Schafe im Weinbau

29. Juli 2019

Winzerinnen und Winzer am Kaiserstuhl erhalten tierische Unterstützung: 35 Schafe werden künftig als Teil eines Forschungsprojekts auf Rebflächen nahe Freiburg weiden.

Zwei Schafe laufen durch den Weinberg

Das Projekt „Win-Win-im-Weinberg (W³) – Innovatives, ökologisches und ökonomisches Weinbergmanagement mit extensiver Schafbeweidung“ erforscht, inwieweit sich Weidetiere als weinbauliche und naturschutzfachliche Hilfe eignen. In dem Projekt kooperieren die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg, die Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen und die Abteilung Geobotanik der Universität Freiburg sowie das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg. Auf Grundlage der Forschungsergebnisse werden die Projektpartner künftig anwendungsbezogenes Wissen an Winzer vermitteln.

Am Donnerstag, 25. Juli 2019, haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beteiligten Forschungseinrichtungen Dr. Andre Baumann, Staatssekretär des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, erste Versuchsparzellen unter anderem mit Ouessant-Schafen auf Flächen der Resistenz- und Klonenzüchtung des Staatlichen Weinbauinstituts in Freiburg vorgestellt.

Für den Weinbau stellt unter anderem die Begleitvegetation eine ständige Herausforderung dar – sie konkurriert mit den Reben um Wasser und Nährstoffe. Die Winzer müssen die Pflanzen daher mehrmals im Jahr maschinell oder chemisch zurückdrängen. Für die meisten Insekten ist eine solche Umgebung kein geeigneter Lebensraum. Für die Winzer ist außerdem das Entfernen unerwünschter Triebe in Bodennähe und die händische oder maschinelle Entblätterung der Reben eine aufwändige Arbeit, die durch den üblichen Anbau in Hanglagen zusätzlich erschwert wird.

Die Beweidung mit Schafen könnte hier Abhilfe schaffen: Sie führen unter anderem zu einer Aufwertung des Lebensraums, fördern ein gutes Bodenleben und helfen, den Wuchs anderer Pflanzen zu kontrollieren. Bisher gibt es jedoch keine angewandte Forschung zum Einsatz der Tiere, und den Winzern fehlen deshalb konkrete Handlungsempfehlungen.

Die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg fördert das Forschungsvorhaben aus Erträgen der Glücksspirale über vier Jahre mit rund 380.000 Euro. Weitere Fördermittel in Höhe von 21.000 Euro kommen von der „Musella-Stiftung“ in Freiburg und der „Heidehof Stiftung GmbH“ in Stuttgart zum Bau der Weideinfrastruktur.

Statements:

  • Dr. Andre Baumann, Staatssekretär des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg: „Erstmalig gibt es ein Vorhaben auf dem Gebiet der angewandten Forschung, das Weinbau und Weidetierhaltung zusammenbringt. Weinbergmanagement mit extensiver Schafhaltung ist ein innovativer, ökologischer und ökonomischer Ansatz. Das große Interesse der Winzer an dem Projekt zeigt den Bedarf an neuen, ökologisch verträglichen Methoden, die die Umwelt schonen und die Biodiversität fördern können.“
  • Prof. Dr. Rainer Luick, Projektleiter, Hochschule für Forstwissenschaft Rottenburg: „Selten hat die Entwicklung eines Projekts so viel Freude gemacht. Von allen Seiten erhalten wir positive Rückmeldungen zu unserem Vorhaben. Wenn wir es schaffen, die Erwartungen in praxistaugliche Empfehlungen zu überführen, wäre das ein echter Gewinn für den Weinbau.“
  • Nicolas Schoof, Mitinitiator und Doktorand an der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Universität Freiburg: „Die stärkere Berücksichtigung von Schafen in deutschen Weinbergen scheitert vor allem an eindeutigen Handlungsanleitungen und Informationen. Wir werden in naher Zukunft passgenaue Umsetzungsstrategien für unterschiedliche Weinbausysteme liefern, bei denen voraussichtlich auch Schäfereien eine wichtige Rolle spielen werden.“
  • Dr. Michael Breuer, Staatliches Weinbauinstitut Freiburg: „Das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg beschäftigt sich seit langer Zeit mit neuen umweltschonenden und nachhaltigen Methoden des Weinbaus. Daher passt das neue Projekt in exzellenter Weise in die Zielrichtung des Instituts. Schafe im Weinberg könnten für einige Weinbergslagen eine interessante und ressourcenschonende Alternative sein. Wir werden diese Möglichkeit mit allen Vor- und Nachteilen für die Praxis genau testen.“

Weitere Informationen zum Projekt:

Weitere Informationen zur Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg:

Kontakt:
Prof. Dr. Rainer Luick
Professur für Natur- und Umweltschutz
Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg
Tel.: 07472/951-238
luick@dont-want-spam.hs-rottenburg.de 

Nicolas Schoof
Professur für Standorts- und Vegetationskunde
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0176/61817226
nicolas.schoof@dont-want-spam.waldbau.uni-freiburg.de 

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