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Innovation und Synergie im Waldbrandschutz: Das FFFLab bündelt Expertise in Rottenburg

Veröffentlicht am: 23. März 2026

Logo: FFFLab

Die zunehmende Dynamik von Wald- und Vegetationsbränden infolge des Klimawandels stellt Einsatzkräfte, Waldbesitzende und Entscheidungsträger in Mitteleuropa vor völlig neue Herausforderungen. Um diesen komplexen Gefahren zu begegnen, lud das Forest Fire Fighting Laboratory (FFFLab) im Februar 2026 zu zwei wegweisenden Round Tables nach Rottenburg am Neckar ein: ein interdisziplinärer Round Table zur luftgestützten Vegetationsbrandbekämpfung sowie ein Round Table zur Waldbrandprävention setzten neue Impulse für die Sicherheit unserer Wälder.

Den Auftakt bildete am 20. Februar ein interdisziplinärer Austausch zur luftgestützten Vegetationsbrandbekämpfung. Rund 200 Teilnehmende aus dem In- und Ausland – darunter Vertretungen von Feuerwehren, Forstverwaltungen, Polizeihubschrauberstaffeln, der Bundeswehr sowie Forschung und Industrie – diskutierten in Präsenz und online über die künftige Rolle von Hubschraubern und Löschflugzeugen. Während die Luftunterstützung international längst etabliert ist, befindet sich Deutschland aktuell in einer Phase des strukturierten Aufbaus. Das enorme Interesse aus der Praxis gab dabei den entscheidenden Impuls für den Round Table.
Ein zentrales Ergebnis: Luftunterstützung ist kein isoliertes Werkzeug, sondern Teil eines komplexen Gesamtsystems. In Deutschland gilt der Hubschrauber aufgrund seiner Flexibilität bei Erkundungen und gezielten Wasserabwürfen als Primärmittel – insbesondere zur schnellen Erstwirkung in schwer zugänglichem Gelände. Die Experten unterstrichen jedoch, dass der taktische Erfolg maßgeblich von klaren Führungsstrukturen und einer reibungslosen Kommunikation mit den Bodeneinheiten abhängt. Letztere bleiben für die vollständige Brandlöschung unverzichtbar. Innovative Ansätze, wie die sensorbasierte Datenerfassung bei Abwürfen oder das kroatische Kooperationsmodell, bieten wertvolle Impulse für nationale Konzepte. Dennoch besteht weiterhin Klärungsbedarf bei der organisationsübergreifenden Ausbildung. Genau hier setzt das FFFLab an: Es versteht sich künftig als Plattform, um Anwender und Forschung zu vernetzen, innovative Projekte zu fördern und zielgruppenspezifische Fortbildungsangebote zu entwickeln.

Nur eine Woche später, am 27. Februar, rückte die Waldbrandprävention in den Fokus. Vor rund 115 Fachleuten aus Forst, Feuerwehr, Wissenschaft und Verwaltung wurde betont, dass effektiver Schutz bereits lange vor dem Ausbruch eines Feuers beginnt. Eine ganzheitliche Strategie muss daher neben der akuten Bekämpfung auch die strukturelle Vorbereitung sowie Konzepte für den Wiederaufbau und die Nachsorge umfassen. Ein zentraler Baustein ist hierbei der Einsatz modernster Technik: Im Rahmen der Fachbeiträge wurde verdeutlicht, wie Satelliten-, Luftbild- und Drohnendaten künftig kombiniert werden können, um via KI-gestützter Analyse großflächig Totholzanteile oder die Vegetationsdichte zu bewerten. Digitale Plattformen sollen so dazu beitragen, Waldzustände systematisch zu erfassen und präzise Prognosen über Brandrisiken sowie mögliche Ausbreitungsdynamiken abzuleiten.    
Neben dieser digitalen Überwachung spielen auch forstbauliche und technische Maßnahmen eine entscheidende Rolle für die Resilienz der Wälder. Der Ausbau von Löschwasserentnahmestellen, die Optimierung der Wegeinfrastruktur sowie die Anlage von Riegelstreifen sind essenziell, um Wälder resilienter zu gestalten. Sensornetzwerke zur Brandfrüherkennung und die Erstellung standardisierter Einsatzkarten verbessern zudem die Reaktionszeit im Ernstfall. Dass Prävention bereits im Kleinen wirkt, zeigten Praxisbeispiele aus der Revierleitung: Von der Waldpädagogik und gezielten Öffentlichkeitsarbeit über Warnbeschilderungen bis hin zur Bereitstellung von Löschwerkzeugen für das Forstpersonal vor Ort greifen hier vielfältige Maßnahmen ineinander.

In der abschließenden Bilanz beider Veranstaltungstage wurde unmissverständlich klar: Die Bewältigung künftiger Vegetationsbrandlagen ist eine interdisziplinäre Gemeinschaftsaufgabe, die forstwirtschaftliche, ökologische und sicherheitsrelevante Aspekte untrennbar vereint. Der Austausch unterstrich erneut, dass belastbare Strukturen nur durch eine enge und verlässliche Zusammenarbeit zwischen Forst, Feuerwehr, Forschung und Verwaltung entstehen können. 

Über das FFFLab: 

Zum Jahresbeginn 2025 gründete die Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg und die Berufsfeuerwehr Reutlingen, zusammen mit dem ersten Projektpartner der Feuerwehr Frankfurt am Main, ein gemeinsames Zentrum für ihre Zusammenarbeit rund um das Thema Wald- und Vegetationsbrände. Die klimatischen Veränderungen und deren Auswirkungen auf die Entstehung und Ausbreitung von Waldbränden waren die Anlässe für diese Initiative. Die Stärkung ihrer Zusammenarbeit, die Einbindung möglichst vieler weiterer Akteure – auch über die Feuerwehren und die Waldwirtschaft hinaus –, die Beschleunigung von Innovationen zur Waldbrandprävention und deren Bekämpfung, sowie deren möglichst rasche öffentliche Bekanntmachung, sind wichtige Ziele.    
Unter dem Namen FFFLab (Forest Fire Fighting Laboratory) wurde ein Projektantrag beim Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (damals Bundesministerium für Bildung und Forschung – BMBF) im Rahmen der Förderlinie „Deutsche Agentur für Transfer und Innovation (DATI)“ gestellt. 20 von ca. 500 Projekten erhielten schließlich eine finanzielle Förderung, wobei das FFFLab mit etwa einer Million Euro ausgestattet wurde und weitere vier Millionen Euro zur Finanzierung von Ideen, Entwicklungen und Forschungsarbeiten an Dritte weitergeben darf, die sich mit förderfähigen Anträgen an das FFFLab richten.     
Das FFFLab basiert auf zwei wesentlichen Säulen. Einerseits soll die Community der Experten aus Wald und Wehr zusammen gebracht und dadurch Wissen in der Prävention und Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden vertieft und größer gestreut werden. Zum anderen hat das FFFLab durch die DATI-Förderung auch die Möglichkeit, gute Ideen aus der Community finanziell zu fördern und damit echte Innovation in diesem Bereich voranzubringen. Als künftige dritte Säule möchte das FFFLab einen Beitrag zur zielgerichteten und zielgruppenorientierten Aus- und Fortbildung sowohl für Förster, als auch für Feuerwehrleute leisten.
 

Logos: Bundesministerium für Bildung und Forschung und DATIpilot