Wettlauf um Rumäniens Urwald

11. Dezember 2017

Im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Urwaldprojektes der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR, Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Rainer Luick) in Rumänien haben die beteiligten rumänische Forstexperten im Sommer und Herbst 2017 bereits ca. 3.000 ha Urwaldflächen kartiert. Ziel der Projekte ist es, die zuständigen nationalen Institutionen in Rumänien (Umweltministerium) bei der Inventur und Begutachtung von bislang noch ungeschützten Urwaldflächen zu unterstützen.

Die große österreichische Tageszeitung “Der Standard” berichtete aktuell mit einem ganzseitigen Bericht über das Vorhaben und die dramatische Situation der Urwälder in Rumänien (http://derstandard.at/2000069740402/Kampf-um-Rumaeniens-Urwaelder).

Die Zeit drängt, denn die Abholzungen von Urwäldern schreitet rasant voran und das selbst in europäischen Schutzgebieten (NATURA 2000) und sogar in Nationalparks. Eine kürzlich veröffentlichte Dokumentation des rumänischen Journalisten und Umweltaktivisten Andrei Ciurcanu zeigt verheerende Einschläge in einem bis dahin weglosen Urwaldgebiet im Domogled Nationalpark (http://www.saveparadiseforests.eu/de/aufdecker-video-europas-groesstes-umweltdrama-findet-in-den-rumaenischen-urwaeldern-statt/ ).

Matthias Schickhofer, der für die HFR das Projekt in Rumänien koordiniert, war mit rumänischen Partnern im Oktober 2017 vor Ort, um diese Urwaldgebiete gutachterlich zu erkunden. Lesen sie seinen erschreckenden Bericht unter http://www.saveparadiseforests.eu/de/grosse-ungeschuetzte-urwaelder-entdeckt-domogled-und-valcan-area/ 

Denn statt des Urwalds, wie er noch im April 2017 für diesen abgelegenen Teil des Nationalparks beschrieben war, fanden Matthias Schickhofer und die rumänischen Waldexperten des HFR Teams kürzlich erfolgte großflächige Abholzungen. Im Domogled Nationalpark wird auf der Hälfte der Fläche – und das überwiegend in ökologisch einzigartigen Urwaldgebieten - intensive kommerzielle Forstwirtschaft betrieben. Das HFR Teams will nun versuchen, von der Forst- und Nationalparkverwaltung die notwendige Genehmigung zu bekommen, um in diesem Tal des Nationalparks die noch verbliebenen rund 600 ha intakten Urwald zu kartieren. Damit sollen die Grundlagen für die Ausweisung als Urwaldschutzgebiet geschaffen werden.

Ein grundsätzliches Dilemma der Nationalparke in Rumänien ist, dass diese von der staatlichen rumänischen Forstverwaltung ROMSILVA verwaltet und finanziert werden. Der rumänische Staat bietet bis heute keine Grundfinanzierung für die Nationalparks. Eine paradoxe Situation, denn dadurch sind die Naturschutzverwaltungen in kompletter finanzieller Abhängigkeit und nicht in der Lage, einer Aufsichts- und Kontrollfunktion nachzukommen. Kein Wunder daher auch, dass es von den zuständigen Parkverwaltungen offiziell keine kritischen Stellungnahmen zum Thema Abholzung in Nationalparken gibt.

zurück