Kann Pappelholz aus Kurzumtriebsplantagen den Holzbau stärken?
Veröffentlicht am: 22. Januar 2026

Seit Mitte 2025 läuft an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg das Projekt EPKUPV (Einschnitt von Pappel aus Kurzumtriebsplantage für eine stoffliche Verwertung), das in Zusammenarbeit mit der Hochschule Biberach bearbeitet wird und vom Ministerium für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg finanziert wird. Im Mittelpunkt steht die Frage, inwieweit Pappelholz aus Kurzumtriebsplantagen einer stofflichen und damit langlebigeren Nutzung v.a. im Holzbau zugeführt werden kann.
Vor dem Hintergrund des immer deutlicher werdenden Klimawandels ist die stoffliche Verwendung von Holz eine logische Konsequenz: Bäume binden das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) während ihres Wachstums in Form von Holz. Eine langfristige Verwendung von Holzprodukten z.B. in Gebäuden erlaubt damit eine langfristige Lagerung bzw. Speicherung des CO2`s. Zudem vermeidet diese Art der Holzverwendung gleichzeitig, dass deutlich energie- und emissionsintensivere Baustoffe genutzt werden.
Über die letzten Jahre ist festzustellen, dass die Holzbauquote im Wohn- und Nichtwohnbau kontinuierlich angewachsen ist. Dabei ist die Bauwirtschaft v.a. auf Nadelholz fixiert. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und seiner Auswirkungen auf die Baumartenzusammensetzung im heimischen Wald (der Laubholzanteil nimmt zu und der Nadelholzanteil sinkt) sind Lösungen gefragt, wie konstruktive Holzprodukte aus Laubholz die klassischen nadelholzbasierten Produkte v.a. ergänzen oder zukünftig gar ersetzen können.
Ziel des Projekts ist die Quantifizierung der Einsatzmöglichkeiten von Pappelholz aus Kurzumtriebsplantagen für einen konstruktiven Einsatz im Holzbau. Zur Klärung dieser Frage werden zwei unterschiedliche Pappelklone verwendet und im ersten Schritt wichtige Qualitätsmerkmale im stehenden und liegenden Zustand erfasst. Anschließend erfolgt der Einschnitt mithilfe einer mobilen Bandsäge. Aufgrund der geringen Stammdurchmesser sind Anpassungen an der mobilen Bandsäge vonnöten, die durch den Projektpartner LOGOSOL entwickelt und zum Einsatz gebracht wurden. Es folgte die Holztrocknung und Sortierung des erzeugten Schnittholzes nach seiner Festigkeit, bevor das Schnittholz an der Hochschule Biberach zu Brettschichtholz verklebt wird. So verbindet das Projekt die jeweiligen Kompetenzen der Projektpartner.
Die Projektergebnisse zeigen, dass
- Brettschichtholzträger auf Basis von Stäbchen (Dachlattendimensionen von 3 x 4 cm) herstellbar sind
- Klon Max 4 bessere Qualitäten im Rundholz aufwies als Klon Max 3
- Eine stoffliche Nutzung von Kurzumtriebshölzern nur dann sinnvoll ist, wenn
a) Die Stämme aus dem ersten Umtrieb stammen
b) Die Wachstumszeit länger gewählt wird und damit zu größeren Stammdurchmessern führt - Größere Flächen mit mehreren Reihen voraussichtlich besser geeignet sind, da
a) Randeffekte (stärkere Astbildung oder geringere Stammqualität) reduzierter auftreten
b) Der Anteil an Randzonen im Verhältnis zur Gesamtfläche abnimmt und dadurch eine höhere Homogenität des Bestands zu erwarten ist
Die Projektlaufzeit endete im Dezember 2025. Die gute Zusammenarbeit zwischen den Projektbeteiligten wird dazu führen, dass aus den Projekterfahrungen sowohl bestehende als auch neue Ideen für eine stoffliche Verwendung von Laubholz weiterentwickelt bzw. entstehen werden.
Kontakt:
Prof. Dr. Bertil Burian (burian@hs-rottenburg.de)




