Erfolgreiche deutsch-japanische Summerschool trotz Super-Taifun Jebi

04. Oktober 2018

Taifune gehören in Japan zu den üblichen Wetterereignissen. Sie erhalten Namen und eine fortlaufende Nummer. Der Taifun Jebi, der 21. Taifun diesen Jahres, hinterließ einen immensen Schaden und überflutete auch den internationalen Flughafen in Kansai so sehr, dass die Auswirkungen noch bis nach Rottenburg spürbar waren: Fünf der angemeldeten 61 Teilnehmer zur diesjährigen deutsch-japanischen Summerschool vom 16.-25. September an der HFR konnten wegen gestrichener Flugverbindungen nicht teilnehmen.

Mit immer noch 56 Teilnehmern von 7 japanischen Universitäten war die Summerschool 2018 die bislang teilnehmerstärkste, die bislang unter der Leitung von Prof. Dr. Sebastian Hein veranstaltet wurde. „Die jährlich steigende Teilnehmerzahl bestätigt uns in der hohen Qualität unseres Angebots und der Attraktivität der Mischung aus Theorie und Praxis entlang der forstlichen Verwertungskette in Baden-Württemberg.“, zeigt sich Prof. Hein begeistert. Tatsächlich würden noch weit mehr japanische Forststudierende an dieser 10-tägigen Veranstaltung teilnehmen, doch stoßen die Veranstalter allmählich an ihre Kapazitätsgrenzen.

Das Ziel der Summerschool ist es unverändert, den japanischen Forststudierenden (B.Sc./ M.Sc.) die Forst- und Holzwirtschaft in Deutschland verständlich zu machen und anhand ausgewählter Themen und Exkursionszielen ein möglichst umfassendes Bild zu vermitteln. So konnten die Teilnehmer im Lehrwald der Hochschule sehen, wie naturnahe Waldwirtschaft heute gelehrt und betrieben wird, aber ebenso welche Rolle der Naturschutz bei der Waldbewirtschaftung spielt. Eine Vorführung zur Wertastung mit abschließender Rettung eines „Verletzten“ aus der Baumkrone war für alle sehr beeindruckend und führte zu einem regen Meinungsaustausch gleich am ersten Tag. Weitere Programmpunkte waren Übungen zu Ansprache forstlicher Bodenprofile (Prof. Dr. Jürgen Schäffer) sowie Durchforstungsmodelle ebenfalls durchgeführt im nahen Lehrwald.

Die folgenden Tage verbrachten die Teilnehmer überwiegend an Exkursionszielen im Schwarzwald, wo es Demonstrationen zur vollmechanisierten Holzernte im Steilhang zu beurteilen gab. Erstmals wurde auch das Waldschulheim Burg Hornberg in das Programm eingebunden und zeigte den japanischen Gästen eine unerwartete Seite und Aufgabe der Forstwirtschaft in Baden-Württemberg. Dass die Waldpädagogik feste zum Aufgabenspektrum eines jeden Revierleiters gehört, ist für japanische Verhältnisse unbekannt (Begleitung Prof. Otmar Fuchß). Umso eifriger waren denn aber die Teilnehmer dabei und brachten sich bei den praktischen Tätigkeiten und Spielen im Wald intensiv ein.

Weiter standen Besuche beim Sägewerk Echtle, beim Holzhaus Hersteller WeberHaus (Prof. Dr. Bertil Burian) sowie auf einer Plenterwaldversuchsfläche auf dem Plan. Auch wurde die Firma Stihl in Waiblingen besichtigt, die in Japan bereits seit 1990 mit einer Niederlassung aktiv und ein wichtiger Partner für die sichere und effiziente Waldarbeit dort ist. So war auch nur einem der Besucher der Name Stihl vorher nicht bekannt.

Der letzte Tag führte dann in den Stadtwald in Stuttgart und zu einem ganz besonderen Exkursionsführer. Herr Ito, ein Landsmann, hatte gerade im August als erster Japaner überhaupt, sein Zeugnis als Forstwirt erhalten und führte die Gruppe durch „sein“ Revier und konnte über die Waldarbeit und die Ausbildung aus erster Hand berichten.

„Zu sehen, mit welcher Begeisterung und Neugier unsere Gäste auf die vielen Themen reagieren und gute Fragen stellen, bestärkt uns sehr in unserer Arbeit und belohnt die mühevolle Vorbereitung. Da wird wohl jeder Teilnehmer zu einem Botschafter einer Waldwirtschaft nach dem Vorbild Baden-Württembergs.“, so Christoph End, Koordinator der Japan Aktivitäten an der Hochschule für Forstwirtschaft.

Kontakt:

Prof. Dr. Sebastian Hein: hein@dont-want-spam.hs-rottenburg.de 

Christoph End: end@dont-want-spam.hs-rottenburg.de 

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