www.hs-rottenburg.net  -  Mittwoch, 8. Februar 2012
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Der Studiengang

Der Studiengang BioEnergie (Bc of Science)

 

Die politische und wirtschaftliche Bedeutung des Studienganges

 

Seit dem Weltgipfel für Sustainable Development 1992 in Rio de Janeiro sowie dem Kyoto Protokoll von 1997 und den sich daraus entwickelnden Nachhaltigkeitsgedanken und Emissionsreduktionsverpflichtungen ist die verstärkte zukünftige Nutzung Erneuerbarer Energien weltweit zu einem der wichtigsten Postulate der Klimapolitik geworden. Folgerichtig wurden auf EU- und Bundesebene entsprechende Politiken und Richtlinien erlassen, um eine Umsetzung der Kyoto-Resolution zu ermöglichen.
Deutschland hat sich mit dem Ziel der Reduktion von Treibhausgasemissionen von 21 Prozent (gegenüber dem Basisjahr 1990) bis zum Jahre 2010 eine im europäischen Vergleich weit überdurchschnittliche Verpflichtung auferlegt. Eine Annäherung an diese Zielmarke ist nur durch das konsequente Setzen auf Erneuerbare Energien möglich. Unverzichtbar ist dabei die Implementierung des Themenfeldes der Erneuerbaren Energien in Forschung, Lehre und Entwicklung.
Gerade der Biomasse wird von Experten in allen Zukunftsszenarien eine ganz wichtige Rolle eingeräumt. Wir sehen darin eine bedeutende Chance für das Waldland Baden-Württemberg, für die mittelständische Industrie, die sich bereits aktiv dieses Themas angenommen hat und für die Forschungslandschaft im Land. Wichtig ist bei all den angelaufenen Initiativen auf diesem Gebiet aber auch,

 

• die Wissensvermittlung und den Wissenstransfer aus Forschungseinrichtungen, aus der beteiligten Industrie und aus den zuständigen Behörden in die Ausbildung junger studierwilliger Menschen nicht aus den Augen zu verlieren.

• Ebenfalls von zentraler Bedeutung für die regionale Wirtschaft ist das Problem der Versorgungssicherheit und der abgestimmten, nachhaltigen Produktion auf land- und forstwirtschaftlichen Flächen.

 

Beide Aspekte werden im Studiengang BioEnergie in idealer Weise miteinander verbunden.

Bis 2020 wird die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich „erneuerbare Energien“ von aktuell 170.000 auf 300.000 steigen (Bundesumweltminister GABRIEL in VDI Nachrichten 31.03.2006). 
 

„Das Geschäft mit den regenerativen Energien kommt in Schwung. Damit steigt die Nachfrage nach technischen Spezialisten, die sich in diesem Markt auskennen.“ (VDI Nachrichten 10.02.2006)


Mit dem Ölpreis wächst der Charme der Biomasse. In Deutschland könne die Biomasse 20 Prozent des Energiebedarfs decken, ohne dass die Nahrungsproduktion etc. leidet. Die Pellet-Heizung sei bei aktuellen Ölpreisen in Deutschland der Ölheizung wirtschaftlich jetzt schon überlegen. 2002 habe die Biomasse erst 47 Exajoule zum Weltenergieverbrauch beigetragen. Dies könne bis 2030 auf 670 Exajoule und 2005 auf 850 Exajoule steigen. (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.03.2006)


Der Bereich der Energie aus Biomasse hat gegenüber Windkraft und Solar den Vorteil, dass es sich hier um eine gespeicherte Energie-Quelle handelt. Während der Wind nicht immer weht und die Sonne nicht immer scheint, steht die Energie aus Biomasse immer zur Verfügung, wenn sie gebraucht wird. Biomasse ist eine regionale Energie, die Arbeit und Einkommen vor Ort schafft.


Die Zukunftspotentiale alternativer Kraftstoffe im Schienen- und Straßenverkehr basieren auf drei alternativen Säulen, an deren Weiterentwicklung auch baden-württembergische Unternehmen beteiligt sind. Nach allen bekannten Studien wird auch hier der Biomasse die mit Abstand größte Bedeutung beigemessen. Die sog. „Biomass to Liquid-Verfahren (BTL) sind derzeit hinsichtlich ihrer Herstellungskosten gegenüber den Alternativen „Gas to Liquid“ (GTL) und „Coal to Liquid“ (CTL), wie auch bezüglich ihrer Hektarerträge in kWh/ha und Jahr deutlich attraktiver. Bei einer Reduktion des Co2-Ausstosses gegenüber einem analogen Verbrauch von fossilem Dieseltreibstoff wäre mit BTL eine Reduktion um fast 90 Prozent möglich – und das bei umgerechneten Hektarerträgen von rd. 4.000 Liter Treibstoff pro Jahr und Hektar.


Das Innovative am Bc BioEnergie

Der Studiengang Bc BioEnergie ist ein innovativer und bisher einzigartiger Ansatz. Durch ihn erwerben die Absolventen die Kompetenz, die Umsetzung regenerativer Energiekonzepte im Bereich der Biomasse zu planen, auszuführen und zu managen. Dazu gehören auch Aspekte der Biomasseproduktion auf forst- und landwirtschaftlichen Flächen sowie die Logistik der Biomasse vom Produktionsort bis zur energetischen (und stofflichen) Verwertung. Dass dieser Ansatz neu und für unsere Gesellschaft sinnvoll ist, bestätigen die Rückmeldungen aus Wirtschaft und Verwaltung.

Die Konzeption als Bachelor-Studiengang in konsequenter Umsetzung des Bolognaprozesses stellt sicher, dass die Absolventinnen und Absolventen dem Arbeitsmarkt rasch zur Verfügung stehen und durch die hohen Praxisanteile im Studium unmittelbar wertschöpfend einsatzfähig sind. Er konzentriert sich im breiten Spektrum regenerativer Energien auf den Sektor „Biomasse“ und bietet jungen Menschen das technische, wirtschaftliche und soziale Wissen an, damit sie in dem wirtschaftlich zukunftsträchtigen Bereich der Bioenergie erfolgreich arbeiten können. Besonders befähigte und wissenschaftlich ambitionierte Absolventen dieses Studienganges können das Master-Studium SENCE anschließen und dort insbesondere das technische Know-How zu den verschiedenen Formen der Energiebereitstellung vertiefen.


Fachliche Ausrichtung und Abstimmung

Unsere Hochschule hat mit der Federführung im Master-Studiengang SENCE wertvolle Erfahrung im Aufbau innovativer Studiengänge gesammelt. Wir wollen mit dem neuen Studiengang ein elementares Zukunftsproblem auf innovative Weise anpacken.
Das behandelte Lehrgebiet der Erneuerbaren Energie aus Biomasse wird in keinem anderen Studiengang in der Bundesrepublik nach einem vergleichbaren Ansatz angeboten. Die Lehrinhalte bilden das gesamte Spektrum der nachhaltigen Energiegewinnung aus Biomasse ab. Von der Erzeugung, Ernte, Logistik und Lagerung der Biomasse über die physikalischen und chemischen Energie-Wandlungsprozesse bis hin zur Technik und Anlagensteuerung reicht das Angebot. Es wird das gesamte wissenschaftliche Spektrum der nachhaltigen Bioenergie behandelt.

Die Ausrichtung der Hochschule Rottenburg als Kompetenzzentrum für die Wald- und Forstwirtschaft sowie zur Entwicklung ländlicher Räume und der verantwortlichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe wird durch den Studiengang in idealer Weise ergänzt. Neben der klassischen forstlichen Kompetenz und dem interinstitutionellen Studienganges SENCE steigt damit die inhaltliche Breite des Lehrangebotes und mit ihnen die Möglichkeiten synergetischer Querverbindungen in Forschung und Lehre am Standort Rottenburg.

Im Kontext der hochschulartenübergreifenden Kooperation in der Hochschulregion Tübingen-Hohenheim, ist beabsichtigt, Kompetenzen anderer Hochschulen dieses Verbundes in das Studienangebot mit einzubinden. Dies bietet sich z.B. für das an der Universität Hohenheim vorhandene Know How zur Produktion einjähriger Biomasse auf landwirtschaftlichen Flächen an. 
 


Erwartungen der Wirtschaft

Die im Rahmen des Studiums vorgesehenen Projektarbeiten sollen die Studierenden so früh wie möglich mit realen Problemen in Kontakt bringen und zur Arbeit an Lösungen anleiten.

Schon im Vorfeld wurden Unternehmen über Ihre Meinung zu einem solchen Studiengang befragt. Die Unternehmen sehen ausnahmslos einen Bedarf an Fachkräften mit Kenntnissen im Sektor Bioenergie. Im Einzelnen wurden folgende Wissensbereiche speziell angesprochen:

• Verfahrenstechnik

• Konstruktion

• Regelung, Steuerung

• Brennstoff-Kenntnisse

• Transport- und Lagertechnik

• Filter-Anlagen, Reststoff-Entsorgung

• Soziale Kompetenz

Diese Hinweise wurden bei der Konzeption des Studienganges aufgegriffen und umgesetzt.
Parallel zur „Hochschulinitiative 2012“ führt die HFR derzeit Gespräche mit verschiedenen anderen Partnern mit der Absicht, eine andere Entwicklungslinie des Standortes der Hochschule – neben der Forschung und Lehre – zu stärken. Diese Gespräche zielen auf die Einrichtung eines zentralen Energieberatungszentrums, das voraussichtlich von drei Landkreisen gemeinsame beantragt werden wird und am Standort Schadenweilerhof in Rottenburg am Neckar etabliert werden soll.
Zimmerleute, Holzhausbauer, Fertighausanbieter und Installateurbetriebe sind regelmäßig mit einem in Energiefragen interessierten Publikum konfrontiert und haben zunehmend Schwierigkeiten, deren Informationsbedarf stets aktuell zu decken.
In einer standörtlichen Bündelung der Studiengänge

  • Forstwirtschaft (Bc of Science, akkreditiert)

  • SENCE (Sustainable Energy Competence, Ms of Science, akkreditiert)

  •  Bioenergie (Bc of Science)

  • Competences in Regional / Rural Development (hochschulartenübergreifender Ms of Science, Vorschlag) mit einem angestrebten regionalen Energieberatungszentrum entstünde ein Kompetenzzentrum, das auch für die Industrie- und Handwerkspartner der Hochschule von vorteilhafter Bedeutung wäre.
     


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