Erneuerbare Energien in der Region Hohenlohe – Was ist machbar, was ist gewollt und wo liegen die Grenzen?

13. Januar 2015

Zusammenfassender Rückblick auf die Fachtagung am 04.12.2014 in Wolpertshausen bei der BESH

BioKo Fachtagung

Am 4. Dezember 2014 fand in Wolpertshausen bei der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall (BESH) die Fachtagung „Erneuerbare Energien in der Region Hohenlohe – Was ist machbar, was ist gewollt und wo liegen die Grenzen?“ statt. Die Veranstaltung stand im Kontext des Forschungsprojektes „Bioenergie kommunal (Bioko)“, angesiedelt in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Rainer Luick an der Hochschule Rottenburg (HFR). Die BESH ist regionaler Partner in diesem Vorhaben. Projektträger ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Die rund 40 TeilnehmerInnen repräsentierten ein buntes Meinungsbild aus Vertretern von Behörden und Verwaltung, Politik, Umweltverbänden, Wissenschaft und Bürgerinitiativen. Thematisiert wurden insbesondere die erneuerbaren Energieformen Wind und Bioenergie sowie in einem weiteren Themenblock Partizipation und Bürgerbeteiligung bei den Planungen derartiger Anlagen.

Der Versorgungsgrad mit elektrischer Energie aus regionaler Erzeugung betrug im Landkreis Schwäbisch Hall im Jahr 2013 bereits rund 45% des Gesamtverbrauchs. Daran wiederum war die Erzeugung über Biomasse – vor allem aus Biogasanlagen mit Anbaubiomasse - mit rund 50% beteiligt. Verglichen mit dem gesamtdeutschen Durchschnittswert von rund 25% Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen nimmt der Landkreis Schwäbisch Hall damit einen bundesdeutschen Spitzenplatz ein. Berücksichtigt werden muss allerdings auch, dass der Landkreis Schwäbisch Hall durch den im Vergleich mit anderen Landkreisen geringeren Industrialisierungscharakter deutlich weniger elektrische Energie benötigt als z.B. der Nachbarkreis Heilbronn. Zu bemerken ist weiterhin, dass die so genannte „Energiewende“ meist nur mit dem Energiesektor Strom in Verbindung gebracht wird. Strom hat bei unserem Gesamtenergieverbrauch in Deutschland einen Anteil von 20%. Im Wärmesektor werden dagegen 51 % und für Mobilität 28% verbraucht und in diesen Sektoren gab es trotz Energiewende in den vergangenen Jahren vergleichsweise geringe Entwicklungen. So liegt der Anteil an erneuerbaren Energien an unserem Gesamtverbrauch in Deutschland erst bei rund 13%. Auch hier liegt der Landkreis Schwäbisch Hall mit rund 20% - bedingt durch die schon hohe regionale Stromerzeugung und dem beträchtlichen Holzeinsatz in der Wärmeversorgung - deutlich höher als der bundesdeutsche Durchschnitt. Diese Zahlen dokumentieren aber auch, dass es bis zum Ziel einer umfassenden Energiewende und trotz zahlreicher Erfolge noch ein langer Weg ist – auch im Landkreis Schwäbisch Hall bzw. der Region Hohenlohe.

Da die Region Hohenlohe im baden-württembergischen Vergleich eine windreiche Region ist, wurde das Thema Windenergie im ersten Themenblock besonders intensiv diskutiert. Unter den Teilnehmern besteht der Wunsch, das Thema Wind nicht gesondert zu betrachten, sondern einen „vernünftigen“ Energiemix, der auch andere erneuerbare Energien nicht außen vor lässt, zu entwickeln. Einige Interessensgruppen wollen insbesondere die hohenlohische Kulturlandschaft vor derartigen Eingriffen schützen. Dr. Till Jenssen vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft wies in seinem Vortrag darauf hin, dass auch Baden-Württemberg eine Verpflichtung beim Ausbau der Windkraft im Hinblick auf die Gesamtziele der Bundesrepublik zu übernehmen hat. Denn die Windenergie ist für eine Energiewende notwendig, jedoch nur dort, wo es der Schutz der Menschen und der Natur zulässt, wie Dr. André Baumann vom NABU in seinem Vortrag hervorhebt.

Zum Thema „Alternativen im Energiemix“ wurde im 2. Themenblock das Potenzial an Rest- und Abfallstoffen in der Region vorgestellt. Die Potenzialstudie entstand im Rahmen des Forschungsprojektes „Bioko“. Es wurde deutlich, dass viel ergänzendes Potenzial vorhanden ist, Konzepte zur Aktivierung allerdings einer engen Zusammenarbeit der unterschiedlichen Interessengruppen bedürfen. Alternative Energiepflanzen wie Biogas- Wildpflanzenmischungen können in das Konzept integriert werden und sorgen für mehr Biodiversität in der Kulturlandschaft. Ein angepasstes Pflegemanagement fördert zudem Synergieeffekte mit Natur- und Landschaftsschutz. Das aufgezeigte technische Potenzial an Biomassereststoffen kann einen zusätzlichen Beitrag zum Energiemix von Hohenlohe darstellen, allerdings muss auch beachtet werden, dass das tatsächlich abrufbare bzw. das wirtschaftliche Potenzial nach Validierung der Daten signifikant geringer ausfallen wird. Dr. Till Jenssen nannte in diesem Zusammenhang die wünschenswerte Nutzung des Potenzials an Reststoffen, die allerdings nur eine Ergänzung im Energiemix mit anderen erneuerbaren Energieformen darstellen kann.

Im dritten Themenblock wurde in den Vorträgen deutlich gemacht, dass die Umsetzung guter Energiekonzepte nur mit ausreichender und frühzeitiger Beteiligung der Bevölkerung erfolgversprechend und nachhaltig realisiert werden kann. Konzepte müssen gemeinsam entwickelt und kommuniziert werden, um Vertrauen und somit Akzeptanz zu schaffen. Ein Ansprechpartner zur Klärung offener Fragen zur Umsetzung von Energiekonzepten ist das Dialogforum Erneuerbare Energien des NABU und BUND.

Prof. Dr. Rainer Luick betonte in seinem Fazit, dass es darauf ankommt, für jede Region eine angepasste und auf Nachhaltigkeitskriterien basierte erneuerbare Energiestrategie zu entwickeln. Hier darf keine sinnvolle Energiegewinnungsform kategorisch ausgeklammert werden, entscheidend ist die optimierte Einbindung in ein Gesamtkonzept. Bislang wird auch in der Region Hohenlohe kaum mehr als 20% des Energiebedarfs regional erzeugt und schon zeigt sich, dass nicht jede so genannte erneuerbare Energieform auch automatisch folgenlos und erträglich für die Umwelt ist. Dies betrifft aktuell vor allem die Stromerzeugung aus Anbaumasse in Biogasanlagen. Vernünftig nutzbare zusätzliche energetische Potenziale gibt es noch bei Reststoffen (z.B. Gülle, Landschaftspflegematerial, Anbau von Wildpflanzenmischungen auf Brachen). Bedingt durch die sehr geringe Energiedichte dieser Substrate, deren aufwändige Erfassung und notwendige weitere Prozessierung ist die theoretisch erzeugbare Energie allerdings mindestens um den Faktor 2 teurer als vergleichsweise über Wind oder Sonne (PV) produzierte Energie. Verbunden allerdings mit dem Vorteil, dass diese Energie auch speicherfähig ist. Die Bereitschaft für eine Energiewende und einer regionalen Energieversorgung ist daher auch von der Bereitschaft der Bürger abhängig, zukünftig deutlich höhere Energiepreise zu akzeptieren, Energie zu sparen und effektiver zu nutzen – verbunden mit dem guten Gefühl, dass diese Energienutzung dann auch keine schädlichen Folgen für Umwelt und Klima hat.

Die Dokumentation der Fachtagung finden Sie hier:

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