Schafe im Weinberg

03. April 2019

An der Hochschule Rottenburg, dort in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Rainer Luick, beginnt gerade ein neues Forschungsvorhaben, das sich mit der Beweidung von Weinbergen durch Schafe beschäftigt.

Forschungsprojekt - W3: Win-Win im Weinberg

Der korrekte Titel des Projektes ist: W3: Win-Win im Weinberg – innovatives, ökologisches und ökonomisches Weinbergmanagement mit extensiver Schafbeweidung. Projektmanager ist Nicolas Schoof.

Das Vorhaben hat eine Laufzeit von 4 Jahren und wird mit 400.000 € von der  Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg (am Ministerium für Umwelt, Klima & Energiewirtschaft) gefördert. Mit Ko-Förderungen beteiligt sind weiterhin auch die Musella-Stiftung / Freiburg und die Heidehof Stiftung / Stuttgart. Wissenschaftliche Partner sind die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Fakultät für Biologie / Prof. Dr. Michael Scherer-Lorenzen und die Fakultät Umwelt / & Natürliche Ressourcen / Prof. Dr. Alexandra Klein) und das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg.

Das Forschungsvorhaben in Kürze

Der Weinbau ist eine relativ intensiv geführte Sonderkultur. So erbringen Rebkulturen in aller Regel auch nur sehr geringe ökologische Leistungen. Durch den hohen Maschineneinsatz und die intensive Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist der Lebensraum Weinberg aus Naturschutz- und Biodiversitätssicht insgesamt eher problematisch einzuschätzen.

Für den Winzer ist u.a. die Begleitvegetation, also die Pflanzen, die zwischen und unter den Kulturpflanzen wachsen, eine ständige Herausforderung. Einerseits sind diese Begleitpflanzen Voraussetzung für Biodiversität, anderseits konkurrieren sie mit den Reben um Nährstoffe, Wasser und Raum. Der Winzer beseitigt die Vegetation daher mehrmals im Jahr mit Herbiziden, einem Mulchgerät und/oder durch Bodenfräßen. Für die meisten von Pflanzen abhängigen Lebewesen, wie z.B. für Insekten und Spinnen, ist eine solche Umgebung damit kein geeigneter Lebensraum.

In unserem Projekt wollen wir evaluieren und zeigen, (1) ob durch den Einsatz von Schafen die Begleitvegetation kurz gehalten und (2) somit auch der Herbizid- und Maschineneinsatz zurückgefahren werden kann. Zudem wollen wir erfassen, (3) ob Schafe die Beseitigung von Stockaustrieben übernehmen können und (4) ob sie auch für die Entblätterung der Traubenzone tauglich sind. Dieser Arbeitsgang ist für die Abtrocknung und Reifung / Sonnenexposition der Beeren wichtig. Sie könnten in Abhängigkeit der örtlichen Gegebenheiten also insgesamt zur Arbeitseinsparung beitragen. Wir werden weiterhin untersuchen, (5) ob Schafe im Weinberg prinzipiell das Bodenleben und den Humusaufbau fördern und (6) die Biodiversität im Weinberg insgesamt unterstützen. Natürlich sind die Nutztiere auch potentielle Lieferanten von Wolle und Fleisch, weshalb wir (7) die praktischen und ökonomischen Implikationen dieser möglicherweise interessanten Doppelnutzungsstrategie untersuchen wollen, z.B. ob dies auch im Weinverkauf gewinnbringend eingesetzt werden kann.

Voraussetzung ist, dass die Arbeitsabläufe der Weinbergsbewirtschaftung an die Beweidung mit Schafen angepasst werden. Umgekehrt sind die Haltungserfordernisse der Schafe an den Anforderungen des Weinbaus auszurichten. 

Bislang gibt es keine Informationen und Empfehlungen für Winzer zur Schafhaltung in Weinbergen und vor allem keine systematische wissenschaftliche Analyse der genannten Parameter. In einem mehrjährigen Praxistest auf mehreren Versuchsparzellen im Breisgau mit verschiedenen  Reberziehungsformen wird das Forschungsvorhaben ökologische und ökonomische Grundlagen dieser Doppelnutzungsform erforschen und den Praktikern vermitteln.

Die Bilder zeigen unterschiedliche Reberziehungsformen und die Schafe in ihrem Winterquartier. Beweidet wird mit einer robusten Kleinschafrasse. Die Ouessant-Schafe stammen ursprünglich von der Insel Ouessant vor der bretonischen Küste und gelten als die kleinste Schafrasse der Welt.

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Rainer Luick
Prof. Dr. Rainer Luick

Professur für Natur- und Umweltschutz; Ethikbeauftragter

T. +49 7472/951-238
F. +49 7472/951-200
M. luick@dont-want-spam.hs-rottenburg.de

Raum: 121, Südflügel

Sprechzeiten

Während der Vorlesungszeiten i.d.R. Di + Do 14.00 bis 16.00 Uhr möglichst nach Vereinbarung über E-Mail.

Nicolas Schoof
Nicolas Schoof

Projektmitarbeiter

T. +49 761/203-3641
M. schoof@dont-want-spam.hs-rottenburg.de