Wochenexkursion Erneuerbare Energien 2019

04. Juli 2019

Die diesjährige „Wochenexkursion Erneuerbare Energien“ führte an die Ostsee, nach Mecklenburg-Vorpommern. Vom 02.06. bis 07.06.2019 erlebten siebzehn Studierende aus dem 4. Semester des Studiengangs Erneuerbare Energien ein spannendes und abwechslungsreiches Programm.

Landschaftsfoto mit Dorf. Im Hintergrund sechs Windräder.

alle Fotos: Frank Brodbeck

Unter der Leitung von Prof. Dr. Frank Brodbeck wurden insgesamt sieben Exkursionspunkte rund ums Thema „Erneuerbare Energien“ besucht.

Die erste Station, noch auf halbem Weg zur Ostsee, war die Zellstofffabrik von Mercer Stendal in Sachsen-Anhalt. Hier konnten die Studierenden sehen, wie aus riesigen Mengen Industrieholz Zellstoff hergestellt wird. Die Holzbestandteile, die nicht zu Zellstoff verarbeitet werden können, werden im werkseigenen Biomassekraftwerk zur Erzeugung von Bio-Strom genutzt.

Am Dienstag besichtigte die Gruppe dann den Holz-Cluster in Wismar. Am Vormittag erhielten wir eine Führung durch das Sägewerk von Ilim Timber. Durch die Lage des Werks direkt am Seehafen Wismar kann das Rundholz hier trimodal angeliefert werden (per Schiff, per Bahn und per LKW). Die Distribution des Schnittholzes erfolgt über dieselben Verkehrsträger. Auch in diesem Werk werden geringerwertige Resthölzer in einem Biomasseheizkraftwerk energetisch genutzt. Die anfallenden Sägespäne werden entweder in der benachbarten Holzwerkstoff-Fabrik zu Spanplatten und OSB-Platten verarbeitet, oder bei Wismar-Pellets zu Holzpellets gepresst. 

Wir verfolgten also den Weg der Sägespäne vom Sägewerk zum Pelletwerk und besichtigten am Dienstagnachmittag die Firma Wismar-Pellets (ehemals German Pellets). Neben Sägespänen von Ilim Timber und aus anderen Quellen wird hier auch Industrieholz der Güteklassen F und K zunächst gehackt und dann zu Pellets verarbeitet. Das Holz wird in einer Hammermühle weiter zerkleinert, auf einem Bandtrockner getrocknet, und dann in einer Kollergangpresse mit Ringmatrizen zu Pellets gepresst. Mit einer Produktion von rund 200.000 t Pellets pro Jahr gehört Wismar-Pellets zu den größten Pelletproduzenten Deutschlands.

Nach so viel „Holz“ ging es am Mittwoch um die Themen „Logistik“ und „Windkraft“. Am Vormittag besichtigte die Gruppe den Hafen Rostock, den einzigen deutschen Tiefwasser- und Universalhafen an der Ostsee. Auf dem 750 ha großen Hafengelände haben sich viele Firmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien, wie z.B. Liebherr MCCtec, EEW Special Pipe Constructions, oder Power Oil angesiedelt:

Die Liebherr-MCCtec Rostock GmbH entwickelt Schiffs-, Hafenmobil- und Offshorekrane. Die direkte Anbindung des Werks an die Ostsee bietet beste logistische Voraussetzungen für den weltweiten Vertrieb der groß dimensionierten Geräte, die Traglasten von bis zu 5.000 Tonnen aufweisen.

EEW Special Pipe Constructions fertigt Spezialrohre für Offshore-Windkraftanlagen mit Durchmessern von bis zu 10 m, Stückgewichten bis zu 1.500 Tonnen und maximaler Länge von 120 m.

Power Oil Rostock produziert bis zu 200.000 t Rapsöl jährlich unter anderem für die Biokraftstoffindustrie und ist eine der größten Ölmühlen Deutschlands.

Mit einer Besichtigung des KV-Terminals („Kombinierter Verkehr“) der Rostock Trimodal GmbH, wo Sattelauflieger vom LKW für den Weitertransport auf die Bahn verladen werden, endete die Besichtigung des Rostocker Hafens.

Am Mittwochnachmittag besuchte die Gruppe die Firma eno energy im Ostseebad Rerik. Mit ca. 800 MW installierten Projekten ist die eno energy Gruppe seit 20 Jahren ein etablierter Player in der Erneuerbare Energien Branche. Die Leistungen umfassen neben der Herstellung von Windenergieanlagen auch die Planung, Entwicklung, Wartung und technisch-kaufmännische Betriebsführung von Erneuerbare Energie Projekten. Nach einem sehr interessanten Vortrag mit angeregter Diskussion besichtigten die Studierenden eine Near-Shore-Windenergieanlage der eno energy vom Typ eno 126 mit einer Nennleistung von 3.500 kW. Da die Anlage wegen Wartungsarbeiten gerade stillstand, durften zwei Teilnehmer der Gruppe aus Rottenburg zusammen mit den Servicetechnikern bis in die Gondel der Windenergieanlage aufsteigen. Bei einer Nabenhöhe von 97 m bot sich ein fantastischer Ausblick auf die Rotorblätter mit einem Rotordurchmesser von 126 m, auf benachbarte Windenergieanlagen sowie auf die nahegelegene Küste.

Das Thema „Offshore-Windenergie“ stand dann auch am Donnerstagvormittag beim Besuch des Schiffbau- und Schifffahrtsmuseums am Rostocker Hafen im Mittelpunkt. Neben interessanten Einblicken in die Maschinenräume und die Motortechnik des Schiffs, war für die Gruppe vor allem die interaktive Ausstellung zum Thema „Offshore-Windenergieanlagen“ interessant. Mit kurzen Filmen, Plakaten und Präsentationen wird den Besuchern gezeigt wie Offshore-Anlagen errichtet werden und welche Herausforderungen dabei entstehen. Zudem werden Einblicke in die Forschung an Windkraftanlagen in der Ostsee gegeben.

Am Freitagvormittag, bereits auf der Rückreise nach Rottenburg, machte die Gruppe noch einen Stopp in Hallerndorf (Oberfranken). Die Gemeinde wurde im Oktober 2018 von der Agentur für Erneuerbare Energien als „Energie-Kommune des Monats“ ausgezeichnet. Mitarbeiter*innen der Naturstrom AG führten unsere Gruppe durch die Heizzentrale des Solarthermie-Nahwärmenetzes Hallerndorf. Fünf mit regionalen Holzhackschnitzeln betriebene Heizkessel und 1.300 Quadratmeter Solarkollektoren erzeugen die erneuerbare Wärme, die über ein vier Kilometer langes Rohrleitungsnetz an 120 Häuser des Ortes Hallerndorf verteilt wird.

Neben diesem interessanten und abwechslungsreichen fachlichen Programm gab es während der Exkursionswoche auch ausreichend Gelegenheit verschiedene Fisch-Spezialitäten zu genießen, in der Ostsee zu baden oder abends beim Grillen die Erlebnisse des Tages nochmal Revue passieren zu lassen. 

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