige Beunruhigung der Tierwelt am Königstuhl statt.
Eine weitere Unstimmigkeit besteht darin, dass 7 der 10 Befragten Mitglieder des Mountainbikevereins sind, die regelmäßig auch inoffizielle Trails fahren. Gründe für die geringe Nutzung der offiziellen Strecken sind deren kleine Zahl, aber auch deren Streckengestaltung. Diese wird bei inoffiziellen Strecken durchweg als spannender und herausfordernder wahrgenommen. Auch der geringere Andrang auf den zahlenmäßig domnierenden inoffiziellen Trails wird als positiv empfunden. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass einige Trailnutzende die Blockierung inoffizieller Trails durch das Forstamt als störend empfinden.
Wichtig ist zu verstehen, dass das Forstamt dies mit guten Gründen tut. Sobald es von einer inoffiziellen Strecke Kenntnis erlangt, die über bauliche Einrichtungen wie Sprünge oder Anlieger verfügt, entsteht für das Forstamt die Verkehrssicherungspflicht und damit eine potenzielle Haftungssituation. Dem Landschafts- und Forstamt Heidelberg ist es hoch anzurechnen, dass es den Schritt der Legalisierung von Trails, trotz des damit verbundenen großen Arbeitsaufwands, wagt.
Abschließend lässt sich festhalten, dass die Befragungen Konflikte relevanten Ausmaßes, insbesondere zwischen Radfahrern und Fußgängern sowie zwischen Radfahrern und dem Forstamt, zeigten. Manche Probleme und Konfliktpotenziale wird man vielleicht nie endgültig lösen können. Um die kritischen Sachverhalte anzupacken, für die es Lösungen oder zumindest deutlich konfliktärmere Alternativen gibt, ist ein intensiver Austausch zwischen Forstamt und Mountainbikeverein, der als Sprachrohr für die ganze regionale Mountainbike-Community fungieren kann, essenziell. Sollten die Erkenntnisse dieses Praxisprojekts auch nur einen kleinen Beitrag zu dieser Konfliktlösung leisten, wäre das aus Sicht empirischer Sozialforschung als positiv zu bewerten.

