Einführung in die Systematik der Bibliothek (FAS)

Geschichte der Forstlichen Aufstellungssystematik (FAS) mehrweniger

Die Forstliche Aufstellungssystematik wurde Ende 1990 - kurz nach der erstmaligen Herausgabe der dreisprachigen Kurzfassung (Copyright: IUFRO, Wien, 1990) der Forstlichen Dezimalklassifikation (FDK) - an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR) auf der Basis der Kurzfassung der FDK entwickelt.

Anlaß für die Entwicklung war der Umstand, daß die Bibliothek der HFR in andere Räumlichkeiten umziehen und auf EDV umgestellt werden sollte. Die neue Bibliothek war als Freihand-Bibliothek mit für jedermann frei zugänglichen Regalen konzipiert und sollte ein benutzerfreundliches Sacherschließungssystem erhalten.

Wegen der Freihandaufstellung und der Möglichkeit der Suche nach Stichworten (Titelelementen) am PC fiel die Entscheidung zugunsten der systematischen Erschließung, wobei die Möglichkeit, den Bestand später auch vollständig verbal zu erschließen (teilweise konnten auch sofort beim Katalogisieren nach den Regeln für den Schlagwortkatalog (RSWK) gebildete Schlagwortketten aus Fremddaten des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes übernommen werden), offen blieb. Als Ersatz für die (partiell) fehlende Schlagworterschließung musste die neu anzuwendende Klassifikation jedoch ein umfangreiches Schlagwortregister aufweisen.

Es bot sich daher an, zukünftig mit der FDK / Kurzfassung zu arbeiten. Diese hatte zwar nur ein knappes Stichwortregister, welches aber 1992 durch das ausführliche Stichwortregister der Neuauflage der Vollversion der FKD ersetzt werden konnte. Allerdings mußte die um das Stichwortregister der FDK / Vollversion erweiterte FDK / Kurzfassung in mancherlei Hinsicht überarbeitet werden, bevor sie als Aufstellungssystematik einsetzbar war.

Abweichungen der FAS von der FDK / Kurzfassung mehrweniger

Eine Bearbeitung der FDK war aus folgenden Gründen unumgänglich:

  • a. Die von der FDK verwendete, rein numerische Notationsstruktur (z.B. 232.320 „Baumschulen“) ist für den Gebrauch in einer Freihandbibliothek ungeeignet, da sich Benutzer reine Ziffernfolgen kaum merken können und diese keine inhaltliche Aussagekraft haben. Es können auch keine benutzerfreundlichen Signaturen (Standortangaben) unter Benutzung von reinen Dezimalzahlen gebildet werden
  • b. Die FDK weist inhaltliche Schwächen auf - eine den Ansprüchen an eine moderne forstwissenschaftliche Systematik nicht immer genügende Gliederung (etwa der Gruppe 64 „Forstliche Betriebswirtschaft“ oder der Gruppe 907 „Natur- und Umweltschutz) - Nichtberücksichtigung von Gruppen trotz erheblichen Literaturanfalls (z.B. fehlende oder ungenügende Untergliederung der Gruppen 0 „Forstwirtschaft im Allgemeinen“, 12 „Allgemeine Biologie“ und 156 „Jagdwesen“; keine Gruppen (nur Anhängezahlen) für spezielle Printmedienarten (z.B. Schriftenreihen, Atlanten, Zeitschriften), Karten und Non-Print-Medien (z.B. Tonträger, Bildtonträger, Computerdateien))
  • c. Der Anwendungsbereich der FDK ist auf die Forstwirtschaft beschränkt (fehlende Gruppen für „Allgemeine Gebiete“ wie Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften, Angewandte und interdisziplinäre Wissenschaften, Kunst, Belletristik)
  • d. Die FDK gibt i.d.R. keine Abgrenzungshilfen (inhaltliche Konkretisierung von Begriffen bzw. Verweisungen auf andere Gruppen)
  • e. Verwendet man das ausführliche Stichwortregister der FDK / Vollversion anstatt des knappen der FDK / Kurzfassung, ist dieses nicht an die Notationsstruktur der FDK / Kurzfassung oder einer die FDK / Kurzfassung modifizierenden Systematik angepaßt. Das Stichwortregister erschließt im Übrigen nur den Bereich Forstwirtschaft, nicht jedoch „Allgemeine Gebiete “ / Gruppen für spezielle Medienarten
  • f. Es fehlt eine Systematik-Übersicht (Grobgliederung) am Anfang der FDK
  • g. Die FDK sieht die Arbeit mit Verbund- und Anhängezahlen vor. Ein solches System ist nicht benutzerfreundlich. 2006 ist eine überarbeitete Ausgabe der FDK / Vollversion unter dem Titel „Globale Forstliche Dezimal-Klassifikation (GFDK)“ erschienen. Die grundlegenden Probleme der FDK - insbes. ihre strukturelle Untauglichkeit für den Einsatz in Freihandbibliotheken - wurden dadurch nicht behoben.

Für den Gebrauch als Aufstellungssystematik wurden in der vorliegenden Bibliothekssystematik folgende Modifikationen gegenüber der FDK / Kurzfassung vorgenommen:

  • a. Die Notationsstruktur der FDK wurde mnemotechnisch (gedächtnisstützend) abgeändert, indem die erste Stelle einer Ziffernfolge durch eine zweistellige Buchstabenkombination (FW statt 0 „Forstwirtschaft im Allgemeinen“, SB für 1 „Standortsfaktoren. Biologie“, WB für 2 „ Waldbau“ usf.) - bei mehrstelligen Ziffernfolgen gefolgt von einem Punkt - ersetzt wurde. Der der optischen Strukturierung dienende Punkt nach der dritten Dezimalzahl wurde um eine Stelle nach rechts verschoben. Die den Notationen der FAS entsprechenden Dezimalzahlen der FDK wurden - soweit vorhanden - zusätzlich in Klammern angeführt Zur Bildung von benutzerfreundlichen Signaturen (Standortsbezeichnungen) kann man, dem Gebrauch in Öffentlichen Bibliotheken folgend, die Notation nach einem Blank um die drei (Sch gilt insoweit als ein Buchstabe) Anfangsbuchstaben des ersten ordnungsrelevanten formalen Kriteriums der jeweiligen Titelaufnahme (Nachname des Verfassers, Name der Körperschaft oder Anfang des Sachtitels) erweitern (z.B. WB.323 Mül für ein Buch von Müller über Baumschulen)
  • b. Unbrauchbare oder fehlende Gliederungspunkte wurden gestrichen / abgeändert oder ergänzt. Abweichungen der Gliederung der FAS von der FDK sind immer dann gegeben, wenn auf die Angabe der mnemotechnischen Notation keine Dezimalzahl in Klammern folgt. Der Vollversion der FDK entnommene Erweiterungen der FAS (über die FDK / Kurzfassung hinaus) sind durch kursiven Druck der geklammerten Dezimalzahl kenntlich gemacht
  • c. Die Systematik wurde um die Hauptgruppe AG „Allgemeine Gebiete“, in der alle nicht forstwirtschaftlichen Gebiete berücksichtigt sind, erweitert
  • d. „Hier auch-Hinweise“ und ein ausführlicher Verweisungsapparat wurden ergänzt
  • e. Das Stichwortregister der FDK / Kurzfassung wurde durch das Stichwortregister der FDK / Vollversion ersetzt (jetzt Schlagwortregister der FAS) und die Notationsstruktur an die der FAS (mnemotechnisch, kürzer) angepaßt. Für die „Allgemeinen Gebiete“ / speziellen Medien-Arten wurde ein eigenes Stichwortregister erstellt
  • f. An den Anfang der FAS wurde eine Systematik-Übersicht gestellt
  • g. Die FAS kennt keine Bildung von Verbundzahlen. Stattdessen können mehrere Notationen zur Kennzeichnung verschiedener Inhalte eines Buches vergeben werden. Auf die Verwendung von Anhängezahlen wird verzichtet

Die Recherche im EDV-Katalog bei systematischer Erschließung von Beständen durch die FAS mehrweniger

In den Bibliotheken hat heute der herkömmliche Kartenkatalog ausgedient. An seine Stelle sind benutzerfreundliche EDV-Kataloge (kurz OPACs für Online Public Access Catalogues), speziell für Bibliothekszwecke programmierte Datenbanken auf PC-Basis, getreten.

Der Benutzer hat die Wahlmöglichkeit zwischen einer Expertenrecherche mit Kommandos und Verknüpfungsmöglichkeiten mit den Operatoren und/oder/nicht (weiterer Vorteil: größere Anzahl von Feldern suchbar) oder der einfacheren Recherche mit Hilfe einer Suchmaske, die i.d.R. zumindest die Eingabefelder „Verfasser“, „Körperschaft“, „Titel oder Titelelement (Stichwort)“, „Notation (Systematikstelle)“, „Signatur (Standort)“, „Schlagwort“ und „Erscheinungsjahr“ enthält. Die Felder der Maske können einzeln oder kumulativ ausgefüllt werden.

Nach Durchführung der Suche wird bei nur einem Treffer ein Titel oder bei mehreren Treffern eine Liste mehrer Titel, aus der man wiederum einzelne Titel auswählen kann, ausgeworfen. Wie eine nach RAK-WB - einem an fast allen deutschen Wissenschaftlichen Bibliotheken gebräuchlichen Regelwerk für die Formalkatalogisierung - aufgenommene Titelaufnahme am Bildschirm angezeigt wird, demonstriert das folgende Beispiel:

Anzeige getrennt nach Feldern:

Autoren: Ebert, Hans-Peter
Titel: Heizen mit Holz in allen Ofenarten
Ausgabe: 13., verb. Aufl.
Impressum: Staufen bei Freiburg : ökobuch., 2009. - 158 S. : Ill., graph. Darst.
ISBN: 978-3-936896-21-3
Signatur: FN.31 Ebe
1. Notation: FN.31 (entspricht der FDK-Zahl 831)
2. Notation: AG.536 (entspricht keiner FDK-Zahl, da „Allgemeine Gebiete“ ausgespart sind)
3. Notation: AG.576 (entspricht ebenfalls keiner FDK-Zahl)
4. Notation: AL.1 (entspricht der FDK-Zahl 31)
5. Notation: FN.39 (entspricht der FDK-Zahl 839)
6. Notation: FN.47 (entspricht der FDK-Zahl 847)
7. Notation: FN.48 (entspricht der FDK-Zahl 848)

1. Sachschlagwort:
Holzheizung
2. Sachschlagwort: Brennholz
Formalschlagwort: Ratgeber
Schlagwortkette: Holzheizung / Ratgeber

Anzeige im Katalogkartenformat (optional):
Ebert, Hans-Peter: Heizen mit Holz in allen Ofenarten / Hans-Peter Ebert. - 13., verb. Aufl. - Staufen bei Freiburg : ökobuch., 2009. - 158 S. : Ill., graph. Darst ISBN 978-3-936896-21-3

Mit der Titelaufnahme wird das Buch formal beschrieben. Im Beispiel wird nach dem Verfasser in Ansetzungsform der Titel des Buches und (nur im Katalogkartenformat) der Name des Verfassers, wie er auf der Haupttitelseite des Buches steht, angezeigt. Es folgen die Ausgabebezeichnung und das Impressum bestehend aus Erscheinungsvermerk (Erscheinungsort, Verlag, Erscheinungsjahr) und Kollationsvermerk (Anzahl der Seiten und beispielsweise die Angabe, ob das Buch Illustrationen, graphische Darstellungen oder Karten enthält).

Den Abschluß bildet die Internationale Standard Buch Nummer (ISBN), über die das Buch im Buchhandel schnell bestellt werden kann. Titelaufnahmen können auch wesentlich komplizierter aussehen. Es ist auch möglich, daß mehrere Titelaufnahmen (z.B. eine Serie mit ihren zugehörigen Bänden) miteinander verknüpft werden, so daß man bei der Recherche (durch Auswahl des Verknüpfungsfeldes) zwischen den Aufnahmen hin und her navigieren kann. Um die als Beispiel gewählte Titelaufnahme im EDV-Katalog zu finden, müßte man z.B. im Verfasserfeld „Ebert, Hans-Peter“ oder im Titelfeld „Heizen“ eintragen, wobei man im Titelfeld die Wahl hat, ob man eines oder mehrere Stichworte (Titelelemente) eingeben will. Je mehr Kriterien man eingibt, desto mehr grenzt man die Suche auf einen oder wenige Titel ein. Der Titelaufnahme angefügt sind die Ergebnisse der systematischen und verbalen Sachkatalogisierung, nämlich die Signatur, eine oder mehrere Notationen und ein oder mehrere Schlagworte bzw. Schlagwortketten. Die Signatur (Standortangabe) entspricht der  1. Notation, ergänzt durch die ersten drei Buchstaben des (für Katalogausdrucke) ordnungsrelevanten formalen Kriteriums, im Beispiel des Verfasser-Nachnamens. Die 1. Notation bezeichnet die Systematikstelle, in die das Buch schwerpunktmäßig gehört (FN.31 = Forstnutzung / Brennholz).

Mögliche weitere Notationen stehen für Themenbereiche, die das Buch auch, wenn auch nicht schwerpunktmäßig, behandelt (2. Notation: AG.536 = Allgemeine Gebiete / Technik / Bauwesen / Heizungstechnik bzw. 3. Notation: AG.576 = Allgemeine Gebiete / Hauswirtschaft / Heizung usw.). Im Beispiel wurden die Sachschlagworte „Holzheizung“ und „Brennholz“ vergeben, ergänzt durch das Formalschlagwort „Ratgeber“. Aus dem Sachschlagwort „Holzheizung“ und dem Formalschlagwort „Ratgeber“ wurde die Schlagwortkette „Holzheizung / Ratgeber“ gebildet. Die verschiedenen Formen der Sacherschließung (Suchmöglichkeit über Signatur, Notation und Schlagwort) bewirken, daß sich gröbere und feinere inhaltliche Recherchen durchführen lassen.

Wer sich etwa alle Bücher, die schwerpunktmäßig mit dem Thema „Brennholz“ zu tun haben, anzeigen lassen will, muß eine Suche mit der abgekürzten („trunkierten“) Signatur FN.31, gefolgt von einem Blank und einem Trunkierungszeichen (bei den meisten Systemen ein Asterix/Sternchen/*, also FN.31 * damit die Bücher beispielsweise der Verfasser Maier und Müller mit den Signaturen FN.31 Mai und FN.31 Mül ausgeworfen werden), durchführen. Wird unter der Notation FN.31 recherchiert, werden zusätzlich auch die Bücher aufgelistet, die in irgendeiner Weise, also nicht nur schwerpunktmäßig, dasselbe Thema behandeln. (Bei der Auffindung der richtigen Systematikstelle für eine Anfrage kann ein Blick in die Systematik-Übersicht oder in das eventuell vorhandene Stich-/Schlagwortregister der Systematik weiterhelfen.) Man kann statt einer systematischen Suche auch mit einem oder mehreren Schlagworten bzw. Bestandteilen von Schlagwortketten, z. B. mit dem Schlagwort „Holzfeuerung“ recherchieren. Die Schlagwortsuche ist häufig enger (eingegrenzter) als die Suche über Systematikstellen.

Manche EDV-Kataloge können auch nach Eingabe von Synonymen fündig werden, ein bibliothekswissenschaftlicher Titel kann dann beispielsweise sowohl unter dem Schlagwort „Bibliothek“ als auch unter „Bücherei“ gefunden werden. Man sollte trotzdem vor Durchführung der Recherche am Schlagwort-Index der Datenbank überprüfen, welches Schlagwort tatsächlich vergeben wurde. Die Stichwortsuche ist eine Suche nach einem formalen Kriterium (Titelelement) und darf nicht mit der Schlagwortsuche (wird von einem Bibliothekar zur Kennzeichnung des Inhaltes eines Mediums vergeben) verwechselt werden. Soweit ein Titel aussagekräftige Stichwörter enthält, kann die Stichwortsuche jedoch durchaus die Schlagwortsuche ersetzen.

Der Einsatz der FAS in der Bibliothekspraxis mehrweniger

Die FAS ist eine Modifikation der FDK für forstliche Bibliotheken mit Freihandaufstellung. Für diesen Einsatzbereich mußte die FDK teilweise umstrukturiert und wegen der zahlreichen Berührungspunkte der Forstwissenschaft mit anderen Wissensgebieten in Richtung auf eine Universalklassifikation erweitert werden. Die FDK ist jedoch auch insoweit nicht funktionslos geworden.

Bei der Erschließung mit Hilfe der FAS ist es beispielsweise empfehlenswert, immer auch ein Exemplar der FDK/Vollversion zur Hand zu haben. Diese kann wegen ihrer tieferen Gliederung als Abgrenzungshilfe beim Arbeiten mit der FAS benutzt werden. Während des nun bald 20-jährigen Einsatzes der FAS an der Bibliothek der HFR hat sich gezeigt, daß auf der Grundlage der Gliederung der FDK der Bestand einer forstlichen Bibliothek gut erschlossen werden kann. Die FAS ermöglicht dem Benutzer, sich im Regelfall ohne fremde Hilfe am Regal zurechtzufinden und Recherchen über die Systematik am EDV-Katalog selbständig durchzuführen.

Mit ihrem Erscheinen liegt erstmals im deutschsprachigen Raum eine forstliche Aufstellungssystematik vor, die auf einem international anerkannten Standard beruht und zugleich in Freihandbibliotheken Verwendung finden kann.