www.hs-rottenburg.net  -  Donnerstag, 17. Mai 2012
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Praktikum auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr

von Thomas Zimmermann
 
Wer den Übungsplatz kennt und jetzt sagt der Zimmermann ist dort nur wegen dem Jagen dorthin gegangen, nun dem gebe ich immerhin ein kleinbisschen Recht. Aber ein Praktikum auf einem Übungsplatz ist nicht nur von Jagd geprägt (auch wenn das viel Zeit in Anspruch nimmt und viel Freude macht).
 
Der Platz liegt etwa 80km nord-östlich von Nürnberg und 30 km süd-östlich von Bayreuth. Die Landschaft ist hügelig jedoch je mehr man Richtung Osten kommt um so sandiger wird die ganze Angelegenheit. Die häufigsten Baumarten auf dem Platz sind Fichte und Kiefer. Hat teils historische Hintergründe, teils ist das aber auch so vom Militär gefordert. Apropos Militär. In Grafenwöhr haben die Amis das sagen und ich muss schon selbst sagen, seit dem 11. September haben die echt Schiss vor allem und jedem. Selbst als Forstbediensteter braucht man einen Berechtigungsausweis und wer den nicht dabei hat der bekommt richtig Ärger. (Ist mir zum Glück nie passiert.)
 
Was macht man eigentlich auf einem solchen Gelände aus forstlicher Sicht? Nun, im Grunde waren die Hauptaufgaben eigentlich nicht anders als bei einem ganz normalen Staatsforstrevier. Pflanzungen planen, Holzeinschlag planen, Rückegassen einlegen, Büroarbeit. Allerdings musste ich gelegentlich von der Schulmeinung ganz weit weg denken. Jeder Waldbau-Professor wurde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen wenn er wüsste das wir in der Planung Fichten auf einem Standort pflanzen, der überhaupt dafür nicht geeignet ist. Aber auf Anordnung der Militärs brauchen die dort einen Sichtschutz und zwar schnell und das bitte das ganze Jahr über. Also bleibt nichts übrig als Fichte, weil die Tanne nicht besonders gut wächst. Außerdem lieben die Hirsche und Rehe Tanne. 
 
Wobei wir beim nächsten Thema wären. Wild und sonstige Kreaturen auf dem Übungsplatz. Grafenwöhr ist für seinen Wildreichtum vor allem an Rot- und Schwarzwild bekannt. Da kann es eben schon mal passieren, das nachmittags um 3 eine Rotte Sauen gemächlich über den Weg zieht, oder das ein Rudel Rotwild mit 30-40 Stück friedlich am Mittag äsend auf einer Freifläche steht. Auch sonst sind viele Tiere unterwegs. Vor allem seltene Insekten finden dort ein Refugium. Natürlich ist es auch Aufgabe der Förster diese seltenen Tiere zu erhalten und somit ist ein großer Teil der Arbeit auch mit dem Naturschutz und der Landschaftspflege verbunden. In diesem Bereich wird man sehr von den Amerikanern unterstütz. Für den Naturschutz haben die mehr Geld zur Verfügung als die gesamte Bundesforsstelle Grafenwöhr Jahresetat hat. 
 
Kulturhistorisches trifft man auch auf jedem Schritt. Nicht nur das die Ruinen der ehemaligen Dörfer die auf dem Übungsplatz vor seiner Erweiterung durch die Nazis noch vielerorts zu sehen sind, nein man trifft auch auf die Spuren des Dritten Reiches. Überall in der Landschaft zerstreut stehen noch alte Bunker, die von den Amerikaner in den Nachkriegsjahren gesprengt wurden. Heutzutage werden diese Bunker aber gelegentlich zweckentfremdet.
 
Gefährlich ist es im Grunde nicht (es sei denn man fährt während des Schiessbetriebs durch die Schiessbahn, das kann tödlich enden), jedoch findet man überall und vor allem an den Rändern der Schiessbahnen Geschossreste.
 
Wer einmal die Möglichkeit hat, auf dem Übungsplatz ein Praktikum abzuleisten den kann ich nur ermutigen. Die Leute sind nett, die Arbeit interessant und man sieht echt viel. Gelegentlich findet man auch lauschige Plätzchen wie den Altenweihrer Ursprung.

 


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