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Doppelte Auszeichnung für Japan-Arbeiten der HFR

Veröffentlicht am: 05. Dezember 2016

Zwei Forststudierende, Johannes Trzebiatowski und Fabian Keck, erhalten den diesjährigen 2. Preis der Carl-Duisberg-Gesellschaft Baden-Württemberg

Die beiden Preisträger (v.l.n.r.) Fabian Keck & Johannes Trzebiatowski bei Messungen im Lehrwald der Universität Iwate/ Tohoku Region/ Japan

CDG-Preisverleihung an der Hochschule Ulm am 02.12.2016 (v.l.n.r: Rektor Prof. Dr. Volker Reuter/ HS Ulm, Benjamin Peschke/ HAW BW e.V., Jochen Voß/ Vorstandvorsitzender CDG, Preisträger Johannes Trzebiatowski, Prof. Dr. Sebastian Hein)

Die Abschlussarbeiten der beiden Preisträger spiegeln wichtige Themen der Japan-Aktivitäten an der Hochschule für Forstwirtschaft wider und zeigen zugleich wie junge Nachwuchswissenschaftler erfolgreich in internationale Projekte integriert werden können.

Im Projekt ForestPath, Förderung DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst), werden die unterschiedlichen Entwicklungswege der deutschen und japanischen Forstwirtschaft einander gegenübergestellt: Japan weist eine für ein hochindustrialisiertes Land ungewöhnliche Unternutzung seiner ausgedehnten Waldressource auf (Bewaldungsrate knapp 70 %), einen geringen Selbstversorgungsgrad mit heimischen Holz (30%), hohe Importquoten mit großen Anteilen veredelter holzbasierte Ware und letztendlich eine über lange Jahre vernachlässigte angewandt-wissenschaftliche Forstausbildung.

„Beide Bachelorarbeiten stechen als sehr gute Abschlusswerke in einem sehr aktuellen Forschungsprojekt hervor. Sie stehen wie von der CDG verlangt im Kreuzungsbereich von nachhaltiger Entwicklung, Nutzung natürlichen Ressourcen sowie Fachkompetenz für fremde Länder, Menschen und Kulturen“ kommentierten die Betreuer der Arbeiten und ForestPath-Verantwortlichen, Prof. Dr. Sebastian Hein und Christoph End, die erfreuliche Preisverleihung an der Hochschule Ulm, am 02.12.2016.

Als Zielsetzung war vorgegeben ein erfolgreiches forstlich- waldbauliches Konzept, die „Z-Baum Bewirtschaftung“, auf seine Anwendbarkeit in japanischen Wuchsverhältnissen zu prüfen. Dieses Konzept ist heute für die nachhaltige und naturnahe Waldbewirtschaftung in Mitteleuropa prägend wurde und federführend in Baden-Württemberg entwickelt. Um der langjährigen Unternutzung in Japan mit attraktiven Beispielen einer modernen Waldpflegestrategie entgegenzuwirken, richteten die beiden Absolventen Versuchsflächen genau nach dem Baden-Württembergischen Vorbild ein. Auf vergleichenden ungepflegten und gepflegten Waldflächen wurden in Universitätswald Omyojin (Universität Iwate in Morioka, Tohoku Region, Japan) Dauermonitoringflächen zu Wachstum und Wachstumsreaktion der Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica (L.f). D. Don) sowie von Laubbaumarten angelegt (jeweils 2 x 0,5 ha Flächengröße).

Die Bearbeiter, Herr Trzebiatowski und Herr Keck, blieben dabei nicht einfach beim bloßen Aufsuchen und Beurteilen von ähnlich wie in Deutschland gewachsenen Bäumen stehen, sondern richteten - basierend auf aktuellem wissenschaftlichem Standard der Disziplin – diese moderne Versuchsanlage gleich auf eine hohe Aussagekraft für angewandt-forstbetriebliche Fragen aus. Eine der Besonderheiten ist dabei, dass beide Bachelorarbeiten schon jetzt quantifiziert die nächsten Waldpflegemaßnahmen für die kommenden Jahrzehnte (sic!) vorschlagen. Damit ist die Sicherheit geschaffen, dass die künftige Bewirtschaftung auch langfristig dem Transfergedanken folgt: (1) technisch: genaue Überprüfung hiesiger Bewirtschaftungsregeln in dortigen naturalen Verhältnissen, (2) bildungsbezogen: Vermittlung und kritische Betrachtung hiesiger bewährter Erkenntnis zur nachhaltigen Waldwirtschaft gegenüber dortigen Forstfachleuten.

Auch die Leistung in der interkulturellen Verständigung war beachtlich: Die nun frisch gebackenen Preisträger mussten zunächst im schwierigen sprachlichen und anspruchsvollen kulturellen und geographischen Umfeld sämtliche organisatorischen Problemstellungen eigenständig lösen (z.T. Messgeräte, Mithelfer auf Arbeiter-, studentischer und akademischer Ebene). Sicher kam ihnen dabei die hilfsbereite japanische Mentalität zu Hilfe, es gelang ihnen aber schon nach zügiger Einarbeitung sich in der kulturell fremden Umgebung sicher zu bewegen. Da bereits im Mai 2015 eine interdisziplinäre Wochenexkursion (Studierende, Professoren, Forstfachleute) der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg nach Japan stattfand, und dabei auch die damals fast fertigen Versuchsflächen besichtigt wurden, konnte sich die Besucher sowohl von der korrekten fachlichen Umsetzung als auch von der gelungenen interkulturellen Integration überzeugen.

Beide Bachelorarbeiten wurden in englischer Sprache verfasst und stehen damit der Universität Iwate vollumfänglich zur Verfügung. Der Bildungstransfer wird auch daraus ersichtlich, dass die Versuchsfläche inzwischen Teil einer Lehrveranstaltung der dortigen Hochschule ist und in gemeinsamer bi-nationaler Autorenschaft ein Beitrag für eine japanische forstwissenschaftliche Zeitschrift angenommen wurde. Auch so kann Nachhaltigkeit im weiteren Sinne gewährleistet werden!

Die Auszeichnung der beiden Absolventen im engen Bewerberfeld der renommierten Stiftung bekräftigt letztendlich auch, dass sich herausragende Absolventen der Hochschule für Forstwirtschaft durch ihre Themenwahl „Im Kontext der Nachhaltigkeit“ auch im internationalen Kontext erfolgreich bewegen können.

Kontakt:

Prof. Dr. Sebastian Hein
Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg
University of Applied Forest Sciences
Schadenweilerhof, 72108 Rottenburg am Neckar
T. 07472/951-239, Fax: 07472/951-200
E. hein@dont-want-spam.hs-rottenburg.de ,
http://www.hs-rottenburg.de 

Sebastian Hein
Prof. Dr. Sebastian Hein

Professur für Waldbau, Waldbautechnik, Forstpflanzenzucht, Ertragskunde

T. +49 7472/951-239
F. +49 7472/951-200
M.hein@dont-want-spam.hs-rottenburg.de

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