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Konstante Rundholzversorgung ist die halbe Miete – Ein Ausflug in Europas modernstes Großsägewerk – Rettenmeier Holzindustrie GmbH

Veröffentlicht am: 15. Dezember 2025

Im Rahmen des Moduls MF 6.1 Klassische und neue Geschäftsfelder unternahmen die Studierenden des Master Forstwirtschaft eine zweitägige Exkursion nach Bayern

Am ersten Tag stand der Besuch des Forstbetriebs Weißenhorn der Bayrischen Staatsforsten (BaySF) auf dem Programm. Dort angekommen, wurde die Gruppe vom stellvertretenden Betriebsleiter Christoph Kohler empfangen. Zu Beginn stellte er als erstes die BaySF sowie den Forstbetrieb Weißenhorn mit seinen regionalen Besonderheiten vor.

Nach einer kurzen Pause mit Kaffee und Brezeln waren die Gemüter wieder gestärkt und es folgte ein Vortrag von Alfons Schwarzfischer, der bei der BaySF in der Zentrale in Regensburg im Holzverkauf tätig ist. In seinem Vortrag beleuchtete er den deutschen Holzmarkt aus Sicht des größten mitteleuropäischen Waldbesitzers, der mit einem Hiebsatz von 5,05 Mio. Festmeter etwa ein Zehntel des Gesamtjahreseinschlags von Deutschland repräsentiert. In diesem Zusammenhang wurden noch Aspekte der Kundenorientierung, wie die Besonderheiten und Herausforderungen der Frei-Werk Lieferung und der dahinterstehenden umfangreichen Logistik, erläutert.

Ziel seines Vortrags war es insbesondere die relevanten Themen rund um das Thema Holzverkauf, wie Rundholzaushaltung und -sortierung, Nasslagerung oder Langfristverträge aus Sicht der BaySF zu betrachten. Mit diesem Wissen waren die Studierenden mit den Kernpunkten der Kundenorientierung für die Besichtigung des Sägewerkes am nächsten Tag gerüstet.

Anschließend stand der Prozessablauf der Frei-Werk-Lieferung beginnend von der Forsteinrichtung über die Jahresplanung bis hin zur Hiebsdurchführung an einem konkreten Beispiel des Forstbetriebes Weißenhorn auf dem Programm. In diesem Zusammenhang kamen die Themen der Holzaufnahme und Datenverarbeitung ebenso zur Sprache, wie die der Organisation, des Schnittstellenmanagement und der Ablaufoptimierung der Holzernte und des Frei-Werk-Lieferprozesses. 

Nach der Theorie am Vormittag ging es für die Studenten im Anschluss an die Mittagspause raus auf eine Hiebsfläche. Am Beispiel einer aufgrund von Käferbefalls geräumten Fläche wurde der Prozessablauf der Holzbereitstellung und dessen digitale Nachvollziehbarkeit beispielhaft vorgestellt. Auch wurde darauf eingegangen, wie sich der Forstbetrieb auf den Klimawandel einstellt. Auf der Freifläche wird ein Edelkastanienbestand mit dem Ziel angebaut, ihn zukünftig für die Gewinnung von hochqualifiziertem, regionalen Saatgut zu verwenden.

Vor Ort im Wald stieß Herrn Müller, einer der Forstwirtschaftsmeister des Betriebs Weißenhorn, zur Gruppe und gab aus seiner Perspektive Einblicke in den Holzbereitstellungsprozess und damit einen anderen Blickwinkel auf das Thema.
Der erste, sehr informative Tag endete schlussendlich mit einer kurzen Abschlussbesprechung in den Räumlichkeiten des Forstbetriebs. Anschließend ging es weiter nach Dinkelsbühl in die Jugendherberge. 
Nach gemeinsamem Abendessen unternahmen die Studenten noch einen kurzen Spaziergang durch die wunderschöne mittelalterliche Stadt und machten, wie es sich in guter Forstmanier gehört, einen kurzen Zwischenstopp am Glühweinstand des Weihnachtsmarktes.

Nach einer erholsamen Nacht und einem kurzen Frühstück ging es gleich morgens auch schon weiter zur nächsten Station, dem modernsten Großsägewerk Europas der Rettenmeier Holzindustrie in Wilburgstetten.
Mit einer Sägekapazität von maximal 1,2 Mio. fm pro Jahr und einer Ausbeute von bis zu 65% gehört es nicht nur zu einem der größten, sondern insbesondere zu den effizientesten Sägewerken in Europa. 
Dort angekommen empfing uns der stellvertretende Werksleiter Markus Lettenmeier. Mit ihm durften die Studenten im Rahmen einer Werksführung einen umfangreichen Einblick in den Rundholzeinkauf aus Sicht des Kunden erlangen. Es war beeindruckend diese Mengen an Holz auf dem Rundholzplatz zu sehen.
Teil der Führung waren unter anderem der Rundholzlagerplatz, an dem die LKW`S und ihre Rundholzlieferungen systematisch erfasst und das Holz abgeladen wird. Besonders beeindruckend war die schnelle Rundholzsortierung, die das Holz schlussendlich in über 100 Boxen vorsortiert. 
Im Anschluss ging es weiter in die Sägelinie des Werks. Angefangen von der Anlieferung über die Einspeisung des Holzes wurde der gesamte Sägeablauf besichtigt. Eine Besonderheit dieses Werkes, maßgeblich für die hohe Ausbeute entscheidend, ist die moderne Sägetechnologie, die es erlaubt jeden Stamm individuell einzusägen und auch der natürlichen Wuchsrichtung zu folgen.
Aufgrund des hohen Automatisierungsgrades war es eine Seltenheit einen Mitarbeiter im Bereich des Einschnitts zu sehen. Pro Schicht wird die gesamte Sägelinie von 11 Mitarbeitern bedient. 
Für eine hohe Wertschöpfung schließt sich an die Sägelinie noch eine energieeffiziente Trocknung an, bevor das Schnittholz zu unterschiedlichen Produkten weiterverarbeitet wird, bevor es zum Kunden ausgeliefert wird.

Anschließend an die Werksführung stand den Studierenden neben Markus Lettenmeier noch Vertriebsleiter Tobias Schmidt für Fragen zur Verfügung. Letzterer gab abschließend noch einen Überblick zur aktuellen Entwicklung auf den nationalen und internationalen Absatzmärkten, was die beiden Tage thematisch abrundete.

Auf dem Heimweg nach Rottenburg machte die Gruppe noch einen kurzen Stopp beim Cube 68 in Dinkelsbühl, einem aus 68 Holzmodulen bestehendem Gebäude, das im Jahr 2025 mit dem deutschen Holzbaupreis ausgezeichnet wurde. Das viergeschossige Gebäude mit Holzfassade begeistert nicht nur durch die Sichtbarkeit von Holz, sondern v.a. durch seine architektonische Gestaltung. So endete die zweitätige Lehrfahrt mit einem guten Beispiel für eine gelungene stoffliche Verwendung von Holz.