Experten der HFR und der Aristoteles Universität Thessaloniki begutachten Waldbrände auf der Insel Thasos (Θασος)

24. Juli 2017

Bedrückend und beeindruckend zugleich, so könnte man die Erfahrungen der Professoren Dr. Monika Bachinger, Dr. Jürgen Schäffer und Dr. Sebastian Hein (HFR) während der Reise (Sommer 2017) zur Projekt- und Kooperationsanbahnung zusammenfassen: 6.000 ha neue Waldbrandfläche vom September 2016 auf der Insel Thasos in nördlichen Ägäis und ein beispielhafter Bürgermeister, Herr Konstantinos Chatziemmanouil, der äußert dynamisch mit Forstleuten vor Ort nach Lösungen sucht.

Foto: Abfallzweckverband Reutlingen/Tübingen

Auf Anregung der deutsch-griechischen Versammlung (DGV, www.grde.eu) und initiiert durch Herrn Bürgermeister Holger Dembek (Landkreis Reutlingen), gelang es erstmals nach den verheerenden Waldbränden im Spätsommer 2016 die entscheidenden betroffenen Akteure der Region in der nördlichen Ägäis an einen Tisch zu bringen. Ein enger und direkter Austausch ist nicht immer selbstverständlich, aber in der durch die DGV moderierten Atmosphäre gelang es auch die Universität Thessaloniki mit den Professoren Dr. Theocharis Zagas und Dr. Panagiotis Stefanidis als kompetente Gesprächspartner zu gewinnen.

Als erstes Ergebnis dieser informativen Reise konnte inzwischen ein gemeinsamer Projektantrag der der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg am Neckar und der Aristoteles Universität Thessaloniki beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) eingereicht werden: „Academic Dialog: Black Forest - Green Thasos: How to Restore & Green after Large Natural Desasters? [BlackGreenΘασος]“. Bei einem hoffentlich positiven Bescheid sollen im Tandem beider Universitäten die Möglichkeiten einer erfolgreichen Wiederbewaldung (Prof. Dr. Hein & Prof. Dr. Zagas), unter Wahrung & Monitoring von Bodenerosion (Prof. Dr. Schäffer & Prof. Dr. Dimitrios Stathis), Biodiversität (Prof. Dr. Thomas Gottschalk & Prof. Dr. Konstantinos Theodoropoulos) und nachhaltigem Tourismus (Prof. Dr. Bachinger & Prof. Dr. Polyxeni Ragkou), ermittelt werden.

Die zwei Besonderheiten der Expertenreise und Absprachen sind zum einen, dass eine bidirektionale studentische Beteiligung angestrebt wird. So könnten im geplanten Austausch griechische und deutsche Studierende Prozesse der Wiederbewaldung nach flächigen Schäden (Brand in Griechenland bzw. Sturm in Deutschland) im Partnerland kennenlernen und anwenden. Für die deutsche Seite wird die Arbeit in Griechenland aber auch einen möglichen Blick in die ungewisse Zukunft im Klimawandel erlauben: Welche Folgen könnten Hitze- und Dürreperioden in den hot-spots Deutschlands haben, wie sie heute schon in den Gebirgen des nördlichen Griechenlands zu sehen sind?

Die zweite Besonderheit liegt in der Stellung der Insel Thasos als bekanntes Sommerreiseziel begründet: Prof. Dr. Bachinger von der HFR wird die Rolle der touristischen Besucher auf der nun durch Brand veränderten Waldsituation auf Thasos beleuchten: Wird es einen nachhaltigen und naturnahen Tourismus auch nach den Brandereignissen geben? Wie kann der Tourismus bei großen Besucherzahlen dennoch naturnah weiterentwickelt werden – zum langfristig-nachhaltigen Nutzen von Wald, Natur und Regionalentwicklung?

„Allerdings wird mit einer solchen Begegnung und Austausch nicht eine große Fläche (6.000 ha, s.o.) aufgeforstet werden können“ dämpften Prof. Dr. Zagas und Prof. Dr. Hein die hohen Erwartungen des Bürgermeisters von Thasos. Dennoch ist ein erster Schritt gemacht; Anlässlich der Reise kamen zusätzlich weitere Entscheider zum Ortstermin: Theodoros Markopoulos (Deputy Regional Governor), Niki Manousaki (Gemeinde Thassos), Johan Kapetangiannis (Forstbehörde) sowie Athanasios Serafeim (BGM Büro Nordgriechenland). Mit Herrn Geschäftsführer Thomas Leichtle vom Abfallzweckverband Reutlingen/Tübingen war zusätzlich ein engagierter und erfahrender Experte zum wiederholten Male angereist, um die Abfallverwertung aus touristischen und heimischen Quellen zu thematisieren.

Bei diesem vielfältigen Engagement von mehreren Seiten wird hier sicher auch in Zukunft auf die Unterstützung der Deutsch-Griechischen Versammlung gesetzt werden können!

Zum Stichwort:

Die DGV (Deutsch-Griechische Versammlung, www.grde.eu) wurde im Jahre 2010 durch den griechischen Ministerpräsidenten Giorgos A. Papandreou und Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel gegründet. Sie widmet sich besonders der Zusammenarbeit zwischen deutschen und griechischen Kommunen und initiiert dazu Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch. Koordiniert wird die Arbeit der DGV vom zuständigen Bundesministerium in Berlin und erlangte neuerdings im Zuge der wirtschaftlichen und sozialen Krise in Griechenland besondere Bedeutung zur Lösung aktueller Problem vor Ort. Die DGV wird zudem vom Gemeindetag BW unterstützt.

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Sebastian Hein
Prof. Dr. Sebastian Hein

Professur für Waldbau, Waldbautechnik, Forstpflanzenzucht, Ertragskunde

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F. +49 7472/951-200
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