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Wildtiermanagement & Jagd: Deutsch-Japanischer Austausch an der HFR

Veröffentlicht am: 12. Januar 2026

Studierende im Wald an einem Hochsitz

Zum 3. Mal besuchte Prof. Yutaka NIITSU von der Gifu Academy of Forest Science and Culture/ Japan (GAFSC) seinen Fachkollegen Prof. Dr. Thorsten BEIMGRABEN an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg. Mit dabei waren diesmal zwei Studenten, Herr Kousuke CHO und Herr Tomoharu TANAKA, und zwei Berufsjägerinnen, Frau Shindou MOTOMITSU sowie Frau Mayu AOYAMA, die das intensive einwöchige Programm zur Fort- und Weiterbildung nutzten. 

Ein thematisch breit aufgestelltes Fachprogramm führte die Gäste gleich zu Beginn zu einer der großen Hochschuljagden. Es wurde den Gästen rasch klar, dass solche Veranstaltungen mit sehr hoher Teilnehmerzahl und unterschiedlichen Aufgaben einer intensiven Vorarbeit bedürfen. Besonderes Interesse weckte dabei die geschickte Kombination aus digitalen Hilfsmitteln (z.B. App Revierwelt, Lauftracking der Jagdhunde) und handwerklich-praktischem Können der Studierenden. Die japanische Berufsjägerinnen waren erstaunt in wie kurzer Zeit es gelingt, Studierende an ein so hohes Niveau an praktischen Fähigkeiten heranzuführen – und dies zugleich bei gutem wissenschaftlichem Fundament. Prof. NIITSU merkte an: „Die hohen tier-ethischen Ansprüche an das Jagen – wenn und weil es ja schon sein muss –, sind aus der Sicht unserer Kultur sehr beeindruckend: das eröffnet Perspektiven zur Weiterentwicklung unserer eigenen alt-hergebrachten Jagdpraktiken.“

Die Forst-Studierenden der Hochschule Rottenburg hatten ihrerseits auch zugleich die Gelegenheit japanische Jagdkultur mit ihren Herausforderungen kennenzulernen. In einem Fachvortrag vor den deutschen Studierenden wurde in das Thema „Jagd in Japan“ eingeführt. Besonders erstaunt waren die deutschen Studierenden über die extrem strengen Waffenbesitzregeln in Japan sowie über den Einsatz der Falle bei der Bejagung von Schalenwild wie etwa Schwarzwild oder Sika. Eine Studierende der HFR brachte dies treffend auf den Punkt: „Wir können froh sein, dass die Jagd mit den bei uns üblichen hohen ethischen Standards hauptsächlich mit der Schusswaffe ausgeübt werden kann. Mit den in Japan zur Verfügung stehenden Mitteln, also fast ohne Waffen, wären wir nicht in der Lage unsere Aufgabe beim Wildtiermanagement zu erfüllen.“

Weitere Höhepunkte und Besuchsorte dieser von Prof. BEIMGRABEN konzipierten jagdlichen Begegnung von „Abendland“ und „Land der aufgehenden Sonne“ waren: 

  • Biodiversität und Entmischung von Baumarten durch Wildeinfluss
  • Gespräche mit der Geschäftsstelle des Landesjagdverbandes BW
  • Besuch der privaten Jagdschule Wildbretschütz
  • Besuch und Training im Müller Schießzentrum Ulm
  • Waldwachstum und Klimawandel – zeitlich hochauflösende Instrumentierungen auf Versuchsflächen der Hochschule für Forstwirtschaft
  • Besuch an der Wildverarbeitungsfirma „FRIMA Wild und Lammspezialitäten“ in Tübingen Hagelloch
  • Einführung in die Klettersitzjagd und Hundearbeit sowie Wildverarbeitungsworkshop
  • Praktischer Jagdtag in Nagold

Prof. Sebastian HEIN, Wissenschaftlicher Leiter des International Office, brachte seine Freude über diesen vitalen Austausch zum Ausdruck: „Die nun schon wiederholten und gegenseitigen Besuche in jagdlichen Themen zeigen, dass hier nicht nur Höflichkeiten gepflegt werden, sondern durch anspruchsvollen fachlichen Austausch beiderseitige Vorteile genutzt werden. Das ist zudem eine Investition in die künftigen Generationen von Forstleuten und Jagdprofis. Und es trägt zur internationalen Sichtbarkeit und Kompetenzgewinn der Hochschule für Forstwirtschaft bei: Große Klasse!“

Der fachliche Austausch fand im Übrigen dreisprachig statt: in deutscher und englischer Sprache und – dank der sehr gelungenen konsekutiven Übersetzung von Herr Arichika OHARA, Forst-Student (B.Sc.) an der Hochschule für Forstwirtschaft, – auch auf Japanisch.
Mögen diesem Austausch noch zahlreiche weitere jagdpraktische und jagdwissenschaftliche Begegnungen folgen!

Weitere Informationen

Prof. Dr. Thorsten Beimgraben (beimgraben@hs-rottenburg.de) Professur Wildökologie und Jagdwirtschaft
Prof. Dr. Sebastian Hein (hein@hs-rottenburg.de) für das International Office der HFR