All Days for Future

24. Juli 2019

Die Bewerbungsphase für das kommende Wintersemester an deutschen Hochschulen ist seit wenigen Tagen zu Ende. Die Zahl der Bewerbungen auf die Studienanfängerplätze an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR) ist gegenüber dem Vorjahr um über zehn Prozent angestiegen.

Student im Labor

Im Sommer 2018 schien es so, als erreichten die Folgen des demographischen Wandels in unserer Gesellschaft nun auch die HFR: Etwa zwei bis drei Jahre nach derselben Entwicklung an anderen Hochschulen im Land sind auch hier die Bewerbungszahlen deutlich zurückgegangen. Allerdings war nicht auszumachen, welcher Anteil dieses Rückgangs auf den politisch gewollten Effekt eines neuen, zentralen Bewerbungssystems zurückzuführen war, welcher auf den demographischen Wandel und ob die HFR eventuell an Anziehungskraft verloren haben könnte. Deshalb verfolgte man an der HFR den Verlauf der diesjährigen Bewerbungsphase mit besonderer Spannung.

Inzwischen steht das erfreuliche Ergebnis fest: Bis 24 Uhr am 15. Juli waren auf die insgesamt 268 Studienanfängerplätze in den fünf Bachelor-Studiengängen mehr als 1100 komplette und fristgerechte Bewerbungen eingegangen. Das sind 10,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders erfreulich ist, dass drei Studiengänge gleich im zweistelligen Bereich zulegen konnten. Einer der beiden anderen ist der Studiengang Holzwirtschaft, der das Vorjahresniveau halten konnte und der andere ist die Forstwirtschaft, die relativ zwar „nur“ um knapp sechs Prozent zugelegt hat, damit aber das absolute Spitzenergebnis von 6,5 Bewerbungen pro verfügbarem Studienplatz erzielte.

„Überraschungs-Sieger“ im hausinternen Wettbewerb ist in diesem Jahr der Studiengang Erneuerbare Energien: Er legte um 31,5% zu. Das war angesichts der seit Jahren zunehmenden bundesweiten Konkurrenz auf dem umkämpften Markt energiewirtschaftlich und energietechnisch ausgerichteter Studiengänge nicht zu erwarten.

„Es könnte sein, dass unsere Zahlen das zuletzt deutlich gestiegene öffentliche Interesse an unseren Kompetenzen, am Klimawandel, an Energie- und Nachhaltigkeitskonzepten, der CO2-Bindung über die Holzverwendung im Bauwesen und an den ersten Vorboten des Wassermangels auch in unseren Breiten widerspiegeln“, spekuliert Rektor Bastian Kaiser. „Vielleicht bringt uns auch die „Fridays for Future – Bewegung mehr Studienbewerbungen. Immerhin bieten wir den jungen Menschen nicht nur einen Dialog an, sondern passgenaue Studiengänge. Die erlauben es ihnen im späteren Berufsleben, selbst die Verantwortung zu übernehmen, die sie zurecht von ihrer Elterngeneration einfordern. Für die meisten Absolventinnen und Absolventen unseres Hauses gilt nämlich das Prinzip: all days for future.“

Während man über die genauen Motive der jungen Leute für eine Bewerbung in Rottenburg so lange nur spekulieren kann, bis im Oktober etwa jede(r) Vierte von ihnen auch tatsächlich hier ein Studium aufnehmen darf, bietet das noch recht neue, bundesweite Bewerbungsverfahren (Dialogorientiertes Service-Verfahren, DoSV) schon jetzt interessante Einblicke: So hat jede und jeder Zweite der fast 600 Bewerber*innen auf den Studiengang Forstwirtschaft die Hochschule Rottenburg als ersten Wunsch angegeben. Das ist bei insgesamt neun Studienorten in Deutschland, die um diese Interessenten konkurrieren, eine bemerkenswert hohe Quote.

Der Erfolg der HFR kann also nicht alleine z.B. auf das erwachte Interesse der Kanzlerin an der Forstwirtschaft und an Aufforstungsmaßnahmen oder auf die deutlichen klimapolitischen Ansagen der neuen EU-Kommissionspräsidentin zurückzuführen sein - oder auf die jüngst alarmierenden Schlagzeilen zur Lage unserer Wälder im Klimawandel. Offenbar vertrauen die Bewerber*innen auf die Kompetenz der Rottenburger Professor*innen in ganz besonderer Weise.

Eine ähnlich hohe Quote der Top-Priorisierung (40% aller Bewerbungen) erreicht der Studiengang Nachhaltiges Regionalmanagement.

In dieser hohen Wertschätzung liegt zugleich eine hohe Erwartung an die HFR, die offensichtlich auch von wichtigen potentiellen Arbeitgebern geteilt wird: In den vergangenen Wochen suchten einige von Ihnen das Gespräch mit der HFR, um über Strategien nachzudenken, wie man den sich abzeichnenden hohen Fachkräftebedarf in den Nachhaltigkeitswissenschaften planungssicher befriedigen und sich dafür die erfolgreichen Absolvent*innen der HFR als zukünftige Mitarbeiter*innen sichern kann. Einfach wird das nicht werden, aber das Problem und die Sorgen darüber liegen bei den Arbeitgebern. Für die heutigen Studierenden und die, die im Oktober dazu kommen werden, sind das gute Nachrichten: Der Arbeitsmarkt und die Gesellschaft brauchen sie dringend.

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