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Auf dem Weg zum Dauerwald - Praktikumsbesuch in Eibenstock im Erzgebirge

Veröffentlicht am: 12. Januar 2026

evierleiter Alexander Clauß und Student Crescens Innerhofer im Überführungsbestand, der im Praktikumsprojekt erfasst wird.

Die praxisnahe Ausbildung der Studierenden ist ein wichtiges Merkmal des Studierens an der HFR. Neben der praxisorientierten Lehre wird das gesamte 5. Studiensemester in den Bachelor-Studiengängen als Praktikumssemester absolviert. Viele Studierende nutzen das Praktikum, um auch außerhalb des aus dem Studium gut bekannten näheren Umfeldes von Rottenburg Wissen und Erfahrungen in anderen Regionen zu sammeln. Soweit möglich, erfolgt während des Praxissemesters auch eine Vor-Ort-Betreuung durch Professorinnen und Professoren der HFR.

Eine besondere Praktikumsstelle hat sich Crescens Innerhofer gesucht. Er absolviert sein gesamtes Praktikum im Forstrevier Schönheide des Forstbezirks Eibenstock im Staatsbetrieb Sachsenforst. Eibenstock liegt in den Kammlagen des westlichen Erzgebirges. 1990 gab es hier fast nur Fichten-Reinbestände. Seitdem hat sich der Forstbezirk durch eine dauerwaldartige Bewirtschaftung, durch viele Tannen- und Buchen-Saaten sowie eine konsequente Wildbestandsregulierung zu einem Beispielsrevier naturgemäßer Waldwirtschaft entwickelt.

Revierleiter Alexander Clauß und Crescens Innerhofer stellten beim Praktikumsbesuch am 12.12.2025 Professor Dr. Christoph Schurr das Revier und die Praktikumsinhalte vor. Seit drei Jahrzehnten werden hier Saaten insbesondere von Weißtanne und Rotbuche mit Pferdepflug oder Motorhacke bereits unter mittelalten Fichtenbeständen durchgeführt. Nach drei Jahrzehnten haben sich die Waldbilder und die Vitalität der Waldökosysteme durch die Waldpflege und die eingebrachten Mischbaumarten deutlich verändert: der Bodenzustand hat sich verbessert, in vielen Beständen hat sich die Verjüngung von unten eingeschoben, die Biodiversität wird reicher, die Ökosysteme resilienter.

Eines der Praktikumsprojekte von C. Innerhofer ist die Planung, Betreuung und Kontrolle eines Einschlags in einem Dauerwaldüberführungsbestand sowie die Vollaufnahme der Bestandesdaten. Deren Erfassung ist Voraussetzung für die Einbeziehung in das europaweite Netzwerk von Beobachtungsflächen zur Dauerwaldüberführung der Association Futaie Irrégulière (AFI), eines mit ProSilva eng verbundenen wissenschaftlichen Programms.

Mit einer hochinteressanten Rarität befasst sich sein zweites Praktikumsprojekt. Im Forstbezirk Eibenstock gibt es einige, mehr als 110 Jahre alte Kleinbestände der Orientbuche Fagus orientalis. Die in Kleinasien heimische, mit der Rotbuche verwandte Art gilt als interessanter Kandidat für die Anpassung der mitteleuropäischen Wälder an den Klimawandel. Das Wachstum sowie das waldbauliche Verhalten dieser Orientbuchen werden derzeit von Wissenschaftlern der Technischen Universität Dresden untersucht. Viele Fragen gibt es, wie die Orientbuchen bereits vor dem Ersten Weltkrieg in die Hochlagen des Erzgebirges gelangt sind. Dieser Frage geht C. Innerhofer in einer weiteren Projektarbeit nach.

Nach dem Besuch im Revier Schönheide geht ein herzlicher Dank an Revierleiter Alexander Clauß, der die Praktikantenbetreuung kompetent und engagiert durchführt, sowie an ihn und den Studenten im Praktikum, Crescens Innerhofer, für einen interessanten, facettenreichen Tag im Westerzgebirge.