DAAD-Projekt in zweiter Phase: Waldbrand-Forschung auf der Insel Thassos

25. Juni 2019

Blick auf ehemalige Waldbrandfläche

Fünf intensive Tage im April angefüllt mit Interviews zu Potentialen des Natur-Tourismus, mit Verjüngungsaufnahmen, Erosionskartierungen und Erfassungen zur Biodiversität absolvierte das Forscherteam um die Professor*Innen Bachinger, Gottschalk, Hein und Schäffer im DAAD-geförderten Projekt „Academic Dialog: BlackForest-GreenThassos“ (Jan.-Dez. 2019). „Mehr geht wirklich nicht“ fassten auch die deutschen und griechischen Studierenden-Tandems von der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg sowie der Aristoteles Universität Thessaloniki ihre Eindrücke begeistert zusammen.

Schon ab den frühen Morgenstunden war das deutsch-griechische Team um Prof. Thomas Gottschalk und Prof. Costas Theodoropoulos mit ihren Doktoranden, M.Sc-. und B.Sc-Studierenden auf der Insel Thassos unterwegs. Danach folgten Schmetterlingskartierungen und Bestimmung von Reptilien. Später wurden für die Nachtstunden an ausgewählten Orten Wildtierkameras installiert. Es lohnte sich: Entlang zuvor festgelegter Sampling-Transekte gelang es zahlreiche sehr seltene und endemische Arten der Insel und des östlichen Mittelmeerraums nachzuweisen. „Ein Eldorado der Biodiversität“ teilten die beiden Professoren die studentische Begeisterung. Auf den noch frischen Brandflächen kommen zwar deutlich weniger Arten und diese in geringerer Individuenanzahl vor, allerdings sind hier für Touristen sehr attraktive Arten des Mittelmeerraumes zu sehen, wie Rothuhn, Mittelmeersteinschmätzer und Wiedehopf.

Jedoch ist äußerst ungewiss, ob dies auf dem schon in der Antike als „Die Grüne Insel“ bezeichneten Hotspot der Biodiversität so bleiben wird. „Die häufigen Feuer der letzten Jahrzehnte, verursacht durch Blitzschlag, werden sich im Klimawandel wohl häufiger ereignen, der Prozess der Degradation dieser ohne hin sehr sensiblen Waldökosysteme des Mittelmeerraums beschleunigt sich“, fassten die Professoren Sebastian Hein und Theocharis Zagas die Situation zusammen. Noch verfügt mit der Kalabrischen Kiefer (Pinus brutia) die Insel über eine überaus verjüngungsfreudige Baumart, die die Wiederbewaldung nach Brand sichert. Allerdings zeigen sich in der Landschaft gravierende Veränderungen: Die relativ feuerfeste Rinde der Schwarzkiefer (Pinus nigra) konnte nicht verhindern, dass diese Charakterbaumart der Insel - an den Horizontlinien und Berggraden weithin sichtbar - immer mehr verloren geht. Ihre Verjüngung ist selten und schwach gegenüber den aufkommenden Sträuchern. Wilde Ziegen und Überweidung tragen ihr Übriges bei. Dies macht sich noch mehr bei den Laubbäumen wie z.B. der baumförmigen Kermes-Eiche (Quercus coccifera) bemerkbar.

„Die Erosion der dünnen Bodenschicht schreitet weiter fort“, stellte Prof. Jürgen Schäffer mit seinem studentischen Team fest. „Nicht nur Erosionsrinnen, sondern auch flächiger Abtrag ist deutlich zu beobachten.“ Die im Wassereinzugsgebiet von Prinos im Westen der Insel durch die Forstleute errichteten Wildbachverbauungen und Querlieger sind zwar vorbildlich eingerichtet, aber mit 600 ha auf einer Brandfläche von insgesamt 8800 ha in ihrer Flächenausdehnung zu klein. Nach dem letzten Brand vom September 2016 bleibt noch viel Arbeit zu tun. „Hier braucht es neue Methoden der Erosionskartierung, um schneller die besonders erosionsgefährdeten Örtlichkeiten zu erkennen und zu schützen“, ergänzt der Experte und lässt zusammen mit Dr. Jan Dempewolf eine Drohne mit genau dieser Aufgabe über einer brachliegenden Fläche aufsteigen.

„Der Tourismus auf Thassos hat kaum unter der Brandkatastrophe gelitten “, kommentieren Frau Prof. Monika Bachinger und Landschaftsarchitekt Olfert Dorka die Situation: „Im Gegenteil, die Gästeankünfte sind in den vergangenen Jahren gestiegen“. Die saisonale Belastung der Insel durch den Strandtourismus führt jedoch zu einer Reihe von Problemen. Der naturbasierte Tourismus könnte hier gegenwirken, die Saison verlängern und Einkommensmöglichkeiten auch abseits der Küstenzone, weiter im Landesinneren der Insel schaffen. Auch die Brandflächen könnten in neue Angebote integriert werden. Allerdings erscheint die Umsetzung naturbasierter Tourismusangebote schwierig. Interviews mit rund 11 Expert*innen aus Tourismus, Naturschutz und Gemeindeverwaltung der Insel Thassos, die gemeinsam mit Frau Prof. Ragkou von der Universität Thessaloniki geführt wurden, zeigten, dass Ideen für die Entwicklung des Tourismus bereits vorliegen, jedoch aufgrund finanzieller Restriktionen als auch begrenzter Kooperation der Akteure kaum umgesetzt werden. Die Wissenschaftler*innen, die eingebundenen Experten und die Studierenden sehen vor diesem Hintergrund Handlungserfordernisse in erster Linie im Bereich der Organisation von Kooperation und im Bereich der Kompetenzentwicklung von Tourismusakteuren.

Auch Herr Christos Lasaridis und Herr Holger Dembek von der Deutsch-Griechischen Versammlung (www.grde.eu) sicherten für ein solches „Leuchtturmprojekt“ die weitere Unterstützung durch seine Organisation zu, auch weil hier der europäische Gedanke so vorbildlich gelebt wird. Und so fiel es nach den Abschlusspräsentationen der arbeitsreichen Woche dem Bürgermeister von Thassos, Herrn Chatziemmanouil, leicht sich einzuschwingen „Hier können wir gemeinsam weiterarbeiten, die Marke „Thassos, die Grüne Insel“ weiterzuentwickeln.

Bisherige PM der HFR zum Thema:
https://www.hs-rottenburg.net/aktuelles/aktuelle-meldungen/detail/artikel/experten-der-hochschule-fuer-forstwirtschaft-rottenburg-am-neckar-und-der-aristoteles-universitaet-the/ 

https://www.hs-rottenburg.net/aktuelles/aktuelle-meldungen/detail/artikel/monitoring-of-forestfire-hazards-in-germany-the-case-study-of-brandenburg/ 

Kontakt:

Prof. Dr. Sebastian Hein (Walddynamik): hein@dont-want-spam.hs-rottenburg.de 
Prof. Dr. Monika Bachinger (Natur-Tourismus): bachinger@dont-want-spam.hs-rottenburg.de 
Prof. Dr. Jürgen Schäffer (Erosionsdynamik): schaeffer@dont-want-spam.hs-rottenburg.de 
Prof. Dr. Thomas Gottschalk (Biodiversität): gottschalk@dont-want-spam.hs-rottenburg.de 

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